Mit Karlo Seck geht ein Sportlehrer-Original in Rente, der bekannt ist wie kein zweiter

Immer locker und gut drauf

Setzt sich zur Ruhe und bleibt doch zweifellos aktiv: Morgen ist der letzte Arbeitstag des Steinataler Diplom-Sportlehrers Karlo Seck . Foto: Quehl

Riebelsdorf/Steinatal. Wer hat 25 Trainingsanzüge im Schrank und ist immer zu einem „locker Läufsche“ aufgelegt? Generationen von Melanchthon-Schülern würden diese Frage im Schlaf richtig beantworten: Das kann nur Karlo Seck sein. Der schlacksige, scheinbar alterslose Sportler mit dem breiten Grinsen und dem unnachahmlichen Dialekt schickt sich tatsächlich schon an, Rentner zu werden. 60 Jahre alt ist er, am Freitag führt ihn sein nur 2,6 Kilomter langer Weg zur Arbeit vom behaglichen Holzhaus in Riebelsdorf zum letzten Mal dienstlich ins Steinatal.

Wenn es einen Olymp der Lehrer gibt, ist Karlo Seck dort innerhalb von 34 Jahren Melanchthon-Schule zu einer Ausnahmefigur aufgestiegen. Oder hinauf gesprintet. Sport ist schon immer der eine Pol seines Lebens, der andere seine Familie mit Ehefrau Regina und den drei Söhnen, die, was Wunder, wiederum Sportskanonen sind. Und dazwischen die Schule, die Schüler zuvorderst. „Bei mir macht keiner zu, ich finde zu jedem Zugang“, erklärt Seck, wenn man ihn nach seinem unverwechselbaren pädagogischen Stil fragt. Praktika in der Unizeit mussten damals ausreichen, „in der Schule bin ich dann ins kalte Wasser gesprungen, aber nach eineinhalb Jahren wusste ich, wie der Hase läuft.“ Das Interesse an jedem einzelnen Jugendlichen stecke dahinter. Seck kennt alle ihre Namen – und oft auch schon die ihrer Eltern.

Gegen den Strich

Ins Gespräch zu kommen, fiel Seck nie sehr schwer, „ich bin ja nicht gerade kontaktscheu“, sagt er und zeigt wieder sein breites, herzliches Lachen.

Dabei war nicht immer alles einfach. Nicht mit allen Eltern, nicht mit allen Vorgesetzten. Karlo Seck machte sich auf der Langstrecke des Lehrerdaseins auch einen Namen als einer, der gegen den Strich bürstet, wenn er es für richtig hielt. In manchem „Kampf gegen Windmühlen“, wie er selbst sagt, bewies er Zähigkeit. Es störte ihn, wenn er an höherer Stelle nicht genug Überblick wahrnahm. „Man muss schon Nerven haben.“ Die hielten bei Karlo Seck, über Jahre auch Sportfachleiter – ob beim Sportunfall im Unterricht, ob auf etlichen Studien- oder Klassenfahrten. Bis zu 250 Kinder und Jugendliche unterrichtete er pro Woche, viele Trainingsgruppen kamen hinzu.

Die Entscheidung, auf den letzten Zug zum Altersteilzeitler zu springen, fiel bereits vor mehreren Jahren, erzählt Seck, der moderate Aufstiegsmöglichkeiten irgendwann ein wenig vermisste. Und er spürte deutlich, dass der Umgang mit den heutigen Schülergenerationen nicht unkomplizierter wird. Sie forderten häufig mehr Aufmerksamkeit, seien unruhiger, hat er beobachtet.

Dem werden nun andere die Stirn zu bieten haben, für Seck beginnt am 1. Dezember die Freistellungsphase.

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Von Anne Quehl

Quelle: HNA

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