Fünfstelliger Betrag

Zu viele Hausbesuche: Ärzte der Hochlandpraxis Gilserberg müssen zahlen 

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Hochlandpraxis Gilserberg: Nils Wagner-Praus und Marei Schoeller

Gilserberg. Die Ärzte der Hochlandpraxis Gilserberg Nils Wagner-Praus und Marei Schoeller machen laut Kassenärztlicher Vereinigung zu viele Hausbesuche. Sie sollen einen fünfstelligen Betrag zurückzahlen. 

Wenn Marei Schoeller geahnt hätte, welche Probleme ihr mit dem Einstieg in die Gilserberger Hochlandpraxis ins Haus stehen, hätte sie sich den Schritt wohl noch einmal gut überlegt: Zu diesem Schluss kommt die Allgemeinmedizinerin nach ihren Erfahrungen mit der Kassenärztlichen Vereinigung. „Es gab noch kein Jahr ohne Regressforderungen seit ich hier bin“, erklärt sie. 

Vor vier Jahren stieg sie in die von Dr. Joachim Klug gegründete Praxis mit ein. Kollege Nils Wagner-Praus ist seit 18 Jahren in Gilserberg tätig. Seit Längerem sei die Hochlandpraxis auffällig, wenn es um die Abrechnung der Hausbesuche gehe, berichtet Wagner-Praus.

Hochlandpraxis Gilserberg: "Offensichtliche Unwirtschaftlichkeit" vorgeworfen

Für 2012 bis 2014 müssen die Ärzte nun einen hohen fünfstelligen Betrag an die Kassenärztliche Vereinigung zurückzahlen. „Es geht nicht um die Summe, die wir bezahlen müssen. Unser Anliegen ist vielmehr auf die Ursache des Verfahrens hinzuweisen“, erklären die Ärzte, denen „offensichtliche Unwirtschaftlichkeit“ vorgeworfen wird. 

Infrage stellen die Mediziner die Strukturen, die eine solche Verfahrenseröffnung möglich machen: „Sie sollten überdacht werden und bei entsprechender Einsicht, dass sie der Überarbeitung und Veränderung bedürfen, der Realität angepasst werden.“ Wem wirklich ein Hausbesuch zusteht, diese These klaffe in Theorie und Praxis weit auseinander, sind die Ärzte überzeugt.

Im Hochland beispielsweise gebe es keinen öffentlichen Personennahverkehr. Es sei älteren Menschen schwer möglich, überhaupt in die Praxis zu kommen. Auch haben Wagner-Praus und Schoeller auf die besondere Situation der Patientenversorgung in den Seniorenheimen verwiesen – in Gilserberg gibt es neben dem Seniorenheim die Paritätische Nachsorgeeinrichtung sowie das Hospiz. 

„Im Hospiz werden Menschen aus dem gesamten Kreis betreut, die hausärztliche Zuständigkeit liegt zum Großteil in unserer Praxis“, erläutert Wagner-Praus. Zudem gehöre es für einen Hausarzt dazu, das Umfeld seiner Patienten in die Behandlung miteinzubeziehen: „Und die Situation zu Hause sehe ich erst beim Besuch“, sagt Schoeller. Knapp 2100 Menschen versorgt die mittelgroße Landarztpraxis im Quartal.

Den Rat, Leistungen zu reduzieren, empfinden die Ärzte als Hohn: „Das ist nichts anderes als die Aufforderung, unsere medizinische Qualität herunterzuschrauben.“ Solche Verfahren schreckten in Zeiten von Hausärztemangel angehende Kollegen ab, sich auf dem Land niederzulassen. Es gelte, Rahmenbedingungen auf politischer Ebene zu überdenken und den Menschen in Stadt und Land die Sicherheit zu geben, medizinisch gut versorgt zu werden. Schoeller und Wagner-Praus wollen ihre Patienten weiter so gut wie möglich versorgen: „Das ist ein Versprechen“, sagen sie.

Quelle: HNA

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