Bis die Sonne scheint

Homberger Trauercafé gibt Gelegenheit, Sorgen und Nöte anzusprechen

Freuen sich auf Gäste: Von links Diözesanseelsorger für Trauernde im Bistum Fulda, Werner Gutheil, sowie die Trauerbegleiterinnen Lydia Heßler-Beyer, Christine Foerster, Margret Burghardt. Foto: Yüce

Homberg. Kaffee, Kuchen und ein Gespräch. Manchmal ist es ganz einfach, anderen Menschen etwas Wertvolles zu schenken: Zeit, Aufmerksamkeit und Verständnis, genau das bekommen die Besucher des Cafés Hoffnungsschimmer. Und das haben sie nötig.

Denn die Gäste des Cafés, das ab sofort jeden zweiten Mittwoch im Monat im Starthilfe Ausbildungsrestaurant in Homberg seine Türen öffnet, sind Menschen, die einen Verlust erlitten haben - Trauernde.

Wer einen geliebten Menschen verloren hat, weiß, dass sich von einem Tag auf den anderen alles ändert. Nichts ist mehr wie es war. „Trauer ist sehr schmerzhaft und bestimmt oft über einen langen Zeitraum das Leben“, sagt Christine Foerster. Sie ist Trauerbegleiterin und Hospizhelferin. Gemeinsam mit den Trauerbegleiterinnen Margret Burghardt und Lydia Heßler-Beyer leitet sie das Trauercafé. Dort wollen sie die Gelegenheit bieten, über Sorgen und Nöte zu sprechen. „Es ist ein offener Gesprächskreis. Die Menschen, die einen Verlust erlitten haben, stehen dabei im Mittelpunkt“, erklärt Foerster. „Man muss nicht reden, kann auch einfach nur zuhören“, fügt sie an. Jeder Mensch trauere anders. „Es muss niemand begründen, warum er sich so fühlt, wie er sich fühlt.“ Trauer sei eben auch ganz individuell. „Es kann jeden von uns von jetzt auf gleich treffen“, so Burghardt.

Wichtig sei, dass die Trauer angenommen werde. Denn genau das falle vielen Menschen im Umfeld eher schwer. Oft mache sich Hilflosigkeit im Umgang mit Trauernden breit. Freunde, Angehörige und Bekannte seien damit dann überfordert.

„Bei uns finden Trauernde Trost“, sagt Foerster. Und das nicht nur, wenn der Verlust gerade erst passiert ist. „Manchmal schlägt die Traurigkeit später wieder zu. So ein Schicksalsschlag geht richtig tief rein“, sagt Margret Burghardt. Manchmal könne man die Trauer erst nach Jahren zulassen. „Wir hören zu, wenn kein anderer mehr zuhört.“

Margret Burghardt weiß: „Für Trauernde scheint irgendwann wieder die Sonne!“ Auch sie hat einen geliebten Menschen verloren. Ihr Kind. „Trauer braucht ein Ventil“, sagt sie. Ein solches könne das Trauercafé sein. „Wir begleiten die Menschen durch diese Zeit“, sagt Heßler-Beyer. Die Begleitung könne ein Hoffnungsschimmer sein und den Weg von der Trauer ans Licht aufzeigen. Die Gesprächsrunde sei ein geschützter Bereich. „Was wir bereden, wird von allen Teilnehmern vertraulich behandelt“, betont Foerster.

Der Verlauf der Treffen ist offen. „Wir geben kein bestimmtes Thema vor, sind aber vorbereitet, falls das Gespräch mal ins Stocken kommt, so Foerster. Es seien durch solche Treffen schon Freundschaften entstanden, sagt sie. Sie möchte Trauernden die Hemmschwelle nehmen und sie einladen - zu Kaffee, Kuchen und einem Gespräch.

Von Maja Yüce

Quelle: HNA

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