Projektentwickler im HNA-Gespräch

Interview: Im Endspurt für Solarpark

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Kurz vor der Fertigstellung: Am Freitag soll für die neue Photovoltaikanlage bei Homberg die Abnahme nach der Einspeisungsgesetz erfolgen.

In Homberg ist in den vergangenen Wochen der größte Solarpark Hessens entstanden. Er hat eine Leistung von 7,5 Megawatt. Frank Geerken hat das Projekt mit seiner Firma entwickelt. Wir sprachen mit ihm über seine Erfahrungen, die Kritik, die es gab, und weitere Pläne.

Wie sind Sie auf den Standort Homberg gekommen?

Geerken: Ganz einfach, durch eine Immobilienanzeige für die PV-Anlage in der Zorngrabenstrasse.

Bereuen Sie die Entscheidung?

Geerken: Nein. Wir haben hier ein absolut erfolgreiches PV-Großprojekt verwirklicht und die größte Solaranlage in Hessen gebaut. Es war ein harter Weg, aber er hat sich gelohnt.

Wie hat sich die Diskussion um den Kauf des Kasernengeländes und das Bürgerbegehren auf das Projekt ausgewirkt?

Geerken: Wir haben uns aus den politischen Diskussion heraus gehalten, aber sie hatten Einfluss auf unsere Arbeit. Ich habe viele Gespräche mit der Stadt geführt. Die Grundidee war es dabei, zu einer Gesamtgestaltung des Kasernen-Areals zu kommen.

Haben Sie Verständnis für die Bedenken der Homberger?

Geerken: Wir haben das natürlich sehr genau beobachtet. Wir haben in Homberg den Internet-Blog Homberger Hingucker. Was dort geschrieben wird, ist in Teilen hart an der Grenze der Legalität, aber wohl noch im Rahmen des demokratisch Zulässigen.

Ich habe allerdings kein Verständnis dafür, dass mein Name so oft genant wird, ohne dass ich den Verfasser jemals gesehen oder gesprochen hätte. Mir ist auch nicht ganz klar, was FWG und Grüne monieren. Wir haben hier eine hervorragende Anlage, die einen Beitrag zur Energiewende leistet.

Steckt hinter der Kritik ein grundsätzlich anderes Verständnis von Energiepolitik? Steht die Rendite womöglich zu stark im Vordergrund?

Geerken: Aber hier geht es ja nicht um Atomkraft oder um ein Braunkohlekraftwerk, sondern um eine zukunftsorientierte Energieform.

Mit Aussicht auf hohen Profit?

Geerken: Ohne Zweifel. Natürlich gehe ich dorthin, wo ich Aussicht auf wirtschaftlichen Erfolg habe. Gleichzeitig möchte ich aber meine Vorstellung von einer Energieversorgung ohne Kohlendioxid verwirklichen. Da bin ich auch Idealist.

Die Anlage sollte bis zum 31. September ans Netz gehen, um eine höhere Einspeisevergütung zu erhalten. Klappt das?

Geerken: Wir hatten ein sehr enges Zeitkorsett. Kürzlich hatten wir einen Tag Baustopp, weil eine Panzerübungsmine gefunden worden war. Allein das hat uns schon zurückgeworfen. Die Anlage wird aber in dieser Woche abgenommen. Wir sind damit genau im Zeitplan.

Kritiker behaupten, die geplante Einspeisevergütung von 17 Cent pro Kilowattstunde sei falsch kalkuliert, weil es sich nicht um eine Konversionsfläche handele.

Geerken: Wir werden wie geplant diese Einspeisevergütung erhalten. In der Betrachtung des Gesamtareals sind 59,5 Prozent als belastete Flächen und damit als Konversionsfläche anerkannt. Das ist uns von mehreren unabhängigen Stellen bestätigt worden.

Warum haben Sie Ihre Baustelle bewachen lassen?

