Gastlichkeit seit 200 Jahren

Das Gasthaus Adler ist von altem Schrot und Korn

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Herzlich: Christel Weitzel lenkt mit ihren Mann Peter seit 1991 die Geschicke des Niedergrenzebacher Familienbetriebs.

Niedergenzebach. Im Gasthaus Adler setzt man auf traditionelle Gastlichkeit und zukunftsweisende  Gastronomie. Ein Beitrag aus unserer Serie "Lokalzeit".

Einen Niedergrenzebacher wollte Christel Weitzel nie heiraten. Und die Gaststätte der Familie zu übernehmen, das kam für die 55-Jährige als junge Frau gar nicht in Frage: "Aber genauso ist es gekommen – das sollte wohl einfach so sein", sagt die Gastronomin. Fluch oder Segen? Ein Betrieb sei immer beides, erzählt die Niedergrenzebacherin. Seit 1991 stehen Peter (59) und Christel Weitzel in Gaststube und Küche – der Koch und die Hotel- und Gaststättengehilfin sind mit Leib und Seele Wirtsleute.

Das Gasthaus Zum Adler neben der Kirche ist seit mehr als 200 Jahren in Familienbesitz. In der Konzession aus dem Jahre 1850 werden Bierschank und das „Herbergieren“ genehmigt. "So nannte man die Gästezimmer", erklärt Weitzel. Bis zum Krieg lenkte die Familie Lindemann – Christel Weitzels Mutter Annchen Lohrey ist eine gebürtige Lindemann – die Geschicke der Gaststube. Danach erweiterten Namen wie Witzorky und Lohrey den Stammbaum.

Ein Familienbetrieb

1962 übernahm Annchen Lohrey mit 21 Jahren die Geschäfte. "Ich bin im Betrieb groß geworden, habe ihn geliebt und verflucht", erzählt die Niedergrenzebacherin. Die Mutter hätte es gern gesehen, wenn sie Lehrerin geworden wäre. Dann wurde es doch die Ausbildung im Hotelfach im Sauerlandstern in Willingen. Dass ihr Herzblatt nun auch noch Koch war – Peter Weitzel lernte im Waldhotel in Willingen – war der Familiengeschichte äußerst zuträglich.

Das frisch vermählte Paar stieg zunächst nicht in den Betrieb mit ein: 1986 übernahmen Weitzels eine Kantine bei der Bundeswehr in Ahlhorn in Norddeutschland. "Wenn es keine Umstrukturierungen bei der Bundeswehr gegeben hätte, wären wir vielleicht immer noch dort", sagt die 55-Jährige.

Weitzels entwickelten ab 1991 die Gaststätte weiter. 1998 wurde umgebaut und modernisiert. Der Saal bietet Platz für 120 bis 150 Personen, es gibt ein Einzel-, drei Doppel und ein Familienzimmer. Seinerzeit wurde auch die Landwirtschaft aufgegeben. Bis heute ist Mutter Annchen Lohrey im Gasthaus die "Dekofee" und für den Blumenschmuck zuständig. Auch "wenn es brennt" ist die 76-Jährige immer zur Stelle. Als Ehepaar miteinander täglich zu arbeiten, ist für Weitzels kein Problem: "Jeder hat seinen Bereich – ich die Gaststube, Peter die Küche."Während sich die 55-Jährige häufig Gespräche über Politik und Fußball anhört, wisse Peter, wer sich getrennt habe oder schwanger sei. "Die Küchenquelle versiegt nie", erzählt die Gastronomin lachend.

Die Kinder der Weitzels, Anja und Peter junior, sind in die Fußstapfen der Eltern getreten und ebenfalls in anderen Betrieben der Hotellerie tätig. "Sie konnten wahrscheinlich auch nicht anders – und wir sind sehr stolz auf sie."

Quelle: HNA

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