Homberger Altstadtkindergarten für Denkmalschutzpreis nominiert

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Alt- und Neubau kombiniert: Die Altstadt Kita ist in der engeren Auswahl zum hessischen Denkmalschutzpreis. Unser Foto entstand beim Aufbau des Spielgerüstes im vergangenen Jahr.

Interview mit Dr. Markus Harzenetter zu einer möglichen Auszeichnung für die Stadt

Homberg. Dass in einem abbruchreifen Wirtschaftsgebäude aus dem 18./19. Jahrhundert in der Nähe des Homberger Marktplatzes einmal Kinder spielen würden, hat lange Zeit wohl niemand gedacht. Seit vergangenem Jahr ist in das Gebäude an der Salzgasse aber wieder Leben eingezogen. Die denkmalgerechte Sanierung zu einer Altstadtkita hat für das Hessische Landesamt für Denkmalpflege Vorbildcharakter. Deshalb ist das Haus für den Denkmalschutzpreis nominiert.

Eine Jury wird sich heute um 17.40 Uhr das Gebäude anschauen und bewerten. Wir sprachen mit Dr. Markus Harzenetter, Präsident des Landesamts für Denkmalpflege, über die Sanierung und den Sinn der Auszeichnung.

Der hessische Denkmalschutzpreis wird jedes Jahr vergeben. Was soll er bewirken?

Markus Harzenetter: Der Preis soll ganz klassisch Feedback geben an Bürger. Es geht darum, Menschen, die sich mit viel Aufwand für Denkmalschutz engagieren und ihr Haus fachgerecht sanieren, auch positive Rückmeldungen erfahren. Die Idee dahinter ist die, dass Denkmalpflege in erster Linie Angelegenheit von Grunstückseigentümern ist. Oder eben von Kommunen, die sagen, wir setzen ganz gezielt einen Akzent, um ein Areal wieder aufzuwerten. Wie im Fall von Homberg.

Welche Kriterien muss ein Gebäude erfüllen, um den Denkmalschutzpreis zu erhalten?

Harzenetter: Es muss zunächst ein eingetragenes Baudenkmal sein. Die Arbeiten müssen in Absprache mit der unteren Denkmalbehörde und dem Landesamt für Denkmalpflege ausgeführt worden sein, und die Arbeiten müssen über die normale Pflichterfüllung hinaus gehen. Pflichterfüllung ist das eine, aber es muss mehr an Herzblut und Idealismus erkennbar sein, als die normale Abarbeitung von einem Maßnahmenkatalog.

Das scheint bei der Altstadtkita der Fall zu sein, wenn es das Gebäude neben neun weiteren in die engere Auswahl geschafft hat. Was ist das besondere an der Altstadtkita?

Harzenetter: In vielen Orten nimmt der Altort an Attraktionen ab, es wohnen nur noch alte Menschen dort oder nur noch sozial schwächeres Klientel. Alle anderen ziehen in Neubaugebiete. Aus Sicht der Jury ist die Nutzung des Gebäudes spannend. Mit diesem Projekt soll gezielt die Altstadt revitalisiert werden. Es werden wieder Kinder in die Altstadt gebracht. Man ist hier weg von der Vorstellung, dass Kitas möglichst nah an den Waldrand gebaut werden müssen, damit jeder Bäume sieht. Es wurde bewusst versucht, in die Altstadt zu gehen und junges Leben wieder in alten Gebäuden stattfinden zu lassen.

Wieso wird das Gebäude noch einmal persönlich begutachtet?

Harzenetter: Wir wollen einen Kriterienkatalog erfüllen. Es ist sinnvoll, dass die Gebäude von einer Jury einheitlich bewertet werden. So kann es nicht passieren, dass ein Referent sich in ein bestimmtes Gebäude verliebt und es bevorzugt. In der Jury sind ganz bewusst beispielsweise auch Vertreter aus der Handwerkskammer und der Gewinner des Vorjahres, um die unterschiedlichen Gesichtspunkte mit einfließen zu lassen.

Auf was wird die Jury besonders in Homberg achten?

Harzenetter: Hier haben wir den klassischen Fall Neubau in Kombination mit Altbau, die Jury wird sich die Situation im städtebaulichen Kontext anschauen, es wird berücksichtigt, wie restauratorisch mit den einzelnen Teilen des Altbaus umgegangen wurde. Es wird versucht, einen möglichst kompakten Eindruck über die gesamte Anlage zu erhalten, so wie sie sich für jemanden darstellt, der von außen auf das Haus schaut.

Kann man die Kita mit den anderen Gebäuden vergleichen etwa von Privatpersonen? Es muss schwierig sein, das zu trennen.

Harzenetter: Wir versuchen, Cluster zu bilden und vergleichbare Bauten zu sortieren. Diese Bauaufgaben werden in Unterrubriken miteinander verglichen. Dennoch geht es immer darum, möglichst viel Authentisches an Materialien und Informationen vom Objekt in die neue Nutzung zu übertragen. Das ist die zentrale Frage.

Welche Chancen hat die Kita auf eine Auszeichnung?

Harzenetter: Die Objekte, die jetzt bereist werden, sind die in der engeren Wahl. Von der Papierform her sind sie alle sehr nah beieinander und es kommt jetzt auf den letzten Eindruck an. Aber es ist schon eine Anerkennung und Wertschätzung der Leistung, die vor Ort erbracht worden ist, wenn die Jury kommt.

27 500 Euro sind zu vergeben. Muss das Preisgeld wieder für die Denkmalpflege eingesetzt werden?

Harzenetter: Wir haben die Möglichkeit, das Preisgeld zu staffeln. Öffentliche Arbeiten, die bereits Zuschüsse erhalten haben, erhalten seltener ein Preisgeld. Das ist eher für Privateigentümer gedacht. Es muss nicht für die Denkmalpflege genutzt werden. Dafür könnten Sie auch in den Urlaub fahren. Es ist eine kleine Belohnung. Foto: Hartwig Dülberg/nh

Quelle: HNA

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