Mann trug Jacke mit Telekom-Logo und hatte Ausweis

"Ich kappe die Leitung": Angeblicher Telekom-Vertreter drohte Melsungerin

Hier fand das Gespräch mit dem angeblichen Telekom-Mitarbeiter statt: Ingrid Kurzsynoga an ihrem Hauseingang. Foto: Féaux de Lacroix

Melsungen. Ein vermeintlicher Mitarbeiter der Telekom hat eine Melsungerin massiv unter Druck gesetzt. Ob der Mann tatsächlich im Auftrag der Telekom unterwegs war, ist nicht geklärt.

Ingrid Kurzsynoga ahnte nichts Böses, als es am Donnerstagnachmittag an ihrer Haustür klingelte. Die 71-jährige Melsungerin öffnete arglos die Tür - und stand einem Mann gegenüber, der eine Jacke mit dem Telekom-Logo und einen Ausweis mit der Aufschrift Telekom trug.Doch was der angebliche Telekom-Mitarbeiter ihr nun erzählte, verschlug der Melsungerin die Sprache.

Sie müsse sofort ihren Telefon-Anbieter wechseln, behauptete der Unbekannte. Derzeit sei sie bei einem anderen Anbieter angemeldet, nutze aber die Telefonleitungen der Telekom. Das sei nicht gestattet. Wenn sie nicht zur Telekom wechsle, könne er ihr sofort die Leitung kappen. Dazu sei er befugt.

„Der hat mir förmlich die Pistole auf die Brust gesetzt“, schildert die 71-Jährige. Den Vertrag, den sie unterschreiben sollte, habe er ihr schon fertig auf einem Klemmbrett hingehalten.

Doch Ingrid Kurzsynoga unterschrieb nicht. Zwei Bekannte von ihr, die gerade zu Besuch waren, kamen an die Tür, stellten den vermeintlichen Telekom-Mitarbeiter zur Rede und schickten ihn weg. Die Melsungerin war froh über diese Unterstützung - sie selbst habe sich dem fremden Mann gegenüber hilflos gefühlt.

Den angeblichen Telekom-Mitarbeiter beschreibt sie als etwa 1,80 Meter groß, mit dunkler Haut und dunklen Haaren. Er habe deutsch mit ausländischem Akzent gesprochen. Auffällig war, dass das Logo auf der Jacke des Mannes nicht magentafarben war, wie sonst bei der Telekom üblich, sondern grau.

Ingrid Kurzsynoga vermutet, dass der unbekannte Mann auch andere Haushalte in Melsungen aufgesucht hat. Ein ähnlicher Fall habe sich beispielsweise bei einer Bekannten von ihr in der Waldstraße ereignet, berichtet sie.

Der Polizei seien allerdings bislang keine vergleichbaren Fälle bekannt, sagte Polizeisprecher Reinhard Giesa.

Das sagt die Telekom:

Ein Telekom-Sprecher erklärte auf HNA-Anfrage, an dem genannten Tag seien keine Vertriebsmitarbeiter des Unternehmens in Melsungen unterwegs gewesen. Da die Melsungerin den Namen des Mannes an der Tür nicht notiert hat, könne man nicht überprüfen, ob der Unbekannte im Auftrag der Telekom gearbeitet hat. Deshalb bleibt unklar, ob der Mann ein Betrüger war. Es sei aber schon vorgekommen, dass sich Betrüger als Telekom-Mitarbeiter ausgegeben hätten. Das geschilderte Verhalten des Unbekannten in Melsungen entspreche jedenfalls „nicht unseren Standards“, sagte der Sprecher. Es verstehe sich von selbst, dass Kunden nicht angedroht werden dürfe, die Leitung zu kappen. Die Telekom arbeite beim Direktvertrieb im Außendienst mit externen Partnern zusammen. Die Mitarbeiter dieser Partner seien mit einem Dienstausweis mit Lichtbild ausgestattet, der deutlich mache, dass sie im Auftrag der Telekom tätig sind. „Alle Mitarbeiter haben ein Autorisierungsschreiben im Original (keine Fotokopien) dabei und verwenden original Telekom-Prospektmaterial und Telekom-Formulare“, so der Sprecher. Die Arbeit der Vertriebspartner werde von der Telekom genau beobachtet. „Wir fordern korrektes Auftreten ein. Dafür haben wir verbindliche Verhaltensregeln entwickelt. Erhalten wir Hinweise auf Unregelmäßigkeiten, gehen wir diesen nach.“ Im Übrigen stehe es natürlich jedem Kunden frei, das Gespräch an der Haustür abzulehnen und die Tür zu schließen.

Das rät die Polizei:

Fremde nicht ins Haus lassen, sondern sich Namen und Dienststelle der Personen nennen lassen und deren Angaben durch einen Anruf bei der Dienststelle überprüfen. Die Personen sollen solange vor der Tür zu warten. Hat man das Gefühl, es mit Betrügern zu tun zu haben, sollte man die Polizei rufen.

Quelle: HNA

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