Es geht ohne Glyphosat

In Schwalmstadt sollen auf mehr öffentlichen Flächen Wildblumen blühen

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In Treysa und Ziegenhain gibt es bisher vier solcher Blühflächen wie diese in der Friedrich-Ebert-Straße in Treysa.

Schwalmstadt. Was kann die Kommune gegen das Artensterben tun? Schwalmstadt macht Nägel mit Köpfen und verzichtet auf allen öffentlichen Flächen auf Petizide (Unkrautvernichter).

Eine breite Mehrheit stimmte dem Vorschlagen der SPD-Fraktion zu, die CDU enthielt sich. Außerdem sollen mehr Blühflächen angelegt werden. Einstimmig fiel das Ergebnis zum Antrag der Grünen aus. Bislang gibt es erst vier kleine Flächen in Treysa und in Ziegenhain. Jetzt wird geprüft, ob einheimische Wildblumen nicht auf Kreisverkehren, an Straßenrändern und Banketten, an Ortseingängen und Ackerrändern sowie anderen ungenutzten öffentlichen Flächen wachsen können, um Insekten zu schützen. Langfristig sei dies überdies kostengünstiger, zeigte sich Ruth Engelbrecht (Grüne) überzeugt. 

Weiterhin sollen Landwirte über ein Landesprogramm zur besonders nachhaltigen Landbewirtschaftung informiert werden. Für die SPD führte Axel Wenzel ins Feld, dass 270 Arten von Wildbienen durch den Einsatz von Pestiziden bedroht seien. Der Bund Umwelt und Naturschutz dokumentiere eindrucksvoll, wie viele Städte schon auf Pestizide verzichten, etwa auch in den Nachbarkreisen Marburg-Biedenkopf und Werra-Meißner. 

Es gehe darum, die Stadt „attraktiver, gesünder und lebenswerter“ zu machen. Laut des Beschlusses sollen auf öffentlichen Flächen keine Chemikalien wie Glyphosat mehr eingesetzt werden. In der Übergangszeit muss dies zuerst in der Nähe von Kindergärten und Schulen umgesetzt werden. Auch private Dienstleiter werden auf öffentlichen Fläche zum Verzicht verpflichtet. Die CDU konnte sich nicht mit dem Vorschlag durchsetzen, dass das Thema im Ausschuss besser weiterbehandelt werden sollte. 

Hintergrund: Mehr Blüten und mehr Artenschutz

Für die Blühflächen sollten einheimische Saatmischungen bevorzugt werden, weil deren Pflegeaufwand gering ist und somit langfristig Pflegekosten eingespart werden können. Gedacht werden soll auch an die Schaffung von Nistmöglichkeiten durch die Belassung von Totholz und maßvolles Mähen. 

Über den künftigen Verzicht auf Pestizide sollen die Bürger informiert werden, um Beschwerden zuvorzukommen. Laut BUND ist Glyphosat das meistverkaufte Unkrautvernichtungsmittel der Welt, bekannt etwa unter dem Namen Roundup. Laut WHO ist es wahrscheinlich krebserregend, es trage zum Artensterben in der Agrarlandschaft bei.

Quelle: HNA

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