Bestseller-Autorin Karen Duve probierte Ernährungsweisen aus und schrieb darüber

Ein Huhn änderte alles

Sie fühlt sich rundum wohl, seitdem sie sich Gedanken über ihre Ernährung macht: Autorin Karen Duve. Foto: Hoffmann

Wolfhagen. Der schnelle Snack an der Tankstelle, rauchende und nörgelnde Fahrgäste, stundenlanges Sitzen. Zur Gesundheitsfraktion zählte Karen Duve sicher nicht, als sie vor vielen Jahren ihre Nächte als Taxifahrerin in Hamburg zubrachte.

Taxi fährt sie heute höchstens als Gast, wenn sie zu einem ihrer unzähligen Termine muss. Zur Talkshow von Anne Will etwa, oder zur Lesung nach Wolfhagen, wie am Samstag beim Seminar „Der Darm denkt mit“ in der Kulturhalle.

Abstand zum Erlebten

Aus der Taxifahrerin ist eine gefeierte Autorin geworden. Es hat sich viel geändert im Leben der 49-Jährigen. In ihrem Roman „Taxi“ hat sie die alten Zeiten verarbeitet, wofür es Abstand gebraucht hat. „Ich benötige immer fünf bis acht Jahre, bis ich aus etwas Erlebtem ein Buch schreiben kann“, sagt Duve.

Eine Ausnahme ist da ihr aktuelles Werk „Anständig essen. Ein Selbstversuch“. Eine Hähnchen-Grillpfanne aus dem Tiefkühler sollte die Wende bringen, und das ist noch gar nicht lange her.

Karen Duve lebte mit einem Maultier, einem Pferd, einem Esel, einem Hund, zwei Katzen und mehreren Hühnern ein tierreiches aber – was die Ess- und sonstigen Gewohnheiten anging – ganz normales Leben. Eine neue Mitbewohnerin stellte schließlich die Frage, ob Karen Duve denn wisse, was für ein Leben das Huhn ihrer geliebten Grillhähnchenpfanne habe leben müssen.

Ausnahme

Im Nu startete sie in ihr neues Projekt. „Dieses Buch ist eine Ausnahme, sowohl in der Herangehensweise, als auch im Einfluss auf mein eigenes Leben.“

Vier verschiedene Ernährungsweisen und die dahinter stehenden weltanschaulichen Konzepte hat sie für mindestens zwei Monate ausprobiert: Biologisch-organisch, vegetarisch, vegan und am Ende frutarisch, also nur das, was die Pflanze freiwillig spendet.

Das Experiment hat ihr Leben nachhaltig beeinflusst: „Ich lebe jetzt vegetarisch und versuche auch sonst, mich bewusster zu ernähren, etwa auf Produkte mit Milch zu verzichten, was nicht immer funktioniert.“ Sie setzt sich nicht unter Druck und verzichtet auch im Buch auf den erhobenen Zeigefinger.

„Ich schließe nicht aus, dass ich wenn ich irgendwann ganz große Lust habe, vielleicht unter unerträglichem Liebeskummer leide, auch mal wieder zum geliebten Curryhuhn meiner Mutter greife.“

Sie fühle sich rundum wohl, lebe mit ihrem Wertesystem in Übereinstimmung, seit sie sich Gedanken über ihre Ernährung mache. (zhf)

Quelle: HNA

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