Computerbetrug: 38-Jähriger soll widerrechtlich Geld abgehoben haben

Der Hund ist kein Zeuge

Treysa. Ohne Urteil endete vor dem Amtsgericht Schwalmstadt eine Verhandlung wegen Computerbetrugs Die Staatsanwaltschaft Marburg hatte einem Mann aus dem Altkreis Ziegenhain vorgeworfen, im August vergangenen Jahres 500 Euro mit einer widerrechtlich erworbenen EC-Karte abgehoben zu haben.

Nachdem die Referendarin der Staatsanwaltschaft die Anklage verlesen hatte, nahm der 38-jährige ehemalige Straßenbauer Stellung und schilderte den Fall freimütig und ausführlich aus seiner Sicht.

„Er war volltrunken und hatte eine nasse Hose.“

Der Angeklagte

Er sei mit seinem Hund morgens auf dem Weg zum Einkaufszentrum in Treysa im Walkmühlenweg gewesen, um Brötchen zu holen. An der Fußgängerbrücke habe ein Bekannter gestanden. „Er war volltrunken und hatte eine nasse Hose. Er gab mir seine EC-Karte und fragte mich, ob ich nicht für ihn 500 Euro abheben könnte. Das habe ich auch getan“, so der Angeklagte.

Erzählte alles der Mutter

Danach hätte er Karte und Geld dem Bekannten gegeben und sei nach Hause gegangen. Er habe das alles beim Frühstück sofort seiner Mutter erzählt.

„Meiner Mutter erzähle ich immer alles“, beteuerte der Angeklagte. Augenzeugen für seine Version konnte er aber nicht benennen, verwies dafür umso vehementer auf seinen Hund, welchen er damals bei seinem Bekannten gelassen hätte.

„Den Hund kann man nur schlecht als Zeuge hören“, kommentierte die Staatsanwältin die Aussage. Das als einziger Zeuge geladene Betrugsopfer nutzte dagegen die Gelegenheit der Befragung durch den Vorsitzenden Richter umso ausgiebiger. Dabei gab er auch Eindrücke aus der Szene an der Brücke zwischen Wagnergasse und dem Walkmühlenzentrum zum Besten. So scheint aus seiner Sicht dort der Verlust oder Verleih von EC-Karten, Handys und Papieren ab einem gewissen Alkoholpegel völlig normal zu sein.

Gar nicht so viel Alkohol

Ausschweifend schilderte der 61-jährige Rentner seinen Tagesablauf zum Tatzeitpunkt. Er habe den Angeklagten niemals beauftragt Geld abzuheben, sondern vielmehr sei ihm die Karte gestohlen worden. Am Tattag sei er gar nicht so sehr betrunken gewesen. „Ich bin noch nach Hause gelaufen, kann also nicht so schlimm gewesen sein“, beantwortete er eine entsprechende Frage der Verteidigerin. Es stellte sich heraus, dass sich sowohl der Angeklagte, wie auch das vermeintliche Opfer sehr gut kennen. Der Mann lebte lange Zeit mit der Mutter des Angeklagten zusammen. Sie haben ein gemeinsames Kind.

Kamera am Automaten

Dass der Angeklagte das Geld an dem Tattag im August abgehoben hatte, stand außer Zweifel. Eine Kamera hatte ihn am Geldautomaten gefilmt.

„Die einzige Frage, die zu klären ist, haben Sie ihn beauftragt oder nicht“, wandt sich der Richter wiederholt an den Zeugen. Zur Beantwortung dieser wesentlichen Frage kam es nicht. Zu groß waren die Zweifel an der Gedächtnisleistung des Zeugen. Mitarbeiter der Hausbank des vermeintlichen Betrugsopfers sollen nun beim nächsten Termin im September Licht ins Dunkel bringen.

Von Matthias Haaß

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare