Gefährlicher Heimweg

Busfahrer ließen Schwälmer Schüler im Sturm aussteigen 

Schwalmstadt. Orkan "Friederike" sorgt nach einer Woche immer noch für Aufregung. Jetzt wurde bekannt, dass am Sturmtag eine Gruppe von Schülern auf der Straße durch den Wald Richtung Frankenhain lief.

Das war gegen 13 Uhr, als die Gewalt der Böen in unserer Region am größten war. Zwei Busse konnten auf der Nebenstrecke wegen Windbruchs nicht weiterfahren, die Fahrer hatten die Schüler auf deren Wunsch aus dem Bus gelassen.

Mike Fischer hat den Stein ins Rollen gebracht, andernfalls hätten die Behörden wohl nie etwas von der Angelenheit erfahren. Es regt Fischer maßlos auf, dass die zehnjährige Tochter seiner Partnerin den hoch riskanten Marsch machte. "Das war unverantwortlich von dem Fahrer und lebensgefährlich für das Mädchen", sagte er unserer Zeitung. Er will, dass dergleichen nie mehr vorkommt.

Alleine durch den Waldgürtel gelaufen

Mike Fischer hat nur ein Wort dafür: "Unverantwortlich." Mitten im Orkan "Friederike" lief die zehnjährige Tochter seiner Partnerin durch den Waldgürtel vor Frankenhain nach Hause – denn ihr Schulbus wurde von einem umgestürzten Baum gestoppt, ebenso ein weiterer mit älteren Schülern. Glücklicherweise gelangte die Grundschülerin etwa eine halbe Stunde später als gewohnt gegen 13.50 Uhr zu Hause an, körperlich unversehrt. Im Ort hatte noch eine Bekannte der Familie das Mädchen zufällig gesehen und in ihrem Pkw nach Hause gefahren. 

Die Zehnjährige, die in Treysa die Eckhard-Vonholdt-Schule besucht, war nicht allein der Gefahr an diesem Mittag ausgesetzt. Etwa zehn bis zwölf Schüler, so die Information unserer Zeitung, stapften im Sturm entlang der schmalen Landstraße. Dort sieht man immer noch, wie der Sturm hier oberhalb von Treysa wütete, ein stattlicher Nadelbaum liegt am linken Straßenrand, rechts mehrere andere, zum Beispiel kleinere Birken. Im Gespräch mit der HNA kommentierte der Busunternehmer selber, dass man demütig und dankbar sein müsse, dass keinem etwas passierte.

Gespräche stehen an

Landrat Winfried Becker hatte am Sturmtag gehandelt, den Nachmittagsunterricht abgesagt. Rückblickend räumt er ein, dass dies früher hätte geschehen sollen und dass die Heimfahrten zu einem früheren Zeitpunkt besser gewesen wären. Problematisch sei dabei die Betreuungsfrage, insbesondere von Grundschulkindern, deren Eltern arbeiten. Auf jeden Fall will Becker jetzt Gespräche mit dem Schulamt, den Schulleitungen und den Busunternehmen, denn: "Auf solche Szenarien müssen sich alle Verantwortlichen noch besser vorbereiten."

Mit dem Unternehmen soll es eine Nachbesprechung geben, es sei nicht erlaubt, jüngere Schüler auf freier Strecke aussteigen zu lassen. Doch die Verantwortlichen sehen auch das Dilemma der Fahrer: Die fürchteten den Vorwurf, die Schüler im Bus einzusperren. Für den Busunternehmer liegt die Verantwortung bei den Lehrern, diese hätten die Kinder nunmal an die Busfahrer übergeben und seien selbst nach Hause gefahren. 

Das sagt der Busunternehmer: 

Für den Busunternehmer liegt die Verantwortung bei den Lehrern, diese hätten die Kinder nunmal an die Busfahrer übergeben und seien selbst nach Hause gefahren. Nach seiner Meinung waren andere Schüler, vornehmlich die im eingekeilten Bus zwischen Niedergenzebach und Schönborn, in Lebensgefahr, die Frankenhainer nicht. Wieder andere Busunternehmen hätten den Betrieb einfach eingestellt. Die Fahrer könnten nichts tun, wenn die Kinder darauf bestehen auszusteigen, alles andere wäre Freiheitsberaubung. Einige der älteren Schüler hätten geäußert, dass sie nach Hause laufen wollten. Die Fahrer hätten sich beraten, zwei Kilometer rückwärts zu fahren ohne Einweiser – das wäre nicht zulässig gewesen. Allerdings wisse er, der Unternehmer, gar nicht, wo genau überhaupt der Baum die Weiterfahrt versperrte. Er selbst sei zum Zeitpunkt bei einer ähnlichen Situation im Mengsberger Wald gewesen, um einen Bus nach Gilserberg zu leiten, damit die Schüler dort abgeholt werden sollten. Ein Patentrezept gebe es für so eine Situation nicht.

Quelle: HNA

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