Kommunen bauen Krippen und setzen auf Tagesmütter

Immer mehr Plätze für Kleinkinder-Betreuung

Schwalm-Eder. 760 Kinder unter drei Jahren können in Krippen und Kindertagesstätten des Schwalm-Eder-Kreises betreut werden. Um weitere 214 Kleinkinder kümmern sich die knapp 170 Tagesmütter.

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Doch bis die vom Gesetzgeber empfohlenen 35 Prozent an Plätzen für diese Altersgruppe kreisweit erreicht sind, müssen Städte und Gemeinden weiter investieren.

Bei 24 Prozent liegt die Quote derzeit im Landkreis und damit um vier Prozent höher als der Durchschnitt auf Landesebene. Zwar sind unter den 27 Städten und Gemeinden im Schwalm-Eder-Kreis einige wenige, die noch erheblichen Nachholbedarf haben, doch überschreiten andere dafür die Marke deutlich.

Allen voran sind dies Malsfeld, Bad Zwesten, Neuental, Melsungen und Felsberg, die ab dem nächsten Jahr auf über oder knapp unter 40 Prozent kommen. Ein Ausreißer nach oben ist Schwarzenborn mit einer Abdeckung von 50 Prozent. Allerdings gab es dort zum Jahresende 2009 nur 18 Kinder in dieser Altersgruppe, teilt die Kreisverwaltung mit.

Generell benötigen Kommunen mit vielen Arbeitsplätzen und solche, die in der Nähe großer Firmen liegen, mehr Plätze als rein ländliche Regionen. Den Bedarf an Plätzen ermitteln Rathäuser und Kreisverwaltung gemeinsam. Denn: Über den Kreis werden die Bundeszuschüsse für neue Krippenplätze verteilt. In diesem Jahr standen dafür über 2 Millionen Euro zur Verfügung. Horst Abel, stellvertretender Leiter des Fachbereichs Jugend und Familie: „Das Geld hat für alle 185 angemeldeten Plätze in Tageseinrichtungen und für sechs in der Kindertagespflege gereicht.“

Abel rechnet für 2011 mit einem ähnlich hohen Betrag für die geplanten 215 Plätze in Krippen und 17 in altersübergreifenden Gruppen. Damit steigt die Gesamtzahl der Plätze auf 1207 und die Quote auf 30 Prozent.

Ein Job für starke Nerven

Monika Sinning arbeitet als Tagesmutter und betreut zurzeit zwei Kleinkinder

Von Pamela De Filippo

Schwalm-Eder. Im Wohnzimmer von Familie Sinning herrscht Trubel. Die zweijährige Johanna sucht weinend nach ihrem Teddy, Lukas versucht sich an einem Puzzle, und Hanna blättert in einem Bilderbuch. Für Monika Sinning gehört das alles zum Alltag. Seit 2005 arbeitet die 43-Jährige aus Knüllwald-Berndshausen als Tagesmutter.

Ihre Hauptaufgaben: spielen, trösten und kuscheln. „Ich habe nach einer Beschäftigung gesucht, die ich gut mit meiner Familie vereinbaren kann“, sagt Monika Sinning. Der Job als Tagesmutter sei dafür ideal. Denn während sie sich um die Kinder anderer Menschen kümmert, hat sie immer noch genügend Zeit für den Haushalt und ihren eigenen Nachwuchs. Zwei Kinder betreut Sinning zurzeit - zusätzlich zu ihrem eigenen Sohn Lukas. Denn der ist selbst erst knapp drei Jahre alt.

Mit den Tageskindern versteht er sich prima. „Er ist sogar traurig, wenn die beiden Mädchen mal nicht da sind“, sagt Monika Sinning. Und auch Lukas’ Geschwister - elf und 13 Jahre alt - haben sich mit dem Beruf ihrer Mutter arrangiert. Sie spielen mit den Jüngeren und packen auch mal an, wenn Hilfe nötig ist. „Mir macht meine Arbeit Spaß“, sagt Monika Sinning. Doch eine Tagesmutter zu sein bedeutet auch eine große Verantwortung. Bevor sie ein Kind in ihre Obhut nimmet, legt die dreifache Mutter daher Wert auf eine Eingewöhnungsphase, in der die Eltern gemeinsam mit ihren Kindern zu Besuch kommen.

„Mir ist es wichtig, erst einmal beide Elternteile kennen zu lernen.“ Bei Johanna und Hanna hat diese Kennenlernphase gut funktioniert. Seit über einem Jahr gehören die beiden Zweijährigen zur Familie, wie Monika Sinning erklärt. Wenn die Eltern arbeiten müssen, werden die Mädchen von ihrer Tagesmutter liebevoll umsorgt. Die Betreuungszeiten sind flexibel. Die Kinder essen gemeinsam, spielen, tollen im Garten herum. Alles unter Aufsicht, versteht sich. Und auch für Mittagsschlaf ist gesorgt.

Bei Familie Sinning stehen Kinderbettchen bereit. Mehrmals im Jahr besucht die 43-Jährige Fortbildungen, die der Tageselternverein Felsberg und Schwalm-Eder in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule und dem Jugendamt anbietet. „Diese Veranstaltungen sind Pflicht, sie bringen mir aber auch viel“, sagt Sinning. Dort habe sie zum Beispiel gelernt, die Welt mit Kinderaugen zu sehen. Und das macht vieles in ihrem Beruf einfacher.

Quelle: HNA

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