Drei Ärzte irrten sich gewaltig

Der in Altenstädt lebende August Schulten wird 102 Jahre alt

Steht noch mit beiden Beinen im Leben: Der in Altenstädt lebende August Schulten feiert am 31. Dezember seinen 102. Geburtstag.
+
Steht noch mit beiden Beinen im Leben: Der in Altenstädt lebende August Schulten feiert am 31. Dezember seinen 102. Geburtstag.

"Er ist zwar übern Berg, doch älter als 20 Jahre wird der Junge nicht.“ Diese niederschmetternde Diagnose hatte der Vater für seinen Sohn August Schulten von einem Bergwerksarzt bekommen.

Der Vater hatte den Mediziner aufgesucht, nachdem der Hausarzt keine Heilung mehr für den Jungen gesehen hatte. 20 Reichsmark und damit einen ganzen Wochenlohn hatte sich das Urteil des Bergwerkarztes kosten lassen.

August Schulten litt an einer Krankheit, mit der er nicht lange sitzen konnte, deshalb auch Schwierigkeiten in der Schule hatte. Hinzu kam noch eine schwere Lungenentzündung. Die beiden Ärzte irrten sich gewaltig. Und auch ein weiterer Mediziner, der dem elfjährigen Schulten einen Unterschenkel amputieren wollte, lag mit seinem Urteil falsch. Denn der heute in Altenstädt lebende August Schulten, der am 31. Dezember 1917 geboren wurde, feiert heute seinen 102. Geburtstag. „Ich bin eben ein richtiger Silvesterknaller, stehe auch heute noch mit beiden Beinen im Leben“, sagt Schulten mit einem Schmunzeln.

Nach dem Schulbesuch fand der Jubilar in einer Glasfabrik Arbeit, wechselte dann als „Hemmschuhleger“ (Rangierer) in den Bahnbetrieb von Thyssen, stieg hier zum Schichtführer und Meister auf. 1938 musste August Schulten zum Reichsarbeitsdienst, wurde kurz danach für vier Jahre als Fliegerabwehrhelfer nach Berlin und in der gleichen Tätigkeit 1944 nach Warschau versetzt und erlebte so die Grauen und Schrecken des Zweiten Weltkrieges mit.

Zurück in der Heimat lernte August Schulten im Februar 1947 Lisa Döring aus Altenstädt kennen, als diese Bekannte in Mühlheim (Ruhr) besuchte. Als alle zum Karneval nach Düsseldorf fuhren, tanzten dort die Funken, und auch zwischen August und Lisa funkte es gewaltig. Bereits wenige Wochen später zur Osterzeit besuchte August Schulten seine große Liebe Lisa und deren Familie in Altenstädt. Im gleichen Jahr machten sich die beiden das schönste Weihnachtsgeschenk und wurden am 22. Dezember 1947 im Standesamt in Balhorn ein Ehepaar. Einige Tage später, am 28. Dezember, erhielten sie in der Altenstädter evangelischen Kirche den kirchlichen Segen für ihren gemeinsamen Lebensweg. Das Familienglück machten die beiden Söhne Ingo und Emmo komplett.

August Schulten (vorne, Zweiter von links) im Kreis seiner Familie.

Mit Erreichen des 60. Lebensjahres am 31. Dezember 1977 konnte August Schulten in Rente gehen. Und das Paar zog nach Altenstädt. Zuvor hatte Schulten 50 Jahre in Oberhausen und zehn Jahre in Mühlheim gelebt. Der 60-Jährige hatte in Altenstädt ein völlig heruntergekommenes Haus gekauft und nach der Renovierung aus ihm ein Schmuckstück gemacht. Nach dem Tod seiner Ehefrau vor 20 Jahren lebt er dort nicht nur bis heute allein, sondern versorgt sich rundum selbst. Er nimmt regen Anteil am Dorf- und Weltgeschehen und ist mit seinen 102 Jahren geistig und körperlich fit.

Seit einigen Jahren schauen zwei Mal in der Woche Mitarbeiter eines Pflegedienstes vorbei. Seit wenigen Tagen trägt er am Handgelenk einen Senioren-Notrufsender. „Denn bis zu meinem 100. war bei mir alles im grünen Bereich, da hatte ich pure Lebensfreude. Jetzt wird mir ab und zu, vor allem beim Aufstehen, schon etwas schwindelig. Man ist eben doch etwas älter geworden.“ Das Weihnachtsfest, einen Geburtstag und den Jahreswechsel feiert der Jubilar bei der Familie eines Sohnes mit den zwei Enkelkindern in seiner Ex-Heimat Mühlheim.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare