Illegaler Handel aufgeflogen

Illegaler Handel mit Hundewelpen im Kreis Kassel: „Einer hat nur knapp überlebt“

Ein kleiner Hund wird von einem Menschen hochgehalten.
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Niedliche Welpen wie die beschlagnahmten Zwergspitze können Hundekäufer die Vorsicht beim Kauf vergessen lassen.

Illegaler Welpenhandel im Kreis Kassel: Die Polizei entdeckt bei einer Kontrolle viel zu junge Hunde-Babys. Sie steckten in einem Transporter aus Ungarn.

Wolfhagen – Erstmals gibt es im Kreis Kassel einen Fall von illegalem Welpenhandel. Die Kasseler Polizei entdeckte bei einer Kontrolle laut Gundula Utzinger vom Veterinäramt des Kreises zwei Boxen mit je drei Zwergspitzen. Stattgefunden hatte die Kontrolle des holländischen Transporters, der aus Ungarn kam, am Lohfeldener Rüssel. „Die Beamten hatten gleich den richtigen Riecher und haben erkannt, dass die Tiere deutlich jünger als 15 Wochen waren.“

Polizei stoppt Transporter im Kreis Kassel – Welpenhändlern droht hohes Bußgeld

Nach den geltenden seuchenrechtlichen Bestimmungen dürfen Hunde erst mit mindestens 15 Wochen nach Deutschland eingeführt werden. Eine ebenfalls nötige Tollwutimpfung inklusive Pass konnten die beiden Männer nicht vorlegen. Auch ein implantierter Chip war Fehlanzeige. Dies war Anlass für die Polizei, die Tiere zu beschlagnahmen, und das zuständige Veterinäramt einzuschalten. Gegen die Männer wird ermittelt.

Laut Polizeisprecher Matthias Mänz droht den Welpenhändlern ein Bußgeld von bis zu 25 .000 Euro oder eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren. „Zwergspitze sind offenbar die neuen Modehunde“, sagt Utzinger, und damit heiß begehrt und wirtschaftlich interessant. In Deutschland lägen die Preise laut Veterinäramt um die 1500 Euro.

Kreis Kassel: Ein Hundewelpe hat nur knapp überlebt

Die Tierhändler beziehen kranke Welpen von Vermehrern aus Osteuropa und verdienen sich mit dem Verkaufüber Internet-Plattformen wie Ebay eine goldene Nase. Weil die Hunde in den Vermehrerställen unter erbärmlichen Umständen gehalten werden, die Muttertiere leiden unter Krankheiten und Mangelernährung, sind es die Welpen meistens auch.

„Die Zwergspitze waren voller Parasiten. Einer hat nur knapp überlebt“, berichtet Utzinger. Inzwischen sind die Kleinen tierärztlich versorgt und wohlauf. Jetzt sucht das Veterinäramt Interessenten für die Hunde.

Illegaler Welpenhandel boomt: 50.000 Hunde pro Monat in der EU transportiert

„Der illegale Welpenhandel ist ein Millionengeschäft. 50 .000 Hunde werden pro Monat zwischen EU-Staaten widerrechtlich hin und her transportiert“, sagt Daniela Schneider von der Tierschutzorganisation Vier Pfoten, die sich seit Jahren intensiv mit dem Thema beschäftigen.

Der Handel mit Rassewelpen boomt. Diese Entwicklung habe vor rund 20 Jahren mit der Globalisierung begonnen, erklärt Gundula Utzinger vom Veterinäramt des Landkreises in Wolfhagen.

Polizei stoppt Transporter im Kreis Kassel: Schlimmste Bedingungen für Hunde

Früher seien die Hunde vom Bauernhof, Privatverkäufen oder Züchtern aus Deutschland gekommen. In Osteuropa werden Hunde unter schlimmsten Bedingungen produziert, Hundebabys viel zu früh von ihren geschundenen Müttern getrennt und meist krank, mit gefälschten Impfpässen quer durch Europa transportiert. „Die neuen Besitzer sind meist mit hohen Tierarztkosten und oft mit dem frühen Tod der Welpen konfrontiert.“

Dies erlebte vor ein paar Jahren eine Familie aus Balhorn, über die wir berichtet hatten. Sie nahmen ahnungslos einen kranken Welpen aus Osteuropa auf. So auch der kleine Labrador, der hohe Tierarztkosten verursachte und dann doch eingeschläfert werden musste. Für den Verkauf war der Welpe aufgeputscht worden und brach kurz danach im neuen Zuhause in Balhorn zusammen.

Kommen aus ungarischem Vermehrerstall: Die Polizei beschlagnahmte die kleinen Zwergspitze bei einer Kontrolle auf dem Parkplatz Lohfeldener Rüssel.

Corona-Lockdown führte zu weniger Tier-Anzeigen – danach stiegen Zahlen wieder

Laut Daniela Schneider von Vier Pfoten werden die Verkäufe über Portale wie Ebay Kleinanzeigen, markt.de, Quoka oder Social-Media-Kanäle abgewickelt. Seit Beginn der Coronazeit hatte die Tierschutzorganisation diese Portale beobachtet. Während des Lockdowns brachen die Anzeigen für gefragte Trendrassen wie Labrador Retriever, Französische Bulldogge oder Chihuahua ein.

Auf Quoka gingen beispielsweise die Anzeigen für Zwergspitze um 77,65 Prozent zurück. Kaum waren die Grenzen wieder offen, nahmen die Inserate zu. „Ein Großteil der Anzeigen stammt von dubiosen Händlern“, warnt Schneider.

Tierschutzorganisation fordert gesetzliche Regeln für den Handel von Tieren im Internet

Vier Pfoten fordert von der Politik gesetzliche Regeln für den Handel von Tieren im Internet. Auch Tierschutzorganisationen vermitteln Hunde legal aus dem Ausland nach Deutschland. Diese müssen strenge Auflagen erfüllen und eine Sachkunde-Prüfung ablegen.

Die Zwergspitze sollen jetzt in gute Hände vermittelt werden. „Dem Steuerzahler sind erhebliche Kosten durch Tierarzt und Unterbringung entstanden“, so Utzinger. Deshalb werden die Kleinen geimpft, gechippt, entwurmt und mit Pass zu einem angemessenen Preis abgegeben. Kontakt: veterinaeramt@landkreiskassel.de 0561/1003-3300

Vermehrer sitzen meist in Osteuropa

Die meisten Welpen kommen laut der Tierschutzorganisation Vier Pfoten von sogenannten Vermehrerstationen aus Polen, Tschechien, der Slowakei, Ungarn und Rumänien. In Massen produziert und zu früh von ihren Müttern getrennt, würden sie in Kisten und Kofferräumen tagelang illegal durch Europa gekarrt. Die Vermehrer gäben die Welpen billigst an Zwischenhändler ab, die die Tiere später mit Gewinn an gutgläubige Abnehmer in Deutschland verkaufen. (Von Bea Ricken)

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