Integration ist für den gebürtigen Tunesier Hassan Ben Mansour ein „Lebenselexier“

„Ich bin ein echter Wolfhager“

Hassan Ben Mansour: Er lebt seit 45 Jahren in Wolfhagen. Foto:  Michl

Wolfhagen. Er gehört heute zum Wolfhager Stadtbild wie der Märchenbrunnen auf dem Kirchplatz. Sprudelnd vor Lebensfreude, freundlich und hilfsbereit zu jedermann. Immer zu einem Schwätzchen mit seinen Mitbürgern bereit, wenn er von seinem „Markenzeichen“, einem Motorroller, steigt. Die Rede ist vom in der tunesischen Hauptstadt Tunis geborenen Hassan Ben Mansour, der sich selbst scherzhaft „als ersten Nordafrikaner in Wolfhagen“ bezeichnet. Heute vor 45 Jahren, am 18. September 1970, kam der gelernte Dreher Hassan Ben Mansour mit 49 weiteren jungen Landsleuten nach Deutschland.

Angeworben als Gastarbeiter des Kasseler Unternehmens Rheinstahl Henschel, das zuerst in Viesebeck war. Da er in seiner Heimat schon in einer Fußballmannschaft spielte, nahm er sofort Kontakt zum Fußballsportverein (FSV) Wolfhagen auf, fand dort trotz sprachlicher Schwierigkeiten echte Freunde, die seinen weiteren Lebensweg positiv mitgestalteten.

Da alle Tunesier in Wohnbaracken nach Kassel umgesiedelt werden sollten, besorgten seine FSV-Freunde ihm und seinem Freund Ben Rebia – beide erspielten sich auf Anhieb einen Stammplatz in der ersten Seniorenmannschaft – in der Kernstadt eine Wohnung. Ebenfalls eine neue Arbeitsstelle in der ehemaligen hiesigen Maschinenfabrik Rest.

Im Gegensatz zu den meisten seiner Landsleute blieb Mansour in Deutschland, in Wolfhagen. Auch weil er hier seine große Liebe Gerlinde fand, die er 1976 heiratete und die ihm eine Tochter und zwei Söhne schenkte. Am 28. August 1979 erhielt er, der sich zum Maschinenführer einer Wolfhager Autozulieferfirma hocharbeitete, dort bis zum Renteneintritt arbeitete, die deutsche Staatsbürgerschaft. Von einem Ruhestand kann bei ihm aber nicht die Rede sein. Schon während seiner beruflichen Tätigkeit engagierte er sich ehrenamtlich nicht nur als Gerichtsdolmetscher, sondern wurde vom Amtsgericht Wolfhagen auch mehrfach als Vormund für ältere Mitbürger berufen.

Seit in der Wolfhager Pommernanlage Flüchtlinge eine neue Heimat gefunden haben, engagiert sich Mansour, der neben Deutsch fließend Arabisch und Französisch spricht, ehrenamtlich im Helferteam der Evangelischen Kirchengemeinde. Er begleitet die Menschen ehrenamtlich als Dolmetscher nicht nur zu Arzt- und Krankenhausbesuchen, in Anwaltskanzleien oder zu Behörden und Dienststellen, sondern ist für sie auch Ansprechpartner in allen Lebenslagen. Wie zum Beispiel bei der Wohnungssuche.

Zudem leitet er zwei Mal in der Woche für Kinder, Jugendliche und Männer ein Hallenfußballtraining und ist seit Jahren auch bei der Wolfhager Tafel aktiv. Er bezeichnet sich als einen „echten Wulfhager Zwieback“, der, so Mansour scherzhaft in Anspielung auf seinen dunklen Teint, „halt etwas angebrannt ist.“

Von Reinhard Michl

Quelle: HNA

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