Homberger Städtepartnerschaften: Eine Ehe steckt in der Krise

Der Volkschor Kriniza aus der Homberger Partnerstadt Stolin in Weißrussland.

Homberg. Die Kreisstadt Homberg ist mit drei Orten verbunden - der englischen Stadt Bridgwater, der weißrussischen Stadt Stolin und der französischen Stadt Fresnes. Am Donnerstag erwartete man hohen Besuch: der weißrussische Botschafter kommt.

Sie dienten einst dazu, erste zarte Bande zwischen vom Krieg verfeindeten Ländern zu knüpfen: Städtepartnerschaften. Hombergs Städte-Ehe mit dem weißrussischen Stolin ist am aktivsten, die mit England schwächelt.

Am Donnerstag macht der weißrussische Botschafter Andrei Giro Station in Homberg. Schon im Vorfeld betonte er gegenüber Hombergs Bürgermeister Martin Wagner, dass die Partnerschaft zwischen Homberg und Stolin eine der aktivsten deutsch-weißrussischen Partnerschaften sei.

• Stolin: Homberg ist seit 20 Jahren eng mit Stolin verbunden. So lange schon kümmert sich der Partnerschaftsverein Homberg-Stolin um die Menschen in der Nähe von Tschernobyl, die an den Folgen der Reaktorkatastrophe leiden. Es sei eine Freundschaft, die von Homberg aus mit großer humanitärer Hilfe unterstützt werde, sagt Martin Wagner. Hilfstransporte und auch Freizeiten für Kinder gehörten dazu.

Darüber hinausgehende Vertiefungen mit anderen Vereinen der Kreisstadt gebe es nicht. „Das liegt aber auch an den Sprachbarrieren“, so Wagner. Außerdem reise etwa die Theodor-Heuss-Schule nach Moskau und nicht nach Stolin. „Dort gab es schon vorher Kontakte“, erklärt der Bürgermeister. Und: „Viele der Menschen, die in Homberg leben und ihre Wurzeln in Weißrussland haben, wollten oft nicht zurück.“ Sie seien froh, das totalitäre System hinter sich gelassen zu haben.

• Bridgwater: Die Partnerschaft zu Bridgwater durchlebt in ihrem 22. Jahr so etwas wie eine Krise. Das liege allerdings nicht am Engagement des Homberger Partnerschaftsvereins. Vielmehr sei es so, dass der Schüleraustausch erschwert wurde, sagt Wagner. Zum einen sei Deutsch keine verpflichtende Fremdsprache mehr und es gebe neue gesetzliche Regelungen, die es britischen Familien nur erlauben ein Gastkind aus fremden Ländern aufzunehmen, wenn sie ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen. „Diesen Aufwand scheuen viele“, weiß Wagner.

Dennoch seien in all den Jahren Freundschaften entstanden, die gepflegt würden. Vom Partnerschaftsverein und auch vom Rotary-Club. So seien 2013 Gäste aus England in Homberg zu Besuch gewesen. Doch sei es ohne Schüleraustausch schwer, neue Generationen für die Partnerschaft zu begeistern. „Das ist keine leichte Aufgabe“, so Wagner.

• Fresnes: Noch ganz frisch ist die Beziehung Hombergs zur französischen Stadt Fresnes. Gerade einmal seit acht Jahren sind sie verbunden. „Die Beziehung läuft prima“, sagt Wagner. Die Theodor-Heuss-Schule und die Musikschule setzten sich dafür ein. Deshalb funktioniere sie auch gut. „Es müssten sich immer Menschen finden, die sich dafür einsetzen“, erklärt er. „Es braucht Akteure, die Verantwortung übernehmen und die ihre Zeit opfern.“

Das sagt Martin Wagner:

Die Stadt biete durch die Partnerschaften die Möglichkeit zu Kontakten mit Menschen in fremden Städten. „Dadurch kann man andere Kulturen kennenlernen.“ Die Beziehungen müssten aber aus der Bevölkerung heraus gepflegt werden. „Das ist nicht die Aufgabe der Kommune“, so Martin Wagner. Natürlich halte die Stadt Kontakt zu den offiziellen Vertretern der Partnerstädte, helfe dabei, wenn es darum gehe, Fördergeld zu erhalten und habe auch schon Schülerpraktika organisiert. „Die Stadt kann nur der Katalysator sein und manchmal auch der Antrieb“, so Wagner.

Von Maja Yüce

Quelle: HNA

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