"Kaum Kritiker in ländlichen Gegenden"

Impfquote bei Kindergärten im Wolfhager Land ist hoch

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Für manche mehr als nur eine kleine Spritze: Der Bundestag hat ein neues Gesetz beschlossen, das sich an Impfkritiker wendet. Davon gibt es rund um Wolfhagen aber ohnehin nur sehr wenige.

Wolfhager Land. Eltern im Altkreis Wolfhagen können beruhigt sein: In den heimischen Kindergärten gibt es kaum Kinder, die nicht geimpft sind.

Nachdem in diesem Jahr in Deutschland wieder vermehrt Masernfälle aufgetreten sind, hat der Bundestag ein neues Gesetz auf den Weg gebracht, das die Impfquote weiter erhöhen soll. Laut Auskunft der hiesigen Kitas und der Stadt Wolfhagen hat man mit diesem Thema aber ohnehin keine Probleme.

„Die Quote liegt bei den Wolfhager Kindergärten fast bei 100 Prozent“, sagt Kai Liebig, der als Hauptamtsleiter mit der Thematik vertraut ist. Bei den Anmeldebögen für die städtischen Kindergärten in Wolfhagen müssen die Eltern angeben, ob ihr Kind geimpft ist oder nicht. In den ganz wenigen Fällen, in denen ein Kind nicht geimpft sei, habe das aber keine Konsequenzen für die Aufnahme. Liebig: „Wir nehmen darauf auch keinen Einfluss. In der Regel ist das ja eine bewusste Entscheidung der Eltern.“ 

Aus Sicht der Stadt sei eine hohe Impfquote wünschenswert, weil sich gerade unter Kindern Krankheiten schnell verbreiteten. Bei einer Impfung müssten Eltern aber die Risiken abwägen. „Und die sollte man auch nicht kleinreden.“

Noch weniger als Kai Liebig hat Kerstin Herdemerten mit Impfgegnern zu tun. Sie leitet die evangelische Kindertagesstätte Arche Noah in Oberlistingen. „In letzter Zeit gab es gar keine Kinder, die nicht geimpft waren.“

Eltern interessieren sich teils mehr für Kita-Umbauten, als die Impfungen der Kinder

Ebenso ist es in der katholischen Kita St. Vinzenz in Naumburg. „Ich bin schon 36 Jahre hier und kann mich an keine Diskussionen mit Impfkritikern erinnern“, sagt Leiterin Rowitha Möller. Wenn es mal Kinder gebe, die bei der Aufnahme noch nicht geimpft seien, würde sie mit den Eltern sprechen. „Dann sage ich, dass sie sich um die Impfung mal kümmern sollten. Und das machen die Eltern dann auch immer.“

Eine nennenswerte Zahl von nicht geimpften Kindern gibt es nur in den drei Kindertagesstätten in Bad Emstal. Die werden vom DRK betrieben, das in Bad Wildungen, Edertal und Bad Emstal insgesamt 500 Kinder in acht Kitas betreut. „Ungefähr 30 davon sind nicht geimpft“, schätzt Luisa Stiehl vom DRK. Probleme mit Krankheiten gebe es deswegen aber nicht.

Verständnis für die Sorgen der Eltern, die den Spritzen für ihren Nachwuchs mit Skepsis begegnen, hat Alexandra Johnson, Leiterin des Kindergartens Zierenberg. „Das ist ein großer Eingriff. Natürlich wird durch Impfungen der Ausbruch von Seuchen verhindert, aber ob sie für die Kinder das Nonplusultra sind, weiß ich nicht.“ Auch im Kindergarten Zierenberg müssen sich die Eltern aber keine Sorgen machen: Bei der Anmeldung muss der Impfstatus vorgelegt werden – und ungeimpfte Kinder sind fast nie darunter.

Beim Kindergarten Kunterbunt in Ehlen interessieren sich die Eltern laut Leiter Andreas Deutsch weitaus mehr für den laufenden Umbau des Gebäudes (HNA berichtete) als für den Impfstatus andere Kinder.

Hintergrund: Der Bundesrat hat noch nicht zugestimmt

Der Bundestag hat am 1. Juni ein neues Gesetz auf den Weg gebracht, nach dem Kitas künftig dem Gesundheitsamt melden müssen, wenn sich Eltern einer Impfberatung verweigern. Gesundheitsminister Gröhe begründet das Gesetz mit tödlichen Masern-Fällen. Eine Impfpflicht, wie sie von der FDP gefordert wird, lehnen die übrigen Parteien mehrheitlich klar ab. Das sei ein erheblicher Eingriff in das im Grundgesetz verankerte Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit, sagt zum Beispiel Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU). 

Eine Impfberatung ist schon seit dem Jahr 2015 verpflichtend. Wer nicht hingeht, riskiert eine Geldbuße von bis zu 2500 Euro. Diese Buße könnte häufiger verhängt werden, wenn die Verweigerung der Beratung gemeldet werden muss. Die Meldepflicht soll aber vornehmlich dazu führen, dass das Gesundheitsamt in Kontakt mit den betreffenden Eltern treten kann. Das neue Gesetz muss noch vom Bundesrat bestätigt werden – von dort wurde bereits Kritik laut.

Dr. Müller: "In meiner Amtszeit keine Schäden"

Im Zuständigkeitsbereich des Gesundheitsamtes Region Kassel gibt es bezüglich der Impfbereitschaft der Eltern ein deutliches Gefälle zwischen der Stadt Kassel und dem Landkreis Kassel. Das berichtet Leiterin Dr. Karin Müller. „In der Stadt gibt es viel mehr Kritiker.“ In Kirchditmold, Bad Wilhelmshöhe und Brasselberg hatte die Quote bei der Schuleingangsuntersuchung im Jahr 2015 bei unter 80 Prozent gelegen – dagegen waren es in den Städten Wolfhagen 92 Prozent und Zierenberg sogar 100 Prozent. 

Einen Ausreißer nach unten hatte es lediglich in der Gemeinde Habichtswald gegeben, wo bei der Untersuchung nur 84 Prozent der Kinder gegen Masern, Mumps und Röteln geimpft waren. Die Hepatitis B-Quote hatte aber auch hier bei über 90 Prozent gelegen. Ab 95 Prozent gilt ein Ausbruch der Krankheit als ausgeschlossen. Karin Müller betont, dass Eltern bei der Impfung ihrer Kinder ein Selbstbestimmungsrecht haben, sagt aber auch: „Manche Kinder können aus verschiedenen Gründen gar nicht geimpft werden. Die sind nur geschützt, solange die Quote bei den anderen Kindern hoch genug ist.“ 

Impfungen seien mittlerweile sehr sicher, die Hürden für die Zulassung von Medikamenten bei Kindern seien hoch. Unmittelbar nach der Spritze könne zwar zum Beispiel ein Fieber auftreten, „echte Schäden wurden in meiner Zeit beim Gesundheitsamt aber nicht gemeldet.“

Quelle: HNA

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