Eltern müssen seit 1. April mehr zahlen

Höhere Kita-Gebühren in Wolfhagen: Vater kritisiert, Stadt verteidigt

Kritisiert die Anhebung der Kindergartengebühren: Wolfgang Amberg-Schimana mit Tochter Sophie. Amberg-Schimana ist stellvertretender Vorsitzender des Gesamtelternbeirats im Haus der kleinen Füße. Foto:  Norbert Müller

Wolfhagen. Seit Anfang April gelten in Wolfhagen in den städtischen Kitas höhere Gebühren. Von Elternseite gibt es Kritik, die Stadt bezeichnet die erste Erhöhung seit 14 Jahren als ausgewogen.

„Begeisterung gibt es bei einer Gebührenerhöhung nie“, sagt Wolfhagens Hauptamtsleiter Kai Liebig. Die Erhöhung der Kindergartengebühren zum 1. April und in einer zweiten Stufe ab 2018 ging bislang aber recht geräuschlos über die Bühne.

Die Ruhe täusche allerdings, betont Wolfgang Amberg-Schimana, dessen Tochter Sophie das Haus der kleinen Füße in Wolfhagen besucht. In der Elternschaft gebe es durchaus Kritik, allerdings werde die überwiegend intern laut.

Die Schimanas, beide Elternteile sind in Vollzeit berufstätig, für die Tochter wurde die maximale tägliche Betreuungszeit von 7 bis 16.30 Uhr gebucht – haben nun die Kritik gegenüber der HNA geäußert. Im Wesentlichen stießen ihm zwei Punkte sauer auf, sagt der 52-jährige Amberg-Schimana. Zum einen: Innerhalb von neun Monaten werde zweimal erhöht. Da wolle man wohl das Ausmaß der Gesamterhöhung verschleiern. Zweitens: die Größenordnung der Erhöhung. Für einige Eltern bedeute das eine monatliche Mehrbelastung von gut 100 Euro. Der als Verkaufsleiter in der Autobranche Tätige macht es am eigenen Beispiel deutlich: Bislang habe man für die Betreuung der Tochter 147 Euro pro Monat ohne Essen gezahlt. Seit 1. April zahle man für die Ganztagsbetreuung 212 Euro. Dazu komme noch das Essen. Und ab kommendem Jahr würden 247,50 Euro fällig, wäre nicht die Tochter in Kürze im Vorschulalter. Dann aber sind die Kinder von der Gebühr der Kernzeit (112 Euro) befreit.

„Es geht nicht darum, ob die Betreuung das Geld wert ist“, betont Amberg-Schimana. Seine Tochter besuche das Haus der kleinen Füße seit zwei Jahren, „das ist ein toller Kindergarten mit tollen Erzieherinnen“. Mit der Erhöhung der Gebühren habe die Stadt aber „ein völlig falsches Signal gesetzt, hier wird auf den Schultern der Kinder und der Eltern Politik gemacht, um die Haushaltskasse aufzubessern.“

Das sei auch deswegen nicht in Ordnung, da der Förderverein der Kita, also die Eltern, „wahnsinnig viel Geld und Zeit“ in den Kindergarten stecken. Er appelliere an die Stadtverordneten, die im März die Gebührenänderung mit 22 Ja-Stimmen – vier Parlamentarier votierten mit nein, zwei enthielten sich – beschlossen hatten, auf die für den 1. Januar 2018 geplante zweite Stufe der Erhöhung zu verzichten.

Dazu werde es nicht kommen, prophezeit Stadtverordnetenvorsteher Burkhard Finke. „Wir waren im Rahmen des Haushaltskonsolidierungskonzeptes verpflichtet, alles zu prüfen.“ Das Parlament habe dann mit großer Mehrheit entschieden, dass die erste Erhöhung seit 14 Jahren akzeptabel sei.

Die Stadt Wolfhagen habe sich zudem im Vorfeld bei Nachbargemeinden und Kommunen ähnlicher Größe im Kreis informiert. Auch wenn die Vergleichbarkeit wegen unterschiedlicher Gebührenmodelle nicht so einfach sei, sagt Hauptamtsleiter Kai Liebig, sei er der Ansicht, Wolfhagen liege auch nach der Anhebung im Kreis auf einem Platz im Mittelfeld.

Er halte die neue Gebühr für ausgewogen. Die von den meisten gebuchte Kernzeit – 8 bis 12 Uhr – werde moderat angehoben, die extra zu buchende Betreuungszeit, die Stunde davor und die Stunden danach, allerdings stärker. Da habe man „ein eklatantes Missverhältnis angeglichen“. Laut Liebig sind zunächst die Eltern der rund 300 Kinder der fünf städtischen Kitas betroffen, mit den freien Trägern (vier Kitas) beginne man in diesem Monat Gespräche mit dem Ziel der Angleichung.

In den städtischen Kitas seien es zwölf Familien, die letztlich ab 2018 eine Zusatzbelastung von 100 Euro oder etwas mehr zu verkraften hätten. Im Schnitt liege sie bei rund 30 Euro pro Monat. Liebig: „Wir haben nicht blindlings draufgeschlagen, sondern genau hingesehen und dort draufgesattelt, wo die Unterfinanzierung am Eklatantesten war: bei den freiwilligen Zusatzleistungen.“

Quelle: HNA

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