VR-Bank Chattengau: Reinhold Scherp zieht positive Bilanz nach über 40 Jahren

Immer den Menschen im Blick

Der Erste unter Gleichen: So verstand sich Reinhold Scherp, Vorstand der VR-Bank Chattengau. Auf dem Geschäftsbericht 2012 sind alle Mitarbeiter abgebildet. Foto: ula

Gudensberg. Er weiß schon lange, dass er in diesen Tagen die letzten Gespräche als Vorstand der VR-Bank Chattengau führen wird. Reinhold Scherp, seit 41 Jahren für die Genossenschaftsbank tätig, hat vor über drei Jahren den Altersteilzeit-Vertrag unterschrieben. Heute, kurz nach seinem 59. Geburtstag, wird er bei der Generalversammlung im Bürgerhaus vor versammelter Mannschaft in die Passiv-Phase verabschiedet.

Wie manch anderem Vorruheständler schlagen zwei Herzen in seiner Brust: Er freut sich auf die Zeit, wenn er endlich mal mehr Zeit hat für spontane Entschlüsse, sein Hobby Singen, Ausflüge, Familie, Gartenarbeit; aber er wird die Kontakte zu Kunden und Mitarbeitern vermissen. Denn die waren ihm während seines Berufslebens am wichtigsten.

Kein cooler Banker

Als coolen Banker, dem es vor allem um die Rendite geht, hat sich Scherp nie verstanden. Der Arbeit am Kundenschalter, in der Kreditberatung galt sein besonderes Interesse – als Azubi vor 40 Jahren ebenso wie auch als Vorstand, der er seit 1997 ist.

Denn: „Wir sind als regionale Genossenschaftsbank den Mitgliedern und Kunden verpflichtet“, sagt Scherp. Der Chattengau, in dessen Mitte die Bank liegt, habe sich prächtig entwickelt, die VR-Bank sei stetig mit gewachsen und habe sich erfolgreich um Häuslebauer, Firmengründer und die Privatkunden gekümmert.

„Wir haben uns weitgehend auf dieses Kerngeschäft beschränkt und sind gut damit gefahren“, sagt der scheidende Vorstand. Da man mit vielen Kunden eine persönliche Beziehung habe, keine griechischen Anleihen empfohlen und keine überhöhten Zinsen versprochen oder verlangt habe, gebe es einen festen Kundenstamm.

„Die Menschen bleiben bei uns, wenn wir uns um sie kümmern“, ist er überzeugt. Konkurrenz von Direkt- und Internetbanken habe man vielleicht vor der Finanzkrise 2008 gespürt; seitdem seien die Menschen vorsichtiger geworden und schätzten direkte Ansprechpartner vor Ort. „Wir haben noch keinen Prozess geführt wegen falscher Kundenberatung“, sagt der scheidende Vorstand.

Problem Niedrigzinsen

Problematisch bewertet Scherp die lange Niedrigzinsphase: das könne für alle Banken gefährlich werden, man könne kaum noch genügend Erlös erzielen, um die Kosten zu decken. Nach über 40 Jahren schaut der 59-Jährige zufrieden zurück und ist optimistisch. Die Bank sei stabil und bestens mit Eigenkapital ausgestattet, große Kreditrisiken gebe es nicht.

Eine Mitarbeiterbefragung habe ergeben, dass die Zufriedenheit groß sei. „Menschen, die gerne zur Arbeit kommen, leisten auch mehr“, ist Scherp überzeugt. Die demokratische Führung der Bank zusammen mit Thomas Völker werde sein Nachfolger Kai Mardorf sicher weiterführen.

Von Ulrike Lange-Michael

Quelle: HNA

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