Interview: Der unabhängig antretende Bürgermeisterkandidat Carsten Röhl über seine Ziele

Bürgermeisterkandidat Carsten Röhl : „Ich möchte Lokomotivführer sein“

Will Bürgermeister in Wolfhagen werden: Carsten Röhl. Foto: Norbert Müller

Wolfhagen. Am 27. März sind Kommunalwahlen. In Wolfhagen wird an diesem Tag auch der Bürgermeister gewählt. Neben Amtsinhaber Reinhard Schaake kandidiert Carsten Röhl. Wir sprachen mit dem Herausforderer.

Herr Röhl, warum wollen Sie Bürgermeister werden?

Carsten Röhl: Weil ich der Auffassung bin, dass Wolfhagen in den vergangenen zwölf Jahren einem Stillstand unterliegt, was Stadtplanung, Sozialpolitik und auch die finanzielle Situation betrifft.

Was wollen Sie anders machen, sollten Sie neuer Verwaltungschef werden?

Röhl: Ich will die Rolle des Bürgermeisters aktiver gestalten, sie durch eigene Anträge und Vorschläge herausheben.

Nennen Sie doch ein Beispiel.

Röhl: Ich will aktiver in die Verwaltung hinein wirken. Der Amtsinhaber hat doch selbst kaum Anträge gestellt. Wo sind denn seine eigenen politischen Initiativen? Er hängt sich an vieles nur dran. Das Gesamtkonzept fehlt, ein Generalplan für die Stadtentwicklung. Es wir jetzt zum Beispiel zum dritten Mal beim Programm „Ab in die Mitte“ mitgemacht. Dann werden Machbarkeitsstudien in Auftrag gegeben, bei denen die Ergebnisse programmiert sind.

Haben Sie denn einen Generalplan?

Röhl: Ja. Erst einmal muss ein Kassensturz her, um eine Grundlage zu haben. Und dann geht es mir vor allem um ein Stadtentwicklungskonzept. Mit mir wird es keine Träumereien geben. Ein Ziel ist die Attraktivierung der Altstadt.

Was ist daran neu, das will Amtsinhaber Schaake ebenfalls.

Röhl: Es fehlt da aber an der Vernetzung, generell an vernetzten Politikfelden. Beispielsweise nur zu sagen, ich setze stärker auf das Ehrenamt, wie das der Bürgermeister macht, ist eine Plattitüde, wenn ich nicht sage, wie es genau gemacht wird. Wir schlafen derzeit in Wolfhagen in verschiedenen Bereichen, etwa im Sozialen, aber auch bei der Aquirierung von Bauland und bei der Identifizierung und Stärkung so genannter weicher Standortfaktoren. Beide bedingen einander. Für mich wäre auch wichtig, das Rathaus für die Menschen weiter zu öffnen, es muss zu einer echten Servicestelle werden. Wir müssen auf die Leute zugehen.

Das Thema Nummer eins in der öffentlichen Wahrnehmung in Wolfhagen ist seit Jahren die Debatte um die Windkraft. Wie stehen Sie zu einem Bürgerwindpark am Rödeser Berg?

Röhl: Ich bin für regenerative Energiegewinnung, halte den Standort am Rödeser Berg aber für höchst problematisch. Ich bin dagegen, die Dinge zu verniedlichen durch das Anhängsel Bürgerwindpark. Die Art und Weise, wie der Rödeser Berg zum alleinigen Standort erklärt wurde, spricht dagegen. Man hat erst das Planungsgebiet definiert und danach über das Konzept diskutiert.

Wolfhagens Gesamtschulden liegen bei rund 15 Millionen Euro. Wie wollen Sie den Schuldenberg abbauen?

Röhl: Man hangelt sich von einem defizitären Haushalt zum nächsten. Die kontinuierliche Überprüfung städtischer Angebote und Investitionen hinsichtlich ihrer Kosteneffizienz und ihrer Zielgenauigkeit ist ein erster Schritt. Wir dürfen nicht Jagd auf jeden Zuschuss machen, ohne die Folgen zu reflektieren. Aber ich muss mir auch bei den Vorzeigeobjekten wie dem früheren Katasteramt hierüber im Klaren sein, bevor etwaige weitere Gutachten herausgehauen werden.

Sagen Sie kurz, wie ein Bürgermeister Röhl seine Rolle definieren würde?

Röhl: Ich möchte quasi die Lokomotive sein und vorne stehen und nicht auf Züge aufspringen.

In der kommenden Woche lesen Sie ein Interview mit Amtsinhaber Reinhard Schaake.

Quelle: HNA

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