Schöffenwahl 2018

Im Altkreis Wolfhagen werden Schöffen gesucht

Wolfhager Land. Im Altkreis Wolfhagen werden Schöffen für die kommende Amtszeit von 2019 bis 2023 gesucht. Wir haben mit einer Schöffin aus Dörnberg über ihr Ehrenamt gesprochen. 

Verzweifelte Angeklagte, Verhandlungen im Hinterzimmer und die Frage nach Schuld und Unschuld: Ruth Nussbeck aus Dörnberg ist seit zehn Jahren Schöffin am Amtsgericht Kassel und muss als Laie über andere Menschen urteilen.

„Ich hatte schon immer Interesse an Justizangelegenheiten“, sagt die 65-Jährige. Die gelernte Krankenschwester wurde vor zehn Jahren zur Hauptschöffin gewählt und nimmt seither an etwa zwölf Verhandlungen am Kasseler Amtsgericht im Jahr teil. 

Mit dem Beruf als Krakenschwester gehörte sie eigentlich einer Berufsgruppe an, die das Schöffenamt ablehnen darf. Doch das wollte sie nie, sagt die Rentnerin. Die Gemeinde kam damals auf sie zu und fragte sie, ob sie nicht Interesse daran hätte: „Ich sagte: na klar, Nussbecks machen das.“

Es ist wichtig, dass es Schöffen gibt: Ruth Nussbeck (65) aus Dörnberg ist seit zehn Jahren Schöffin am Amtsgericht Kassel. Sie findet es extrem wichtig, dass Hilfsrichter gleiches Mitspracherecht wie ein Richter hat. 

In all den Jahren sei keine Verhandlung, wie die andere gewesen. „Es ist bis heute noch spannend.“ Mitleid mit den Angeklagten habe sie dennoch nie gehabt. „Wir müssen objektiv bleiben und auch so beurteilen.“ Distanz zum Angeklagten aufzubauen, sei für das Urteilfällen sehr wichtig und hilfreich.

Als Hauptschöffin war sie überwiegend bei Prozessen dabei, bei denen es um Drogendelikte ging. „Genau wie früher, denke ich auch heute, dass jeder eine Wahl hat – der eine trifft vielleicht die falsche, der andere die richtige.“

Gespür für Menschen während der Arbeit geschärft

Schwergefallen sei es ihr nie, ein Urteil zu fällen: Wichtig sei es genau zuzuhören und die Situation sachlich aufzugreifen. In den ganzen Jahren kam es bei ihr kein einziges Mal vor, dass sich Richter und Schöffen uneinig bei der Urteilsfällung waren. „Im Zweifelsfall hat der Richter mehr Erfahrung“, gibt sie zu. 

Trotzdem findet sie, dass es wichtig ist, dass zwei Schöffen als Leien bei einer Verhandlung dabei sind. Drei „Richter“ sehen und hören mehr, das sorge für Gerechtigkeit.

Als Krankenschwester arbeitete Ruth Nussbeck viele Jahre in einer psychosomatischen Klinik in Bad Wildungen. Schon immer habe sie eine gute Menschenkenntnis gehabt. „Die brauch man auch als Schöffe“, sagt sie. In den vergangenen Jahren habe sich ihr Gespür für Menschen auch ein kleines bisschen geschärft.

Das Ehrenamt angenommen zu haben, hat sie bis dato nie bereut. Auch wenn es manchmal Verhandlungen gegeben hat, die einen bis nach Hause begleitet haben. Oft denkt man noch über das Urteil nach. „Doch im Grunde lässt man auf dem Nachhauseweg locker“, sagt sie.

In diesem Jahr endet ihr Ehrenamt als Schöffin für das Amtsgericht Kassel. Zwar könnte die Dörnbergerin noch für eine weitere Wahlperiode vorgeschlagen werden, doch das möchte die Rentnerin nicht. Sie und ihr Mann haben noch andere Ehrenämter, die viel Zeit beanspruchen. „So langsam ist es an der Zeit, Luft zu holen“, sagt sie.

Gemeinden nehmen Bewerbungen an

Als Schöffe entscheidet man gemeinsam mit einem Berufsrichter bei Gerichtsprozessen über Schuldfrage und Strafmaß, erklärt Matthias Grund vom Amtsgericht Kassel.

Pro Verhandlung am Amtsgericht stehen dem Richter zwei Schöffen zur Seite. Beide Schöffen sind bei einer Absprache gleichgestellt und werden aus unterschiedlichen Kommunen herangezogen. Für dieses Ehrenamt werden sie vom Arbeitgeber freigestellt, Verdienstausfall, Fahrtkosten und andere Auslagen werden erstattet, erklärt Matthias Grund.

Sprecher am Amtsgericht Kassel, Matthias Grund.

Das Amtsgericht Kassel informiere derzeit alle Kommunen und teile ihnen die benötigte Anzahl der Schöffen für die kommende Wahlperiode mit, erklärt Janine Gebhart von der Gemeinde Habichtswald. 

Die Anzahl der Schöffen richtet sich nach der Einwohnerzahl der Gemeinde. Daran orientiert, erstellen die Städte und Gemeinde dann eine Vorschlagsliste. In der Gemeinde Habichtswald sind das beispielsweise sechs Schöffen. Dort endet die Bewerbungsfrist bereits am 6. April.

Bewerbungsfristen enden am 20. April und 15. Juni

In Wolfhagen werden sechs Personen als Jugendschöffen gefordert, drei Frauen und drei Männer, sagt Heike Orth von der Stadtverwaltung Wolfhagen. Die Bewerbungsfrist für Jugendschöffen endet am 20. April. 

Für das Erwachsenengericht werden fünf und für die Strafkammer beim Landgericht drei Personen aus Wolfhagen gefordert. Damit würde in Wolfhagen aufgrund der Einwohnerzahl von 14 000 eine Anzahl von acht Schöffen benötigt, sagt sie. Die Bewerbungsfrist endet am 15. Juni.

Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © Friso Gentsch/dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare