Parlament bittet  um Stellungnahme

Windenergieanlagen: Ihre Meinung ist gefragt

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Windräder Ja oder Nein: Mit dieser Frage sollen sich die Schrecksbacher, hier Hans Klapp aus Holzburg, beschäftigen.

Schrecksbach. Das Thema Windkraft beschäftigt in Schrecksbach nicht nur die Gemeindevertretung: Auch die Menschen sind ab sofort aufgerufen, sich zu positionieren. Diese Möglichkeit eröffnet eine Bürgerbefragung – dazu hatten sich die Parlamentarier entschlossen.

„Wir erhoffen uns Hilfe und Hinweise, um eine vernünftige Entscheidung zum Wohl der Gemeinde treffen zu können“, sagte der Vorsitzende der Gemeindevertretung Martin Michel. Er war es auch, der bei der ersten von drei Infoveranstaltungen am Dienstagabend in Holzburg die Pläne sachlich und neutral offen legte.

Bis Mitte Mai muss die Gemeinde gegenüber dem Regierungspräsidium Stellung zum Teilregionalplan Nordhessen nehmen. Im Herbst 2013 könne man dann mit dem überarbeiteten Entwurf rechnen, erklärte Michel. Rechtskräftig werde der Plan im Juli 2014. Michel gab zu bedenken, dass man die Anlagen mit einer Höhe von 200 Metern nicht verstecken könne. Zum Thema Lärm sagte er: „Tags dürfen 55 Dezibel nicht überschritten werden, nachts 40 Dezibel.“ Zu jeder Windenergieanlage werde vorher ein Lärmgutachten erstellt. Geregelt seien auch die Abstände zu bebautem Gebiet. Zu Siedlungen 1000 Meter, zu Einzelgehöften 600 Meter und zu Straßen 150 Meter.

Maßgebend für die Planung sei außerdem der Schattenwurf einer Anlage. „Der kann eine Beeinträchtigung für Wohngebiete darstellen“, sagte Michel. „Ein Schlagschatten darf hier nicht länger als 30 Minuten am Tag statt finden.“ Wind als Energiequelle habe Vorteile: „Sie verbraucht sich nicht.“ Auch eine Verringerung der Treibhausgase sei nachgewiesen. Für die Gemeinde könnten die Anlagen dann lukrativ sein, wenn die betreibende Energiegenossenschaft in der Kommune angesiedelt sei – sie generiere der Gemeinde Steuereinnahmen. Arbeitsplätze seien nicht zu erwarten, höchstens Aufträge für die Errichtung.

Wirtschaftlich lukrativ werde eine Anlage auf Flächen mit Windgeschwindigkeiten von 5,5 Metern pro Sekunde – in Frage kämen eine Fläche zwischen Merzhausen und Röllshausen und ein kleineres Areal zwischen Schrecksbach und Immichenhain. Auf der ersten Fläche würden drei Anlagen in Schrecksbacher, zwei in Willingshäuser Gemarkung stehen. Die Gemeinde Willingshausen plane nach Michels Kenntnisstand bereits mit dieser Fläche. Auch in Ottrau gebe es ein Votum für Windenergie. Die größere Fläche sei vor zehn Jahren wegen flächendeckender Bodendenkmäler ausgeschlossen worden: „Nach Fukushima wurde neu bewertet“, erläuterte der Vorsitzende. Konfliktpotenzial sehe er noch beim Thema Vögel. 50 Prozent aller Rotmilane seien in Deutschland beheimatet, davon allein zehn Prozent in Hessen. „Für diese Vogelart stehen wir in der Verantwortung“, sagte Michel.

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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