Homberg benannte Straßen nach Nazigegnern

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Freuten sich über die Würdigung: Andreas, Ingrid und Meinhard Zenker als Nachfahren des Namensgebers enthüllten das Straßenschild in der ehemaligen Dörnbergkaserne.

Homberg. Der Gedenktag zu den Nazi-Pogromen am 9. November war in Homberg der Anlass, in der ehemaligen Dörnbergkaserne Straßen nach Gegnern des Unrechtsregimes zu benennen.

Dort gibt es jetzt eine Johannes-Zenker-Straße und eine Friedrich-Kramer-Straße.

Zu der Gedenkfeier waren die Nachfahren Johannes Zenkers aus Würzburg angereist. Sohn Meinhard Zenker enthüllte das Schild. „Es ist eine große Ehre für meinen Großvater“, sagte Andreas Zenker. Die Straßen nach Widerständlern gegen das Naziregime zu benennen, sei eine Idee des Stadtparlamentes gewesen, sagte Bürgermeister Dr. Nico Ritz.

„Die Tradition soll Erinnerung wach rufen“, fügte Landrat Winfried Becker hinzu. Seit 70 Jahren sei Frieden in Deutschland. Das solle man nicht vergessen, andere hätten dafür gekämpft.

Thomas Schattner, Lehrer der THS, hat über das Leben von Johannes Zenker recherchiert. Er wurde 1899 in Halle/ Saale geboren und war von 1931 Lehrer an der damaligen Aufbauschule (heute THS). Er sei Pazifist gewesen und von Anfang an gegen die NSDAP. In der Folge wurde er verhaftet und war 1933 drei Tage lang im KZ in Wabern. Er musste die Schule und Homberg verlassen und zog später nach Berlin, wo er dann auch im Widerstand war. Er starb 1961.

Den Lebenslauf von Friedrich Kramer erläuterte Bernd Herbold. Der Homberger lebte von 1886 bis 1940, er war bereits 1906 in die SPD eingetreten und im Homberger Stadtparlament bis 1919 vertreten. Der gelernte Stellmacher hatte im Ersten Weltkrieg an der Front gekämpft. Später war er als Handwerker und dann als Gastronom in Kassel tätig. 1933 geriet er in die Fänge der Nazis. Er sei in vielen Gefängnissen gewesen und schwer gefoltert worden. Später lebte er in Kassel und starb 1940 auch an den Folgen der vielen Misshandlungen.

Parallel zur Straßenbenennung wurde am Brigadeplatz an der ehemaligen Ostpreußen-Kaserne eine gelbe Schleife angebracht. Frank Gille vom Förderverein Stabsdivision Schnelle Kräfte aus Stadtallendorf hatte dies angeregt. Die Kasernen in Homberg seien ein Traditionsstandort gewesen, sagte Dr. Nico Ritz.

Die gelbe Schleife sei ein Symbol für die Solidarität mit den Soldaten, die sich zurzeit im Auslandseinsatz befinden, wie etwa in Afghanistan und Mali. 

Quelle: HNA

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