Geerken: Das ist nicht ungewöhnlich. Wir müssen aus versicherungsrechtlichen Gründen für eine Bewachung sorgen. Dort lagerten in den vergangenen Wochen Millionenwerte an Material. Tagsüber war eine Bewachung auch deshalb nötig, weil wir verhindern mussten, dass Menschen zwischen den Baumaschinen umher liefen.

Können Sie verstehen, dass das die Leute provoziert hat?

Geerken: Wir haben immer wieder um Verständnis geworben, aber es haben trotzdem immer wieder Menschen das Gelände betreten. Ich kann auch nicht einfach auf Privatgrundstücke anderer Menschen gehen.

Verfolgen Sie noch weitere Pläne in Homberg?

Geerken: Ja es gibt Pläne. Das Kasernengelände hätte das Potenzial, zwei weitere Solaranlagen mit fünf Megawatt Leistung zu bauen. Das würde ich mit meiner Firma bgreen project gerne entwickeln, aber wir werden erst einmal die zukünftige, politische Gesamtstruktur betrachten und daher sind wir eher zurückhaltend. Zwei bis drei Investoren sind ohnedies schon abgesprungen. Der wirtschaftliche Schaden für die Stadt ist immens.

Resultieren die Vorbehalte auch daraus, dass die Menschen bisher nicht die Möglichkeit hatten sich im Sinne eines Bürgersolarparks zu beteiligen?

Geerken: Das war zunächst so konzipiert. Aber auch hier hat der politische Gegenwind geschadet. Einige potenzielle Investoren sind abgesprungen. Abgesehen davon hatten wir extrem wenig Zeit, das Projekt als Bürgersolarpark aufzuziehen.

Ist das denn nun überhaupt noch ein Thema?

Geerken: Natürlich. Meine Firma bgreen project ist der Entwickler, die BaySolar der Generalunternehmer, und darüber hinaus wird es eine Betreibergesellschaft geben. Den Namen kann ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht nennen. Dieser Betreiber möchte gerne einen Bürgersolarpark ermöglichen.

Werden Sie auch selbst investieren?

Geerken: Ganz sicher. Die Anlage ist ja mein Baby.

Derzeit besteht noch ein Pachtvertrag der BaySolar mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben. Was würde passieren, wenn die Stadt das gesamte Gelände kauft?

Geerken: Der Vertrag ist in enger Abstimmung mit der Hessischen Landgesellschaft abgeschlossen worden, die das Gelände im Auftrag der Stadt bevorraten soll. Der Vertrag kann ohne Probleme übergeben werden.

Bliebe es also bei den avisierten Pachteinnahmen von 75.000 Euro für die Stadt?

Geerken: Das ist ganz sicher.

Haben Sie sich mit den Schäfern geeinigt, die das Gelände als Weide brauchten?

Geerken: Eine Schafbeweidung wollten wir immer haben. Wir haben die Solarmodule sogar auf 80 Zentimeter statt auf 60 Zentimeter gesetzt, damit eine Beweidung besser möglich ist. Wir stehen kurz vor Abschluss eines Pflegevertrages mit der Schäferei.

Zahlen und Fakten zum Solarpark

Nach Angaben von Projektentwickler Frank Geerken gelten für die Photovoltaik-Anlage in Homberg folgende Zahlen und Fakten:

• Leistung: 7,5 Megawatt als Spitzenwert

• Zum Vergleich: Die Kernstadt Homberg hat einen Spitzenverbrauch von 6,5 Megawatt.

• Investition: zehn bis zwölf Millionen Euro.

• Mehr als 30.000 Solarmodule wurden verbaut

• Der Strom wird ins Netz von Eon Mitte eingespeist, das günstiger zu erreichen war als das Netz der Kraftstrom-Bezugsgenossenschaft.

• Baubeginn: Mitte Juli

• Fertigstellung: Abnahme nach dem Einspeisegesetz ist am Freitag, 28. September.

• Ausgleichsfläche: Für 50.000 Euro wurden 6000 Quadratmeter Ausgleichsfläche bepflanzt.

Von Heinz Rohde

Quelle: HNA

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