Mischling war allein im Wagen

Befreiung eines Hundes aus aufgeheiztem Auto sorgte in Fritzlar für Ärger

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Wenn Halter kurz einkaufen, bleiben Hunde oft im Auto: Bei Hitze wird es für die Vierbeiner jedoch schnell gefährlich. Das dachte sich auch Nicola Orth und rief die Polizei. 

Fritzlar. Weil eine Frau aus Fritzlar einen Hund aus einem von der Sonne aufgeheizten Auto befreite, bekam sie Ärger. Und zwar mit einem Polizisten.

Sie wollte nur helfen – und musste sich dafür rechtfertigen. Als Nicola Orth am Freitag gegen 14.30 Uhr am Domstadtcenter in Fritzlar geparkt hatte, konnte sie es nicht fassen. Im Auto neben ihr entdeckte sie einen kleinen Hund. 

Orth stieg aus und schaute genauer hin: Der Mischling saß alleine im Wagen. Mitten in der prallen Sonne. Der Hund hechelte, wirkte erschöpft und verkroch sich unter einem Sitz. „Das Schiebedach war zwar geöffnet, aber man hört ständig, dass sich die Autos in der Sonne schnell erhitzen und die Menschen und Tiere in Lebensgefahr sind“, sagt die 25-Jährige. Für Orth war klar: Sie muss etwas unternehmen.

Die Frau aus Ungedanken hielt nach den Haltern des Tieres Ausschau. Es kam jedoch niemand. Sie zückte das Handy, recherchierte im Internet. „Überall wird geschrieben, dass man sofort die Polizei rufen soll“, sagt Orth. Um nicht alleine dazustehen, sprach sie eine Passantin an und erklärte ihr die Situation.

Auch die Frau sei empört gewesen – und habe ihren Sohn kurzerhand durch das Schiebedach in den Wagen gehoben. Der Junge öffnete die Autotür. Man befreite den Hund und gab ihm Wasser. Währenddessen rief Orth die Polizei. Das war etwa eine Viertelstunde, nachdem sie den Hund entdeckt hatte. Noch bevor die Polizei am Domstadtcenter eintraf, kehrten die Hundehalter von ihrem Einkauf zurück. „Sie waren sich keiner Schuld bewusst“, erklärt Orth.

Kurze Zeit später sei ein Polizist gekommen. „Er fing sofort an, mich anzugreifen“, erinnert sich Orth. Er fragte Ort, was ihr denn einfallen würde, in einem solchen Fall die Polizei zu rufen. Dem Hund gehe es ja gut. „Er ließ mich gar nicht zu Wort kommen und beschuldigte mich, ich wollt mich nur wichtig machen“, erinnert sich die 25-Jährige. Mit solch einem persönlichen Angriff hatte die 25-Jährige nicht gerechnet. 

Sie wollte schließlich nur helfen. „Am Ende sind die Hundehalter entspannt weggefahren und ich hatte ein schlechtes Gewissen“, sagt Orth. Sie plage seit dem Vorfall die Ungewissheit und eine Frage: Was soll ich das nächste Mal in solch einer Situation machen?

Das sagt die Polizei

Einfach fremde Autotüren öffnen, durch das Schiebedach klettern oder Scheiben einschlagen, um ein Tier zu befreien – das geht laut Polizeipressesprecher Markus Brettschneider nicht. Wer an einem Sommertag ein im Auto eingesperrtes Tier entdeckt und sich um dessen Gesundheit sorgt, sollte zunächst versuchen, den Halter ausfindig zu machen. Gelinge dies nicht, kann man in Notfällen die Polizei oder die Feuerwehr rufen. „Dafür sind wir da“, sagt Markus Brettschneider. 

Quelle: HNA

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