Dörnberg: Wildtiere hatten keine Chance - Jagdaufseher musste sie erlegen

Hunde reißen junge Rehe

Scheu: Der zum Teil sehr hohe und auch überfrorene Schnee macht es dem Rehwild im Altkreis momentan schwer: Sie finden wenig Futter und erleiden leicht Verletzungen an den Läufen. Archivfoto: dpa

Habichtswald. „Das war schon ein schlimmer Anblick“, sagt Kurt Köhler. Der Jagdaufseher, der in Dörnberg als Sachverständiger eingesetzt wird, musste in den vergangenen Tagen gleich zwei Mal kurz hintereinander junges Rehwild von seinem Leid erlösen.

Hunde hatten die Tiere gerissen, die Köhler dann schwerstverletzt auffand und erlegen musste. Die Vorfälle spielten sich im Habichtswalder Ortsteil Dörnberg im Bereich Berg- und Schulweg ab. Ein Schmalreh und ein Kitz fielen den Hunden zum Opfer.

„Der erste Fall war Montagabend, 20. Dezember“, sagt Köhler. Ein sogenanntes Schmalreh, wie die Jungtiere auch bezeichnet werden, habe sich auf der Suche nach Futter bis auf ein großes Grundstück im Schulweg herangewagt. Der Besitzer des Grundstücks hatte das Tier in der Dunkelheit nicht bemerkt und seinen Hund hinaus gelassen, der dann auf das Wild losgegangen sei.

Obwohl es sich bei dem Hund um einen ausgebildeten Polizeihund handelt, habe er auf das Rufen seines Besitzers nicht reagiert - mit fatalen Folgen für das junge Reh. „Ich musste es töten“, sagt Kurt Köhler. Und fügt hinzu: „Gerade ein Polizeihund darf das nicht machen, der muss hören.“ Sein Besitzer hatte daraufhin sofort die Polizei verständigt, die sich wiederum an Köhler wandte.

Sechs Tage später, am Morgen des zweiten Weihnachtstages, war der Jagdaufseher wieder gefragt. Gegen acht Uhr sahen Anwohner, dass zwei schwarze Hunde auf einem Feld am Bergweg in Dörnberg Rehe jagten. Eine Anwohnerin informierte daraufhin sofort Kurt Köhler. „Als ich wenig später kam und die Stelle absuchte, entdeckte ich in einer Hecke ein Kitz“, berichtet er. Es hatte durch die Bisse der Hunde schwere Verletzungen am Rücken, so dass das Dreivierteljahr alte Tier nicht mehr zu retten war.

Von den Hunden und deren Besitzern war längst nichts mehr zu sehen. „Es ist unverantwortlich, wenn Hundebesitzer ihre Tiere nicht anleinen“, meint Köhler. Die Witterung mache dem Wild derzeit ohnehin sehr zu schaffen, da sich unter der Harschschnee-Schicht Eis befände, so dass die Tiere zum einen schlecht an Futter kämen und zum anderen ein hohes Verletzungsrisiko bestehe.

„Größere Hunde sind den Rehen von der Geschwindigkeit her fast gleichgestellt“, sagt Wolfgang Kommallein, Vorsitzender des Kreisjagdvereins Wolfhagen, auf HNA-Anfrage. Daher gehörten die Hunde sie an die Leine, damit sie das Wild nicht aufschrecken oder jagen.

Doch auch Menschen, die in Wald und Feld abseits der herkömmlichen Wege unterwegs sind, können die heimischen Wildtiere empfindlich stören, sagt Kommallein. Aufgeschreckt und auf der Flucht können sie sich durch den vereisten, hohen Schnee leicht Verletzungen an den Läufen zuziehen. Daher appelliert auch er an die Vernunft der Menschen: So gehörten Hunde grundsätzlich an die Leine, und Spaziergänger sollten auf den Wegen bleiben. DAS SAGT KOMMENTAR

Von Vera Glass

Quelle: HNA

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