Tiger ging im Sturzflug zu Boden

Hubschrauberabsturz in Mali: Zwei Soldaten aus Nordhessen tot

Fritzlar. Nach dem Absturz eines Bundeswehr-Hubschraubers vom Typ Tiger am Mittwoch in Mali hat die Suche nach der Ursache begonnen. Bei dem Unglück waren zwei Soldaten aus Nordhessen getötet worden.

Aktualisiert: 28. Juli, 11.14 Uhr - Die beiden getöteten Soldaten kommen laut HNA-Informationen aus Gudensberg und Neuental im Schwalm-Eder-Kreis und waren in Fritzlar stationiert. Zum Schutz der Hinterbliebenen gab die Bundeswehr keine weiteren Informationen zur Identität der Toten heraus. Beide galten als erfahrene Piloten.

Der Kommandeur des Fritzlarer Kampfhubschrauberregimentes 36, Oberst Volker Bauersachs, sagte bei einer Pressekonferenz am Donnerstagnachmittag in Fritzlar, dass sich Betreuungsteams um die Angehörigen kümmern. In Fritzlar soll es auch eine Trauerfeier geben, wenn die Särge nach Deutschland überführt wurden.

Ursachen-Suche nach Absturz in Mali läuft

Ein Expertenteam der Bundeswehr soll unter anderem den Flugschreiber auswerten, um herauszufinden, wie es zu dem Absturz kommen konnte, sagte der Stellvertreter des Generalinspekteurs, Vizeadmiral Joachim Rühle der Deutschen Presse-Agentur. 

Hinweise auf Fremdeinwirkung, wie etwa ein Abschuss, lägen bisher nicht vor, teilte die UN-Friedensmission mit. Da es keinen Beschuss gegeben habe, müsse es sich um einen technischen Defekt gehandelt haben, sagt Bernd Siebert. Der CDU-Bundestagsabgeordnete gehört dem Verteidigungsausschuss des Bundestages an und ließ sich am DonIch fragnerstag von Fachleuten über die Situation informieren. Auf die Frage, ob es sich auch um einen Flugfehler gehandelt haben könnte, verwies Siebert darauf, dass man für den Einsatz besonders erfahrene Soldaten ausgewählt habe.

Für die Fachleute sei der Absturz bisher unerklärlich, denn die eingesetzten Tiger-Hubschrauber seien technisch auf dem neuesten Stand. Man habe dabei auch aus vorangegangenen Einsätzen in Afghanistan gelernt. Siebert: „Uns ist gesagt worden, dass die Hubschrauber volle Einsatzreife besitzen.“

Pilot und Bordschütze hatten keine Chance

Das Unglück passierte, als zwei Tiger-Hubschrauber am Mittwochmorgen von der Uno für eine Mission angefordert wurden, nachdem es nahe der Ortschaft Tabankort im Norden des afrikanischen Landes Gefechte gab. Laut Spiegel Online habe der Pilot des zweiten Hubschraubers, der hinter der Unglücksmaschine flog, gesagt, dass der verunglückte Tiger plötzlich und ohne einen Notruf abzusetzen mit der Nase nach vorne abgekippt und im Sturzflug zu Boden gegangen sei. Der Helikopter brannte komplett aus. Pilot und Bordschütze hatten demnach keine Überlebenschance. Es sind die ersten Todesfälle von Bundeswehrsoldaten im Auslandseinsatz seit 2015.

Am Mittwochabend hatten Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) und der stellvertretende Generalinspekteur den Verteidigungsausschuss informiert. Details nannten sie dabei nicht. Bestätigt wurde lediglich, dass man am Unfallort die beiden Leichen gefunden habe und dass ein Abschuss derzeit ausgeschlossen werden könne. 

Der Routine-Flugbetrieb der Tiger wurde nach dem Unglück sowohl in Fritzlar als auch in Mali ausgesetzt. "Für den Einsatzflugbetrieb werden nur Aufträge ausgeführt, bei denen Leib und Leben einen Einsatz unbedingt erfordern. Die Entscheidung wird in jedem Einzelfall vor Ort getroffen", sagte Vizeadmiral Rühle.

Helikopter stammen aus Fritzlar

Die vier in Mali eingesetzten Tiger-Hubschrauber sind im nordhessischen Fritzlar stationiert. Sie waren im März in den Mali-Einsatz gestartet und unterstützen dort die Uno-Mission Minusma zur Stabilisierung von Nord-Mali. Die gepanzerten Helikopter sind mit Luft-Boden-Raketen ausgestattet und sollen Konvois bei Notfällen aus der Luft heraus schützen - also wenn die Uno-Soldaten am Boden angegriffen werden.  Mali gilt seit längerem als der gefährlichste Einsatz der Bundeswehr. 875 deutsche Soldaten sind derzeit an der Mission beteiligt. Sie sind in der ehemaligen Rebellenhochburg Gao stationiert.

Enge Verbundenheit mit den Soldaten

Die enge Verbundenheit der Menschen mit den Heeresfliegern zeige sich auch in dieser schweren Stunde, sagte Fritzlars Bürgermeister Hartmut Spogat. Er sei am Donnerstag von ganz vielen Menschen angesprochen worden, die zutiefst erschüttert gewesen seien. Den Opfern und ihren Angehörigen gehöre jetzt das ganze Mitgefühl. 

„Die Soldaten versehen eben nicht nur ihren Dienst am Standort, sie leben und wohnen auch in der Stadt oder in der Region“, sagte er. Viele von ihnen seien in Vereinen und Verbänden aktiv oder in kirchlichen Gruppen engagiert. Seit 150 Jahren ist Fritzlar Garnisonsstadt, da habe sich natürlich ein sehr enges Verhältnis zur Bundeswehr entwickelt. „Wir werden den Standort jetzt wo es geht unterstützen“, kündigte der Bürgermeister an. Beispielsweise könne man Unterstützung bei der Gestaltung einer Trauerfeier leisten. Vor dem Rathaus gebe es eine Trauerbeflaggung.

Kampfhubschrauber aus Fritzlar starten in Mali-Einsatz

Sonderfreigabe für den Einsatz

Bedenken an der Einsatzbereitschaft der Fritzlarer Kampfhubschrauber gab es wegen des extremen Klimas im afrikanischen Mali schon im April. Es ist dort so heiß, dass der Tiger eine Sonderfreigabe zum Flug braucht. Eigentlich gilt eine Grenze von 43,26 Grad Celsius, für den Mali-Einsatz wurde dieser aber um fünf Grad auf 48,26 Grad angehoben. Am Mittwoch soll es aber mit 36 Grad vergleichsweise kühl gewesen sein.

Probleme mit den Ersatzteilen

Am Standort in Fritzlar sollten ursprünglich 40 Tiger stationiert werden. Die Zahl der einsatzfähigen Helikopter ist deutlich niedriger. Bei einem Besuch in Fritzlar 2016 hatte Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen bestätigt, dass es in den Jahren zuvor erhebliche Probleme mit der Ersatzteilbeschaffung gegeben habe. Sie erklärte, die Talsohle sei durchschritten, „jeder zweite Tiger fliegt wieder“. Von 27 Hubschraubern sollten 2016 zwölf einsatzbereit sein.

Ersatzteile wurden auch aus anderen Tigern ausgebaut. Das bestätigte der CDU-Bundestagsabgeordnete Bernd Siebert. Das sei nicht ungewöhnlich und habe keinen Einfluss auf die Qualität.

Daten zum Kampfhubschrauber Tiger

Der Eurocopter Tiger ist ein Kampfhubschrauber von Airbus Helicopters. Zur Besatzung gehören ein Pilot und ein Bordschütze. Der Tiger ist etwa 14 Meter lang und kann laut Bundeswehr 290 Kilometer pro Stunde schnell fliegen - ohne Bewaffnung sogar bis zu 315 km/h. Die Einsatzreichweite beträgt bis zu 725 Kilometer, die sogenannte Dienstgipfelhöhe 4000 Meter.

Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © Zerhau/HNA

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