Auf dem Hephata-Biogeflügelhof dürfen die Tiere noch frei herumlaufen

Hühnerglück ohne Hahn

Freier Auslauf: Der Tagesablauf der Hennen auf dem Hephata-Biogeflügelhof richtet sich nach Tag und Nacht. Die meisten Eier legen die Tiere am Vormittag. Fotos: Köcher

Leuderode. Auch ein Biohuhn stirbt keines natürlichen Todes. Nachdem eine Henne 14 Monate auf dem Hephata-Biogeflügelhof verbracht hat, rollt ein Lastwagen auf das Gelände in Frielendorf-Leuderode. „Die Legeleistung lässt in diesem Alter spürbar nach“, sagt Betriebsleiter Karl-Heinz Lübeck (62), und das teure Biofutter rechnet sich nicht mehr.

Die Hälfte der 1300 Tiere, die in zwei Ställen leben, wird in eine Bio-Schlachterei nach Bremen gefahren und dort zum Beispiel zu Bio-Hühnerfrikasse verarbeitet.

Bis es soweit ist, haben die Hennen jede Menge Eier in Leuderode gelegt. Nicht jeden Tag eines, aber 280 durchschnittlich im Jahr. Und gelebt hat das Geflügel nach den Vorgaben des ökologischen Anbauverbandes Bioland: mit viel Auslauf unter freiem Himmel, zum Scharen und sich im Staub plustern, mit GruppenNestern und einem selbstbestimmten Tagesrhythmus.

Vormittags wird gelegt

Mit der aufgehenden Sonne beginnt der Hühnertag – im Gegensatz zum Tagesablauf in Legebatterien, der mit Kunstlicht manipuliert wird, um die Legeleistung zu steigern. „Vormittags gehen die Hennen aber nur wenig aus dem Stall“, weiß Lübeck. Bis 12 Uhr mittags werden 90 Prozent aller Eier gelegt.

Im Stall: Hier legen die Hühner in Gruppen-Nestern (hinter den roten Gummiklappen links) ihre Eier und kriegen ihr Futter.

Vier Quadratmeter Auslauffläche pro Henne sind gefordert. In einer herkömmlichen Legebatterie wäre es die Fläche eines DIN A4-Blattes. Trotzdem: Der Kunde im Bioladen kauft auch nicht jedes Ei.

Das Öko-Ei muss natürlich frisch, aber auch tadellos sauber sein. Das Eigelb muss einen bestimmten Gelbton haben, der durch das Futter aus Getreide, Erbsen, Paprika und Mineralstoffen beeinflusst werden kann. Und vor allem durch Möhren.

Am liebsten Möhren

„Die fressen die Hennen besonders gern, wie unsereins Pralinen“, sagt Lübeck. Außerdem: Als „handelsfähige Ware“ sind nur Eier der Größen M und L gefragt, die 80 Prozent aller gelegten Exemplare ausmachen.

„Die Größe kann man nicht beeinflussen“, erklärt der Betriebsleiter. Ältere Hennen legen eben XL-Eier, die Hausfrauen fürs Kuchen backen schätzen. Und jüngere Hennen legen die kleinen S-Eier. Die würde Lübeck gern als „Eier für Kinder“ vermarkten, denn neue Ideen für das Marketing sind in Leuderode ständig gefragt.

Das gilt vor allem für die Packungsgrößen. „Der Trend geht zur Kleinverpackung“, sagt Lübeck. Der Renner ist der 4er-Karton, das passt zu den Resultaten einer Studie zum Kaufverhalten von Alleinstehenden in Großstädten, die der Betriebsleiter ausführlich studiert hat. Selbst ein einzelnes Bio-Ei in einer attraktiven Verpackung ließe sich sicher gut verkaufen, meint der 62-Jährige. Bis zu 80 000 Eier werden jede Woche auf dem Biohof verpackt. Nur zehn Prozent davon kommen aus dem eigenen Stall, der größte Teil wird von anderen Biobetrieben dazugekauft.

Hauptarbeit Abpacken

Das Abpacken der Eier ist neben deren Produktion zweites Standbein des Hephata-Biogeflügelhofes. Dieses Kerngeschäft erledigen 36 Werkstattbeschäftigte, die zumeist psychisch krank sind, sinnvoll beschäftigt werden sollen und in „arbeitsbegleitenden Maßnahmen“ auch therapeutisch auf dem Hof betreut werden. Zu ihren täglichen Arbeiten gehört es, die Hennen zwei Mal am Tag aus den Nestern zu schmeißen, damit sie nicht anfangen zu brüten.

Verzichten müssen die Hühner auf männliche Mitstreiter: Vor Jahren hatte es Karl-Heinz Lübeck mit 15 Hähnen auf dem Hof probiert. Die Folge: Die Hennen gingen nicht mehr aus dem Stall, und am Gelb in den Eiern klebte manchmal „Hahnentritt“, eine kleine Blutanhaftung. Das war gesundheitlich unbedenklich und geschmacksneutral, „aber es gab Beschwerden von Kunden“, erinnert sich der Betriebsleiter. Und so verschwanden die Hähne in Leuderode wieder.Aber egal,die Hennen sind auf dem Biohof auch so glücklich - für eine begrenzte Zeit.

Von Jürgen Köcher

Quelle: HNA

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