Im Hochmittelalter waren die Gipfel der beiden Gudenberge mit Burgen gekrönt

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Zwillinge aus der Entfernung: Der Kleine (links) und der Große Gudenberg bei Oberelsungen sind vom Westen aus betrachtet gut auszumachen. Das Foto entstand in einem Sonnenblumenfeld bei Nothfelden.

Zierenberg. Die Phase, in der Burgen die Kuppen des Kleinen und des Großen Gudenberges zwischen Oberelsungen und Zierenberg krönten, war von kurzer Dauer. Auch wenn es sie schon einige Jahrzehnte länger gegeben haben dürfte, so wurde die Höhenburg auf dem Kleinen Gudenberg (532 Meter) urkundlich erstmals im Jahr 1175 erwähnt. Einhundert Jahre später lag sie in Trümmern.

Ihr Schicksal gleicht dem der Schwesterburg, die auf dem benachbarten, 569 Meter hohen Gipfel errichtet wurde - auch sie wurde Ende des 13. Jahrhunderts von Landgraf Heinrich I. von Hessen dem Erdboden gleich gemacht.

Auf dem Gipfel des Kleinen Gudenberg: Aufgeschichtete Basaltsteine deuten einen Mauerring an.

Heute muss man den Gudenbergen sehr dicht auf die Pelle rücken, sich auf den letzten hundert Metern zum Gipfel durch Brennnesseln und Kletten kämpfen, um etwas aus ihrer Geschichte zu erfahren. Denn wenn man mit dem Auto auf der A 44 an den Erhebungen vorüberrauscht, gibt ihr bloßer Anblick nichts von der spannenden Vergangenheit preis. Erst beim Aufstieg können Wanderer kurz vor Erreichen des Bergplateaus in der Landschaft lesen. Dort gibt es Mauerreste sowie eine Ansammlung von Gräben und Wällen. Bezirksarchäologe Dr. Klaus Sippel spricht in seiner Einschätzung von atemberaubenden, riesigen hochmittelalterlichen Anlagen, die einst auf den beiden Gudenbergen thronten. Der Große Gudenberg bestand aus einer Hauptburg, dem Sitz der Adligen - dies waren die Herren von Gudenberg - und einer etwas tiefer gelegenen Vorburg, in der sich die Wirtschaftsgebäude befanden. Sippel geht von einer Festung aus, die auf einer Fläche von 130 Metern Durchmesser gemauert stand. Bis zur Gründung Zierenbergs im Jahr 1293 spielte sich das Leben auf den Burgen ab, die wehrhaften Anlagen waren Zeichen von Macht und Prestige. Ihre Bewohner waren darauf aus, Krieg zu führen.

Kriege und Kämpfe

Allerdings hatten die Herren von Gudenberg, deren Burgen mainzisches Lehen war, wenig Glück bei den Kämpfen. Soldaten des Landgrafen Heinrich I. von Hessen zerstörten die Burgen bei Gefechten mit dem Mainzer Erzbischof Werner von Eppstein in den Jahren 1269 und 1272. Um 1290 wurden beide Bauwerke aufgegeben und das Leben verlagerte sich in die Stadt Zierenberg und die umliegenden Ortschaften.

Ob die Burg auf dem Großen Gudenberg oder jene auf dem etwas niedrigeren Nachbarn imposanter war, das lasse sich heute nicht mehr sagen, sagt Bezirksarchäologe Sippel, der bei Spaziergängen zu den überwucherten Ruinenresten gebrannte Scherben aus dem 12. und 13. Jahrhundert gefunden hat.

Von Antje Thon

Quelle: HNA

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