Als Alternative im Stall

Homöopathie im Kuhstall: Mehr Natur statt Chemie

Homberg. Die Kühe schauen irritiert, als sich die Stalltür öffnet und 20 Leute mit Klemmbrettern in der Hand hereinströmen. „Die da ist ein bisschen gleichgültig“, sagt eine Frau und zeigt auf eines der Tiere. „Die daneben scheint eher dominant zu sein.“

Es ist die Abschlussübung eines Seminars, in dem Landwirte etwas über die homöopathische Behandlung der Tiere lernen. Dafür müssen sie sie erstmal richtig kennenlernen. Als Testobjekte dienen die Kühe von Landwirt Günther Koch aus Homberg.

Eher frech: von links Seminarleiterin Angela Lamminger-Reith und Landwirtin Yvonne Koch lernen Kühe näher kennen. Foto:s Schäfer

„Bei der Übung geht es darum, die Tiere genau zu beobachten und dann entsprechend ihrem Aussehen und ihrem Charakter einzuordnen“, erklärt Tierheilpraktikerin und Seminarleiterin Angela Lamminger-Reith. „Jede Kuh entspricht einem Konstitutionstyp“, sagt sie. Von welchem Typ eine Kuh ist, entscheide dann darüber, mit welchem homöopathischen Mitteln sie behandelt werden kann. Diese Mittel sind rein pflanzlich oder mineralisch. Sie werden in kleinen Kügelchen verabreicht – den so genannten Globuli.

Damit die Teilnehmer die Tiere besser auseinanderhalten können, hat Günther Koch sie mit Sprühfarbe durchnummeriert. Die 14 steht nur herum und kaut, scheint eine gelassene Natur zu sein. Die Fünf rennt die ganze Zeit hin und her, immer dicht hinter Günther Koch. Die 29 liegt faul herum und steht nur widerwillig auf, als Koch sie anschubst. „Wir müssen sie ja auch mal im Stand sehen“, erklärt ein Teilnehmer.

Günther Koch behandelt seine Kühe schon seit zwei Jahren homöopathisch. „Dadurch kann ich fast komplett auf den Einsatz von Antibiotika verzichten“, erklärt er. Das sei jedoch nicht die Regel. „In der Nutztierhaltung sind im vergangenen Jahr 1700 Tonnen Antibiotika eingesetzt worden“, sagt Koch. „In der Humanmedizin waren es nur 700 Tonnen.“

Das könnte auch für den Menschen gefährlich werden, denn Spuren von Antibiotika blieben in den Lebensmitteln enthalten, die aus den Tieren produziert werden. „Im schlimmsten Fall wird man dadurch gegen das Medikament immun“, sagt Koch. Das könne bei natürlichen Mitteln nicht passieren.

„Seit wir unsere Tiere homöopathisch behandeln, habe ich ein ganz anderes Verhältnis zu ihnen aufgebaut“, sagt Eva Hack, Landwirtin aus Flieden. „Man beschäftigt sich viel intensiver mit ihnen, weil das für die richtige Behandlung sehr wichtig ist.“

Behandlung, das heißt in diesem Fall nicht nur Krankheiten bekämpfen, sondern auch chronischen Beschwerden vorbeugen und Charaktereigenschaften beeinflussen. „Eine Kuh, die beim Melken zum Beispiel austritt, und aggressiv gegen Menschen wird, kann durch Homöopathie gelassener werden“, erklärt Seminarleiterin Lamminger- Reith.

Von Moritz Schäfer

Quelle: HNA

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