Gedenkstätte: 50 Besucher beim Filmabend und Gespräch mit Erika Fehse über verbotene Beziehungen im Nationalsozialismus

Für ihre Liebe gedemütigt und hart bestraft

Verbotene Liebe im Nationalsozialismus: Eine Dokumentation von Erika Fehse (rechts im Bild) bewegte am Donnerstag 50 Besucher der Gedenkstätte und des Museums Trutzhain. Foto: Heist

Trutzhain. Zu einem Filmabend und Gespräch mit der renommierten Journalistin Erika Fehse hatte für Donnerstagabend die Gedenkstätte und Museum Trutzhain eingeladen. Thema des Abends war der Film „Für eine Liebe so bestraft – Deutsche Frauen und Zwangsarbeiter“. Die 45-minütige Dokumentation der freiberuflichen Filmemacherin und Rundfunkjournalistin Erika Fehse war vor zwölf Jahren für den WDR entstanden.

Im prall gefüllten Filmraum der Gedenkstätte tummelten sich 50 Besucher aus dem Schwalm-Eder-Kreis und dem Vogelsberg. Sie tauchten ein in die filmische Aufbereitung eines verdrängten schockierenden Kapitels deutscher Geschichte, über das sich bis heute der Mantel des Schweigens breitet oder man nur hinter vorgehaltener Hand spricht, wie es eine Besucherin formulierte.

Aus der Vogelperspektive aufgenommene grüne Landschaften, dazwischen eingeblendete schwarz-weiße Zeitdokumente – ein Plakat mit der Aufschrift „Polendirne“, das Foto eines Gehängten – der aus der Ferne gerichtete Blick auf ein friedlich gelegenes Dorf: Erika Fehses Film lenkt den Blick des Zuschauers hinter die idyllisch anmutende Fassade ländlichen Lebens. Nach aufwendiger Recherche begab sich Erika Fehse in Hessen, Niedersachsen und im Münsterland auf konkrete Spurensuche. Die entstandene einfühlsame Dokumentation gewährt Einblicke in das Schicksal vierer Frauen, die mit ihrer Liebe gegen die Rassengesetze der Nationalsozialisten verstießen und für ihre Liebe hart bestraft wurden. Ihre Liebesbeziehungen zu russischen, polnischen und serbischen Zwangsarbeitern während des Zweiten Weltkrieges waren anonym angezeigt worden und man hatte sie zu Unrecht des „verbotenen Umgangs mit Fremdvölkischen“ bezichtigt und verurteilt. Für die Frauen bedeutete dies mehrere Monate oder Jahre Haft, Konzentrationslager und Misshandlung. Die Haare wurden ihnen geschoren, sie wurden beschimpft, gemieden und gedemütigt. Ihre Angst vor sozialer Ächtung hält bis heute an. Ihre russischen, polnischen und serbischen Geliebten wurden hingerichtet.

Zutiefst betroffen zeigten sich die Besucher von den Schilderungen der vier Lebensgeschichten. Nach jahrzehntelangem Schweigen und stillem Leiden hatten sich drei Frauen der Filmemacherin anvertraut und waren vor die Kamera getreten. Die Vierte zog kurz vor Drehbeginn ihre Einwilligung zum Dreh zurück. An ihrer Stelle durfte die Filmemacherin mit der Tochter und dem Enkelsohn drehen und die beiden auf der eindringlichen Suche nach den Spuren des unbekannten polnischen Vaters und Großvaters begleiten.

Wie Menschen in komplizierten historischen Situationen mit den jeweiligen Situationen umgehen, darin sei ihr Interesse begründet, sagte Erika Fehse. Jede Gegenwart stelle andere Fragen an die Vergangenheit. Das Schicksal der vier Frauen in ihrem Film steht stellvertretend für das von Tausenden von Frauen. Die genaue Anzahl sei bisher nicht erforscht, sagte Karin Brandes, Leiterin der Gedenkstätte.

Von Kerstin Heist

Quelle: HNA

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