Inder übernehmen Gasthaus - Wirtin geht in Ruhestand

Wechsel im Gasthaus Zur Krone: (von links) Kulwinder Kaur Othi und Sukha Othi lösen die bisherige Pächterin Brigitte Opfermann-Müller ab. Achim Erbeck, Vorsitzender des Fördervereins des Gasthauses, ist froh, Nachfolger gefunden zu haben. Foto: Féaux de Lacroix

Körle. Fast zehn Jahre ist es her, dass ein Förderverein gegründet wurde, um das Körler Gasthaus Zur Krone zu bewahren. Jetzt stand für den Förderverein wieder eine Herausforderung an.

Ein neuer Pächter für das Gasthaus musste gefunden werden. Denn Brigitte Opfermann-Müller geht nach mehr als 13 Jahren als Krone-Wirtin in Rente. Ihren Platz nimmt zum Jahresbeginn 2015 das indische Ehepaar Kulwinder Kaur Othi und Sukha Othi ein.

„Es waren wunderschöne Jahre mit tollen Gästen, ich habe mich hier super wohl gefühlt.“

Opfermann-Müller geht, wie sie sagt, „mit einem lachenden und einem weinenden Auge.“ Viele Gäste brächten Abschiedsgeschenke vorbei. „Es waren wunderschöne Jahre mit tollen Gästen, ich habe mich hier super wohl gefühlt.“ Aber mit 65 Jahren wolle sie nun in den Ruhestand gehen. Was nicht heißt, dass man sie im Gasthaus Zur Krone nun nie mehr zu Gesicht bekommt: Sie wohnt schließlich in Körle. „Ich werde noch oft vorbeikommen - als Gast oder auch mal zum Helfen.“

Das Gasthaus Zur Krone ist Dorfkneipe, Restaurant und Vereinslokal in einem und richtet zudem Familienfeiern aus. All das muss unter einen Hut gebracht werden. „Der Wirt muss hier Teil der Gaststätte sein“, sagt Achim Erbeck, Vorsitzender des Fördervereins Gasthaus Zur Krone. „Es war für uns nicht einfach, jemanden zu finden, der das Gasthaus in diesem Sinne weiterführt.“ Drei ernsthafte Bewerber habe es für den Posten gegeben - der Förderverein entschied sich für die Othis.

Der 46-jährige Sukha Othi ist seit 20 Jahren in der Gastronomie tätig, zuletzt als Koch in einem Melsunger Restaurant. Jetzt freue er sich auf die neue Aufgabe, sagt er. Dass er nicht mehr nur Koch, sondern auch Pächter ist, macht ihm keine Sorgen. Unterstützen wird ihn seine Frau Kulwinder Othi (28), in der Küche wird er zusammen mit seinem Schwager stehen. „Das ist ein Familienbetrieb, wir helfen uns gegenseitig“, sagt Sukha Othi.

Auch wenn die neuen Pächter aus Indien stammen: Auf der Speisekarte werden weiterhin Gerichte wie Steak und Schmandschnitzel stehen. Das ist auch Achim Erbeck wichtig: „Der bisherige Charakter der Gaststätte soll erhalten bleiben“, sagt er.

In den vergangenen Wochen hat Sukha Othi in der Küche von Brigitte Opfermann-Müller mitgearbeitet - und dabei unter anderem die Geheimnisse des Gänsebratens kennengelernt. „Ich mag deutsches Essen“, sagt Othi und lacht. Ergänzt wird das Angebot aber durch indische Spezialitäten: Die erste Neuerung in der Küche ist die Anschaffung eines Tandoori-Ofens, in dem Fleisch auf indische Art zubereitet werden kann.

Achim Erbeck hofft, dass die Körler sich auch mit den neuen Pächtern so gut verstehen wie mit der bisherigen Wirtin. „Als Förderverein haben wir die Aufgabe, diese Immobilie mit Leben zu füllen“, sagt er. Zum Auftakt werden die Othis jedenfalls eine volle Bude haben: Sie richten die Silvesterfeier am 31. Dezember aus - und die ist mit 65 Gästen schon ausgebucht.

Hintergrund

Mehr als hundert Jahre lang, von 1864 bis 1967, war das Gasthaus Zur Krone in Körle im Besitz der Familie Metz. Diese verkaufte die Gastsstätte 1967 an die Gastwirte-Genossenschafts-Brauerei Malsfeld. Als die Brauerei 2005 Insolvenz anmeldete, war unklar, wie es mit dem Gasthaus weitergehen würde - denn auch der Pachtvertrag für die Wirtin lief aus, und ob auch der neue Besitzer des Gebäudes die Gaststätte erhalten würde, war ungewiss. Deshalb gründeten mehrere Körler einen Förderverein und sammelten Geld, um das Gasthaus zu kaufen. Der Förderverein ist seitdem Besitzer des Gebäudes und verpachtet es an einen Wirt, damit die Gaststätte erhalten bleiben kann. Und das mit Erfolg: In diesem Jahr hat das Gasthaus Zur Krone sein 150-jähriges Bestehen gefeiert.

Von Judith Féaux de Lacroix

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare