Idylle unterm Windrad: 80 Einwohner von Rockshausen schätzen die Gemütlichkeit

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Rockshausen. Dieser Satz muss Skeptiker überraschen: „Auf dem Land sind die Menschen toleranter als in der Stadt.“ Der Mann, der das sagt, heißt Dieter Röse und wohnt in einem sehr kleinen Dorf. Rockshausen hat gerade einmal 80 Einwohner.

Doch Röse mag genau das. Wenn mal seine Hunde bellen, störe das keinen. Gemütlich gehe es zu im Dorf, die Menschen seien hilfsbereit und man kenne sich, sagt der Rentner, der aus Mosheim stammt: „Hier bleibt man nur fremd, wenn man das will.“

Der andere Grund, warum die meisten Rockshäuser sich nicht vorstellen können, ihrem Dorf untreu zu werden, liegt auf der anderen Seite von Dieter Röses Haus: der Ausblick auf das Tal und die Schwalmpforte. „Allein die Aussicht wäre schon 100 000 Euro wert“, zitiert Röse einen Freund.

Außer der Idylle hat der Waberner Ortsteil noch mehr zu bieten. Wahrzeichen sind drei Windräder, die von weither sichtbar sind. Sie gehören aber – streng genommen – gar nicht zu Rockshausen, sondern zu Hesserode.

Trotzdem, erzählt Ortsvorsteher Carsten Saur-Hess, würden viele Menschen Rockshausen für den Ort mit den Windrädern halten. Saur-Hess und Gundula Scheffer-Krug sind gebürtige Rockshäuser und können viel über die markanten Punkte des Dorfes erzählen.

Die alte Schule zum Beispiel, in der schon seit vielen Jahrzehnten kein Schüler mehr gesessen hat, ist immer noch wichtig, denn sie wird von einem Glockenturm geziert. Alle halbe Stunde schlägt die Uhr, außerdem wird sonntags und bei Beerdigungen geläutet.

Handzeichen zum Läuten

Anni Orth ist dafür zuständig. In Rockshausen ist es üblich, dass die Toten vor der Beerdigung im Zug zum Friedhof gebracht werden. Damit die Glocken rechtzeitig erklingen, werden Handzeichen durchs Dorf gegeben.

Rockshausen ist landwirtschaftlich geprägt, doch mittlerweile stehen einige Höfe leer. Ein verfallendes Haus in der Ortsmitte soll demnächst abgerissen werden, sagt Saur-Hess. Zwei hauptberufliche Landwirte gebe es noch im Dorf, und vier im Nebenerwerb – so wie der Ortsvorsteher selbst.

Sorge um die Zukunft haben die Rockshäuser nicht. Von den 80 Einwohnern sind 17 unter zwölf Jahren alt. Sie alle treffen sich unter der 300 Jahre alten Dorflinde, am Backhaus – an dem alle zwei Jahre ein großes Fest gefeiert wird – oder im Feuerwehrhaus.

Gebaut wurde es zum großen Teil in Eigenleistung, betont Saur-Hess. Dort gibt es einen Saal für bis zu 70 Personen. Hinter der Theke steht eine eindrucksvolle Pokalsammlung, die beweist, wie gut die Rockshäuser Feuerwehr ist.

Im Haus wird gefeiert, Fußball geguckt und vieles mehr. Und wenn Schnee liegt, zieht es die Rockshäuser nach draußen. Dann sausen sie aus ihrer idyllischen Berglage mit dem Schlitten in Richtung Tal, dazu gibt es Glühwein. Und Dieter Röse hat das Flutlicht angestellt. (ode)

Quelle: HNA

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