Neues Storchennest in Ziegenhain: Ein Horst für Heimkehrer

Brutplatz in 24 Metern Höhe: Am Dienstag wurde der Horst von Neukirchener Dachdeckern auf dem alten Schornstein montiert. Vogelexperte Heinz Stübing (unten) aus Ziegenhain zeigt den hölzernen Unterbau des Nestes mit Weidenkorbgeflecht. Fotos: Rose

Domäne Schafhof: Auf dem Schornstein der Brennerei ruht ein neues Storchennest. „Im vergangenen Jahr wurden besonders im Bereich des alten Brennereischornsteins der Domäne Schafhof in Ziegenhain viele Störche bei ihrer Rast gesichtet“, erklärt Vogelexperte Heinz Stübing.

Grund genug, um dem Schornstein jetzt ein neues Nest aufzusetzen. In dieser Woche wurde der Brutplatz für Weißstörche in 24 Metern Höhe installiert.

Neues Storchennest in Ziegenhain: Ein Horst für Heimkehrer

In Hessen fühlen sich immer mehr Weißstörche heimisch. Während 2005 noch 106 Paare brüteten und 220 Jungtiere ausflogen, hat sich die Zahl im Jahr 2010 fast verdoppelt: 189 Paare suchten sich ein Nest, 404 Jungstörche flogen aus. Ob und inwieweit die Vögel den Ziegenhainer Horst annehmen, kann Stübing nicht sagen: „Die Nähe des Loshäuser Horstes spielt dabei keine Rolle - in Mittelhessen sind Nester wesentlich dichter beieinander.“

Als Brutstätte dient eine ausgediente Holzunterlage aus Loshausen, die Stübing in seiner Garage aufbewahrt hat. Extra angefertigt wurde hingegen ein neues Weidenkorbgeflecht. Die Kosten für Material und Montage, insgesamt 600 Euro, übernimmt die Naturlandstiftung, Kreisverband Schwalm-Eder. Die Reisigunterlage sei wichtig, um den Störchen einen Anreiz für die Brut zu bieten, erläutert der Vogelexperte. „Störche gehen lieber in bereits existierende Horste“, sagt Stübing. In Mittelhessen brüteten Störche mittlerweile sogar in Bäumen beziehungsweise den Kronen, meist in Pappeln. „Das ist jedoch risikoreich: Die Frühjahrsstürme haben schon viele Gelege regelrecht weggefegt.“

Vor 60 bis 70 Jahren brüteten in der Schwalm regelmäßig zwischen sechs und acht Paare, erklärt der Ziegenhainer. Das habe am reichen Nahrungsangebot der vielen Wiesen gelegen. Auch heute noch könne sich die Gegend verhältnismäßig glücklich schätzen: „Im Dammkessel ist das Angebot an Wiesen recht passabel.“ Vereinzelt komme es mittlerweile auch vor, dass Störche in Deutschland überwinterten: „Die Kälte bereitet den Vögeln weniger ein Problem, eher das mangelnde Angebot an Futter“, sagt Stübing. Dass Störche nicht mit anderen gen Süden ziehen, liege wohl auch am Klimawandel. „Aber gesicherte Erkentnisse gibt es zu diesem Phänomen noch nicht“, erklärt der Experte. Jetzt hofft er, dass der Horst in Ziegenhain als Brutplatz angenommen wird. Auch die Pächter der Domäne - Familie Karl Wilhelm Rudolf aus Niederurff - werden wohl künftig bei ihrer Arbeit wesentlich häufiger gen Himmel blicken. „Ich hab den Schornstein von Zuhause aus im Blick“, sagt Heinz Stübing.

Quelle: HNA

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