Illegale Rennen im Forst

Illegale Rennen im Wald: Polizei hat Cross-Fahrer im Visier

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Spielwiese Hattenhausen: Am Wochenende treffen sich Motocross-Fahrer aus der Region, um im Naumburger Stadtwald durchs Gelände zu fahren. Fotos:  Norbert Müller

Naumburg. Der Naumburger Stadtwald wird zunehmend zum Eldorado für Motocross-Fahrer. Vor allem am Wochenende sind sie unterwegs auf wettbewerbsfähigen Geländemotorrädern und auch vierrädrigen Quads.

Die Fahrer kommen nicht mehr nur aus Naumburg und seinen Stadtteilen, längst rücken Fahrer aus der gesamten Region an. Ihre Maschinen karren sie auf Anhängern oder in VW-Bussen zum Treffpunkt. Ein zentraler Ort ist Altendorf. Vor etwa zwei Wochen traf sich dort am Sonntagvormittag ein knappes Dutzend Crosser, um anschließend auf einen mehrstündigen Rundkurs zu gehen. Der Alte Wald, die Hesseln, das Mühlenholz - schließlich fuhren sie zum Hattenhäuser Wald, den Forst zwischen Naumburg und Bad Emstal, wo die Steilhänge locken.

Hier haben Motocross-Fahrer mit ihren Maschinen schon bei früheren Besuchen tiefe Furchen in die Hänge gewühlt, und von Tour zu Tour werden sie tiefer. Regen wäscht die Rinnen weiter aus. „Hier wird es durch Erosion immer mehr Folgeschäden geben“, sagt Revierförster Peter Muster, Wurzeln von Bäumen werden freigelegt. „Irgendwann liegen die Bäume um.“

Der erfahrene Naumburger Forstmann spricht von einer „Autobahn quer durch den Bestand“, erzählt von einem Feuchtbiotop, durch das die Motocrosser immer wieder fahren und das dadurch mittlerweile verlandet ist.

„Sie sind nicht zu kriegen.“

Uwe Zindel, Leiter des Wolfhager Forstamtes, ist sich bei einem Ortstermin mit seinem Naumburger Kollegen und mit Bürgermeister Stefan Hable einig, dass längst das Maß des Erträglichen überschritten ist. Im Naumburger Stadtwald, so der Forstamtsleiter, habe man es ohne Zweifel mit einem „Extremfall“ zu tun.

Nicht akzeptabel

Zindel weist auf die Funktion des Waldes als „Ruheinsel“ für den Menschen, vor allem aber als Rückzugsort für das Wild hin. Das Verhalten der Motorradfahrer, die sich „an keine Vorgaben halten“, sei nicht zu akzeptieren. Sie gefährden Spaziergänger und: Die Beunruhigung des Wildes führe zu einer Zunahme der Verbissschäden an den jungen Bäumen und damit langfristig zu weiteren Verlusten im Bestand. Die Stadt Naumburg hat deswegen nun Anzeige gegen unbekannt wegen Sachbeschädigung erstattet.

„Die Schadensbeseitigung“, sagt Forstamtsleiter Uwe Zindel, „kann eine richtig teure Sache werden.“ Allerdings wissen die Forstleute und auch Bürgermeister Hable, dem Motocross-Fahrer kürzlich im Mühlenholz am Bilstein zwischen Naumburg und Ippinghausen begegnet sind, dass es extrem schwer ist, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.

Schäden: Forstamtsleiter Uwe Zindel an einer Steilwand, in die die Crossfahrer eine tiefe Kerbe gefahren haben.

Die Fahrzeuge haben keine Kennzeichen, die Fahrer sind wegen der Helme nicht zu identifizieren. Sie sind mit extrem geländegängigen Maschinen unterwegs und können auch mit ihnen umgehen. Zindel: „Sie sind nicht zu kriegen.“

Dass man die Motocross-Fahrer, die dem Naumburger Stadtwald zusetzen, nicht beikommen kann, diese Einschätzung teilt Wolfhagens Polizeichef Volker Pieper keineswegs. Hinweise aus der Bevölkerung seien für die Beamten eine wichtige Hilfe.

Seit wenigen Tagen liegen der Polizei verwertbare Fotos von einem Pulk Cross-Fahrer vor, der am Sonntagmittag vor zwei Wochen Station in Hattenhausen machte. Durch Hinweise aus der Bevölkerung habe man noch am gleichen Tag zugreifen können. Einige der Fahrer hatten in Altendorf, von wo aus sie gestartet waren, einen Anhänger für Quads und einen weiteren für ein Motorrad sowie zwei VW-Busse abgestellt. Bei ihrer Rückkehr empfing sie eine Streife.

Fotos: Polizei hat Cross-Fahrer im Visier

Illegale Rennen: Polizei hat Cross-Fahrer im Wald im Visier

Jetzt geht es nicht mehr nur um die Strafanzeige der Stadt Naumburg wegen Sachbeschädigung. „Wir haben mehrere Ermittlungsverfahren eingeleitet“, erklärt Polizeihauptkommissar Pieper: unter anderem wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis und wegen Verstöße gegen das Pflichtversicherungsgesetz. Pieper: „Der Spaß ist vorbei. Jetzt reden wir von Straftaten.“

Massiver Druck

Vor allem der Verstoß gegen das Pflichtversicherungsgesetz sei gravierend. „Wenn die jemanden über den Haufen fahren, dann kommt kein Cent rüber. Das hat eine ganz andere Qualität“, betont Pieper. Der Wolfhager Dienststellenleiter kündigt an, dass die Polizei den Druck auf die illegalen Motorsportler nun „massiv“ erhöhen werde. Und: „Wir werden in Zukunft offen und verdeckt ermitteln“. Idealerweise mit Unterstützung der Bevölkerung, die - möglichst zeitnah - Hinweise geben sollte (Polizei in Wolfhagen: 05692/98290).

Bei den Bürgern gebe es erhebliche Verärgerung über die Motocrosser. Pieper erzählt von einem Gespräch, das er kürzlich mit einer Naumburger Familie führte, die ihm berichtete, dass man die rücksichtslosen Fahrer angesprochen habe und von ihnen ausgelacht worden sei.

Polizeichef Pieper ist „guter Dinge, dass wir die Sache zu Ende bringen werden“. Man habe noch eine paar Asse im Ärmel, die man zu gegebener Zeit ausspielen werde.

Von Norbert Müller

Quelle: HNA

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