Kai Boeddinghaus schnitt bei der Präsidentenwahl schlechter ab als erwartet

IHK-Kritiker enttäuscht

kassel. Die Nervosität stand vor Beginn der Wahl des Präsidenten der Industrie- und Handelskammer Kassel-Marburg (IHK) am Montag vielen ins Gesicht geschrieben: den Traditionalisten um den neuen und alten Präsidenten Dr. Martin Viessmann sowie Hauptgeschäftsführer Dr. Walter Lohmeier und den Kammerkritikern um Kai Boeddinghaus. Zwar stand nicht die Frage im Raum, wen die Vollversammlung – das höchste Kammergremium – zum neuen Präsidenten wählen würde, wohl aber mit welchem Ergebnis.

Beobachter hatten Boeddinghaus im Vorfeld bis zu 25 Stimmen zugetraut – 16 aus den eigenen Reihen seiner Kritiker-Initiative „Kammer ohne Zwang“ (KOZ) und bis zu weiteren neun von Sympathisanten aus dem bei voller Anwesenheit 88 Mitglieder starken Gremium. Aber es kam anders.

Nur 15 Stimmen

Der 55-jährige Kammerkritiker und hauptamtliche Geschäftsführer des in Kassel ansässigen Bundesverbands für freie Kammern (BffK) erhielt nur 15 Stimmen – eine weniger als die KOZ Mitglieder hat. Eine gewisse Enttäuschung war bei deren Mitgliedern nicht zu übersehen. Immerhin: Boeddinghaus kann künftig mit der Unterstützung von 16 statt bisher zwölf Gleichgesinnten in der Vollversammlung rechnen.

Dritte Amtszeit

Klar ist aber auch: Der alte und neue Präsident, der bereits in seine dritte jeweils fünf Jahre währende Amtszeit geht, kann auf einen kräftigen Rückhalt im „Parlament der Wirtschaft“ bauen. Aber er muss auch mit einer erstarkten Opposition rechnen, die erstmals als kompakte Wahlgruppe ins Rennen gegangen ist, jetzt als echte „Fraktion“ in der Vollversammlung aufgetreten und in allen wichtigen Ausschüssen vertreten sein wird.

Mit aller Kraft

Nach seiner Wahl versprach Viessmann, sich auch weiterhin mit aller Kraft für die Region zu engagieren, und bot „allen Vollversammlungsmitgliedern eine konstruktive Zusammenarbeit zum Wohle der Wirtschaft und Menschen“ an. Gleichzeitig bat er das Gremium um eine faire und effektive Sacharbeit, bei der persönliche Interessen und Befindlichkeiten hintangestellt werden sollten.

Vor der Wahl hatte er an alle Beteiligten appelliert, sich gemeinsam den Herausforderungen der Zukunft zu stellen. Dazu zählt er die demografische Entwicklung, den weiteren Ausbau der Verkehrsinfrastruktur, die Stärkung von Handel, Dienstleistungen und Tourismus, die Energiewende sowie den Wissenstransfer zwischen Hochschulen und Instituten und der Wirtschaft. Boeddinghaus betonte, dass er nicht die Abschaffung der Kammer, sondern der Zwangsmitgliedschaft sowie Reformen fordere, „damit die Unternehmen von sich aus Mitglied der IHK sein wollen“.

Mehr Demokratie

Dazu bedürfe es mehr Demokratie, Transparenz und Mitgliederbetreuung sowie einer finanziellen Stärkung der Regionalausschüsse. „Das Effizienzgebot in der Wirtschaft darf nicht zu weniger Demokratie führen“, sagte er. Die Gespräche über eine konstruktive Zusammenarbeit im Vorfeld der Wahl bezeichnet er als „gutes Zeichen“.

Von José Pinto

Quelle: HNA

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