'd'Bus' fährt durchschnittlich 20 Touren am Tag

Homberger Bürgerbus bringt Jung und Alt ans Ziel

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Hilfe beim Ein- und Aussteigen: Karl-Heinz Paul vom Verein Bürger für Homberg hilft Ursula Spohr aus dem Bürgerbus. 

Homberg. Seit einem halben Jahr bringt der Homberger Bürgerbus Menschen, die nicht mobil sind, an ihr Ziel. Der Verein macht klar: Sie sind mehr als ein kostenloser Fahrtendienst.

„Heute habe ich einen Arzttermin.“ Ursula Spohr steigt mit einem Lächeln ins Innere des Homberger Bürgerbusses. Karl-Heinz Paul stellt ihr zur Hilfe ein Einsteigtreppchen vor den Kleinbus. Paul hilft ihr auch beim Anschnallen. Die Handgriffe dafür sind bereits routiniert, immerhin ist Paul seit einem halben Jahr als Leiter des Fahrteams auch bei den Fahrten durch das Homberger Stadtgebiet dabei.

Spohr ist eine der etlichen Mitfahrer, die den Service des Bürgerbusses regelmäßig nutzen. Meist fährt die 86-Jährige so zu ihren Arztterminen von Holzhausen in die Homberger Kernstadt. Früher, so erzählt sie, während der Bus den Homberger Stadtteil verlässt, habe sie das Taxi für solche Fahrten gerufen.

Trotz einer Fahrtkostenerstattung für Senioren durch die Stadt habe Spohr immer draufzahlen müssen. Der Bürgerbus dagegen koste die Seniorin nichts – nur eine freiwillige Spende.

Sozialer Nebenaspekt

„d’Bus“‘nennen die Vereinsmitglieder liebevoll ihren Bürgerbus. Und der Name komme nicht von irgendwoher: „Wir wollten einen heimatlichen, nordhessischen Namen, als wir den Bürgerbus ins Leben gerufen haben“, sagt Dr. Herbert Wassmann vom Verein Bürger für Homberg.

Ein Bus für alle Bürger, egal ob jung oder alt, der ehrenamtlich betrieben wird und überall hinfährt, solange es im Stadtgebiet Homberg ist – das ist das Konzept des Bürgerbusses.

Und das komme an, wie Karl-Heinz Paul versichert. Der Verein Bürger für Homberg sei sehr zufrieden: Durchschnittlich 20 Fahrten mache der Bus an einem Tag. Es sind meist ältere Frauen, die sich zum Arzt oder zum Einkaufen aus den Stadtteilen nach Homberg fahren lassen. Aber auch ältere Männer, die nicht mehr selbst fahren können, und junge Menschen, die keinen Führerschein haben, melden gerne eine Fahrt an. Drei junge Frauen steigen in der Kernstadt ein. Ihr Ziel: Ein Lebensmittelmarkt am Stadtrand – ihre schweren Einkäufe müssten sie ohne Bürgerbus zu Fuß nach Hause tragen.

Vor dem Bürgerbus Homberg: (von links) Manfred Wachsmuth, Herbert Wassmann und Karl-Heinz Paul vom Verein Bürger für Homberg.

Ein positiver, sozialer Nebenaspekt: „Der Zweck der Fahrt ist egal, wir fahren auch ins Café in die Innenstadt zum Beispiel. Die Mitfahrer haben mit uns die Möglichkeit, Bekannte und Freunde wiederzusehen, die sie vielleicht 20, 30 Jahre nicht mehr getroffen haben“, sagt Paul.

Wie durchs Nadelöhr

„Hauptsache, es passt eine Zeitung zwischen“, kommentiert Manfred Wachsmuth schelmisch, als er den Bürgerbus an einem entgegenkommenden Auto in einer engen Seitenstraße vorbei lenkt. Der Bus fährt bis an die Haustür seiner „Kunden“ – durch enge Gassen und schmale Zufahrten. Ins Schwitzen kommt der Fahrer des Bürgerbusses aber nicht.

Wachsmuth lebt seit 63 Jahren in Holzhausen und kenne die Gegend wie seine Westentasche. Ein Straßenplan ist nicht nötig. Heute fahre er die Vormittagstour, seine Stationen seien unter anderem Hombergshausen und Lengemannsau.

Die Mitglieder des Bürgerbusvereins geben über einen Online-Plan an, an welchen Tagen sie den Bus fahren wollen. Nur an einigen Feiertagen, darunter Pfingsten, fällt der Bürgerbus aus.

Helfer gesucht

Der Verein Bürger für Homberg sucht noch weitere Helfer für den Bürgerbus. Eine Mitgliedschaft im Verein Bürger für Homberg wird aus Versicherungsgründen vorausgesetzt. Wer Interesse hat, das Team im Telefondienst oder als Fahrer zu unterstützen, kann sich bei Dr. Herbert Wassmann unter Telefon 0 56 81/59 90 und per E-Mail an wassmann.h@gmx.de melden.

Quelle: HNA

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