Der Imbiss von Familie Wiegand begeistert die Kunden durch Tradition und Qualität

Ein Druide braut die Soße

Sie liebt ihre Arbeit: Irene Wiegand von der Imbissbude in Treysa bereitet ihre berühmten Pommes zu. Der Laden besteht bereits seit über 40 Jahren und überzeugt seine Kundschaft mit bewährten Rezepten. Fotos: Hoffmann

Treysa. Der Imbiss in der Bahnhofstraße in Treysa besteht seit 1967. Mittlerweile betreiben Karl Heinz Wiegand und seine Frau Irene aus Wasenberg die Bude in der dritten Generation. Geändert wurde über die Jahre wenig – genau das schätzen die Kunden.

„Wenn ich grundlegende Dinge ändern würde“, weiß der gelernte Metzger, „dann gäbe das eine Katastrophe.“ Denn es ist nach Meinung des 56-Jährigen die Konstanz, die den Familienbetrieb ausmacht. „Die Leute, die herkommen, wissen, was sie erwartet.“ Die Kundschaft setze sich zu fast 100 Prozent aus Stammkunden zusammen.

Zwei, die fast jeden Tag am Laden vorbeischauen, sind Christoph Wildner und Horst Königs. „Die Opas von der Muppet Show“, wie die Wiegands die beiden Treysaer liebevoll nennen. „Ich komme seit über 30 Jahren her“, sagt Königs. „Hier bekomme ich meine täglichen Nachrichten.“ Wildner ergänzt: „Ich schätze am Büdchen einfach die gesamte Atmosphäre.“

Ein buntes Publikum

Diese lebt von der Unterschiedlichkeit der Ankömmlinge: Familien mit Kindern, Rentner, Schüler, Hephata-Patienten, Anzugträger, Arbeiter im Blaumann und sogar Restaurant-Besitzer. Die Frage nach der Altersstruktur dieser bunt zusammengewürfelten Klientel beantwortet Wiegand mit der Schlagfertigkeit, die es für seine Arbeit braucht: „Wir haben schon viele Generationen hier satt gemacht.“

Und zwar hauptsächlich mit Currywurst. Das ist ganz klar das Kerngeschäft der Bude. Wiegand schätzt, dass etwa 80 Prozent des Umsatzes darauf zurückzuführen sind. Der 56-Jährige brät die Würste, die er bei einem Metzger aus der Region kauft, zunächst auf dem Lavastein-Grill. „Der Grillrost verzeiht keine Fehler“, sagt er, während er mit der Grillzange die Würste geschickt wendet. Dann zerkleinert er die 130 Gramm schwere Wurst mit einem Schneider, stäubt seine hauseigene Curry-Mischung darüber, es folgt – untypischerweise – eine Bratensoße, darüber kommt Ketchup.

Currywurst mit Mayonnaise

„Das Rezept für die Bratensoße habe ich noch von meinem Opa. Es ist seit 40 Jahren gleich“, sagt Wiegand – das ist die inoffizielle Version. Die offizielle lautet: „Ich habe bei mir im Keller einen Druiden, der die Soße in einem Kessel braut.“

Wiegands Humor kommt an, die Kunden lachen. Doch punkten kann der Buden-Betreiber vor allem mit seinem Essen. Die Fritten werden an diesem Mittag von allen Essern besonders gelobt. Dabei handelt es sich um ein niederländisches Produkt: „Dieses Patent ist ein Pulver, das mit Wasser vermengt wird.“ Die zähe Masse presst Wiegand durch eine Vorrichtung, fertig sind die Pommes, welche dann im 180 Grad heißen Fett baden. Wiegand isst freilich auch selbst, was er bei sich über den Tresen reicht. „Ich gönne mir jeden Morgen um 10.15 Uhr eine Currywurst. Da freue ich mich den ganzen Morgen drauf“, verrät Wiegands vielleicht bester Kunde: Wiegand selbst. Er hat mit seiner Frau auch eine Spezialität kreiert: Die Wasenberger Currywurst. Dabei handelt es sich um eine herkömmliche Curry-Variante mit, Achtung, Mayonnaise. „Schmeckt super“, verspricht die Chefin.

Therapieren am Tresen

Der Job der Wiegands geht über den bloßen Essensverkauf hinaus. Die Arbeit an der Bude hat auch viel Therapeutisches. „Oft geht es ums Zuhören“, sagt der Wirt, der immer ein offenes Ohr für seine Kunden hat. Ganz und gar nicht mag er an seiner Arbeit den Winter: „Bei Eiseskälte in der Bude stehen, da könnte ich gerne drauf verzichten.“

Von Matthias Hoffmann

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare