Wahre Liebe kennt keine Liga

Für den HSV-Fanclub aus Schorbach war der Abstieg vorhersehbar

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Sind gar nicht so enttäuscht vom Abstieg: Harald Becker (links), Michael Euling und Michael Ruckert vom HSV-Fanclub aus Schorbach.

Schorbach. Auch der HSV-Fanclub Schorbach trägt nach dem Abstieg des Bundesliga-Dinos Trauer. Für die Anhänger aus der Schwalm war der Niedergang des Hamburger Fußball-Vereins vorhersehbar.

Über eine Woche ist es nun her, dass der Bundesliga-Dino abgestiegen ist. Für den HSV Fanclub 38/50 aus Schorbach hat die fußballfreie Zeit begonnen.

Michael Euling, Harald Becker und Michael Ruckert sind eingefleischte HSV-Fans und sitzen in ihrem Vereinsheim, der Garage von Harald Becker, im beschaulichen Schorbach im südlichen Schwalm-Eder-Kreis. Nebenan kräht ein Hahn. „Das macht der immer“, sagt Becker. 

Ihr Fanclub hat mittlerweile 70 Mitglieder. Am 13. Oktober 2001 haben sie ihn gegründet. „Zu fünft waren wir damals“, sagt Becker. Die guten alten Zeiten. Lang, lang ist es her. Der HSV ist ihr Verein. Völlig klar. Früher hielt sich der HSV meist im oberen Tabellendrittel. Bis Ende der 70er-Jahre der Knoten platzt: Meister mit Kevin Keegan, Günter Netzer ist Manager und Ernst Happel holt noch zwei Meisterschaften und den Europapokal der Landesmeister. Die Truppe fährt nicht nur einmal zu den Bayern und zeigt denen, wo der Hammer hängt. „Ist eben lange her“, sagt Becker.

Ihre Liebe zum HSV ist groß. Und sie kennt keine Liga. Ein Liebe, die wohl erst mit dem Tod enden wird. In Beckers Garage muss man erstmal gucken, staunen und verarbeiten. Das blau-weiße Reich des Fanclubs neben Beckers Haus. Die Fahnen, der Tribünensitz aus dem alten Volksparkstadion. Ein blauer Salon. Ein Stück Tradition. Unter der Decke baumeln Schals, erinnern an große Spiele, Fan-Freundschaften, Erfolge. An den Wänden hängen Fotos, Wimpel, Zeichnungen. Auf dem Tisch liegen blau-weiße Bierdeckel, Flaschenöffner, Vasen. „Wir alle tragen die Raute im Herzen“, sagt Ruckert. 

Seit Jahrzehnten, Heimspiel für Heimspiel, Samstag für Samstag, getaktet im Zwei-Wochen-Rhythmus, fahren sie 400 Kilometer. „Meistens mit der Bahn, das ist angenehmer“, sagt Becker. Da fühlt man sich immer an den Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“ erinnert: Schöne Musik einlegen, die Kult-Klamotten heraus holen und sich dann gegen Mittag mit den Kumpels treffen. Kneipe, Bierchen, geschlossen ins Stadion.

Klare Regeln haben sie im Fanclub auch. „Die muss jeder unterschreiben, der bei uns Mitglied ist“, sagt Michael Euling. Von Hooligans oder Protestaktionen sogenannter Fangruppen halte man sich fern. Was nicht heiße, kritiklos zum Verein zu stehen.

„Vieles ist in den letzten Jahren falsch gelaufen“, sagt Becker. Der Fisch stinkt eben immer vom Kopf her. „Aber mit Bernd Hofmann haben wir den Richtigen an der Spitze“, sagt Becker. Und der Abstieg war ja absehbar. „Eine Saison Zweite Liga und dann sind wir wieder da“, sagt Ruckert. Zudem gebe es wieder ein Stadtderby. „Und zur Alten Försterei nach Berlin wollte ich schon immer mal“, sagt Michael Euling und lacht.

Quelle: HNA

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