Marion Brasch las in der Burgsitzschule

„Ich bin die letzte, die noch lebt ...“

Lesung: Heike Sommer und Regina Cassel im Gespräch mit der Schriftstellerin Marion Brasch. Foto: Hirchenhain

Spangenberg. „Diese Geschichte ist wahr, genauso wahr wie alle anderen Geschichten“, begrüßt Marion Brasch mit einem Augenzwinkern die Zuhörer ihrer Lesung in der Burgsitzschule Spangenberg. Ihr Buch „Ab jetzt ist Ruhe“, aus dem die Berliner Autorin gelesen hat, ist ein vielgepriesener Roman, der den ironischen Untertitel „Roman meiner fabelhaften Familie“ trägt.

Die Textstellen, die Brasch in Spangenberg ausgewählt hat, beschreiben vor allem ihre Kindheit und postpubertäre Sozialisation. „Meinen Vater habe ich erst beim Schreiben kennen gelernt“, so Brasch.

Ihr Vater Horst Brasch ist zeitweilig stellvertretender Kulturminister in der DDR gewesen, er, der katholische Jude, der aus Nazideutschland nach England emigrieren musste, dort seine Frau, eine Wiener Jüdin kennen- und lieben lernte und zum Kommunisten wurde. „Das Himmelreich auf Erden gibt’s auch ohne Gott“, so sein Credo.

Brasch, die ihre Eltern und ihre drei Brüder, auch Schriftsteller und Künstler, schon verloren hat, ist auf Anregung von Freunden und dem S. Fischer-Verlag zum Schreiben animiert worden.

In einem anregenden Gespräch nach der Lesung erwähnt die Autorin den Opportunismus eines Mädchens, das lange nicht gewusst hat, wo es hin soll. Eigentlich habe erst die Recherche in der eigenen Familie, das Aktenstudium der väterlichen Akte ihr die Augen geöffnet. „Das Buch über meine Familie hat bei mir erst größeres Verständnis für die Familie geweckt“, sagt Brasch und betont, dass die zweijährige Arbeit am Buch ein Selbstgeschenk gewesen sei. Es gab viel Beifall für die Ausführungen der 52-jährigen Schriftstellerin. (yhg)

Quelle: HNA

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