Film ist stummer Zeuge der Geschichte

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Ein Blick in die Vergangenheit: Eine Postkarte aus dem Jahr 1934. Sie entstand aus Anlass der Dörnberg-Festspiele.  

Homberg. Am 12. Juni 1933 verkündete das Kreisblatt, dass der erste Film über Homberg fertig ist: „Wehrsport und Wehrgeist im schönen Hessenland“. Produziert worden war er von der Gaufilmstelle im Auftrag der NSDAP-Kreisleitung.

Am 15. Juni wurde der Film bei „Walther“ (Deutscher Kaiser) gezeigt. Er verfügte über keine Tonspur, eingeblendete Schrifttafeln zeigten an, was in den Sequenzen zu sehen war. Heute ist der Film ein stummer Zeuge der Geschichte.

Die AG „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ der Homberger Theodor-Heuss-Schule (THS) hat sich mit dem Film auseinandergesetzt. Am 30. Januar werden die Ergebnisse präsentiert. Ab 19 Uhr laden die Schüler zu einem Film- und Vortragsabend in der VR-Bank Homberg ein. Der Film wird in die Geschichte der Homberger NSDAP ab 1925 und die Phase der nationalsozialistischen Machtübernahme zwischen 1930 und 1934 eingeordnet, die gezeigten Ereignisse kommentiert.

Die Premiere des Films fiel 1933 in eine Etappe der NS-Machtübernahme, in der eine permanenten Mobilmachung stattfand. Hitler hatte bei den Wahlen am 5. März 1933 keine absolute Mehrheit auf Reichsebene erreicht. Die Nationalsozialisten betrieben Werbung auf Hochtouren.

Zu sehen sind zahlreiche Ereignisse politischer, militärischer, aber auch gesellschaftlicher Natur aus den ersten Monaten des NS-Staates im Kreis Homberg. Was heute absurd und fast schon belustigend wirkt – SA-Männer hocken in Bäumen oder kriechen durch Wiesen – wurde damals als „Wehrsport“ und „Wehrgeist“ ernst genommen.

Neben den Zeugnissen der nationalsozialistischen Entwicklung zeigt der Film in vielen Sequenzen auch zeitgenössische Aufnahmen von Homberger Sehenswürdigkeiten. So etwa die Marienkirche, Marktplatz, Schlossberg, Stellberg, einzelne Winkel und Gassen in der Stadt, Bilder vom Preag-Gelände in Borken, startende Segelflieger auf dem Mosenberg, vom Homberger Basaltwerk und vieles mehr. Eine originale Kopie des Films ist noch in Homberg vorhanden und wird seit 2006 auch auf DVD verbreitet. Auch im Internet gibt es den Film.

Zum Vortragsabend kann man sich noch bis zum 25. Januar per Email bei der Homberger THS anmelden: Sekretariat@THS-homberg.de

Von Thomas Schattner

Quelle: HNA

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