Hintergründe der Gleichstellung in Europa

Comenius-Programm der THS: Jungs haben es bei uns oft schwerer

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Sie stehen für sechs europäische Nationen und deren Zusammenarbeit: von links Judith Lbrixa, Judith Jaeger, Christian Kaysen, Jakub Junek, Veera Heikkinen und Deletia Unione.

Homberg. Jungen haben es nicht nur in Deutschland oft schwerer in der Schule als Mädchen. Häufiger können sie die geforderte Leistung in den siebten oder achten Klassen nicht bringen, bleiben sitzen oder wechseln die Schulform. Auch in Spanien, Tschechien oder in Italien wird das beobachtet.

Das Thema Gleichstellung der Geschlechter beschäftigt die sechs Partnerschulen des Comenius-Projektes, die zurzeit an der Theodor-Heuss-Schule Homberg ihre Ergebnisse austauschen. Dieses Mal stehen für die Deutschen die Jungen bei der Beobachtung im Mittelpunkt.

Um dem Hintergrund des Schulversagens von Jungen auf die Spur zu kommen, führten die Schüler der THS Interviews mit Medizinern, Politikern, Werbeprofis und Sozialpädagogen - mit interessanten Ergebnissen. Mediziner berichteten, dassMädchen immer früher in die Pubertät kommen. "Wenn sie dann in die siebte oder achte Klasse kommen und die Anforderungen steigen, sind sie fast schon durch die gröbsten körperlichen Prozesse durch und können sich besser aufs Lernen konzentrieren", sagte Lehrerin Rosie Hetzler-Roggatz.

Bei den Jungen dagegen fingen die Veränderungen, dann erst an und es falle ihnen schwer mitzuhalten, weil sie Anderes im Kopf hätten als Schule. Die Veränderungen des Gehirns während der Pubertät seien nicht zu unterschätzen. Das müsse man stärker berücksichtigen.

Zeitpunkt der Pubertät

Diese Erfahrung teilen auch die Sozialpädagogen, die zu dem Thema befragt wurden. Der Zeitpunkt der Pubertät und die Bewältigung der Anforderungen spielten eine entscheidende Rolle.

Ein weiterer Grund für mangelnde schulische Motivation von Jungen seien fehlende männliche Vorbilder in der Schule, das bestätigten auch die tschechischen Schüler. Sie beobachteten, dass es an vielen ihrer Schulen zu viele weibliche Lehrer und auch Schülerinnen gäbe. "Die Jungen fühlen sich nicht in ihrer Rolle gespiegelt", sagte Lehrerin Katharina Strunzova.

In den südeuropäischen Ländern seien dagegen traditionelle Rollenmuster noch an der Tagesordnung, in Norditalien breche das erst langsam auf, berichteten die Schüler. Schuld seien daran auch die Medien und ihre Klischees.

Von Christine Thiery

Quelle: HNA

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