Inge Mathes ist neue Leiterin der Grundschule in Körle

Deutsch lernen mit Drago und Mimi: Inge Mathes nutzt die beiden Stofftiere, um Kindern mit Migrationshintergrund die deutsche Sprache näher zu bringen. Foto: Féaux de Lacroix

Körle. In einem Alter, in dem andere schon an den Ruhestand denken, stellt sich Inge Mathes noch mal einer ganz neuen Herausforderung: Die 61-Jährige ist die neue Leiterin der Grundschule in Körle.

  „Viele haben mich gefragt, warum ich das jetzt mit 61 Jahren noch mache“, erzählt Mathes. „Aber jetzt habe ich die Zeit, diese Verantwortung zu übernehmen: Meine Kinder sind alle aus dem Haus.“ Mathes lebt nun allein mit ihrem Mann in Melsungen und freut sich, wenn ihre vier Kinder und drei Enkelkinder zu Besuch kommen. „Familie war und ist für mich immer das Höchste“, sagt sie. Trotz der vier Kinder habe sie immer Vollzeit gearbeitet - „wenn ich zuhause keinen Halt gehabt hätte, wäre das nicht möglich gewesen.“

Hintergrund:

Genau genommen leitet Inge Mathes die Körler Grundschule schon seit einem Jahr - erst als Abwesenheitsbeauftragte, dann als kommissarische Schulleiterin. Denn bereits Ende Februar 2013 hatte der frühere Schulleiter Jörg Langheld die Grundschule verlassen.

Doch bis die Stelle neu ausgeschrieben war, dauerte es eine Weile. Jetzt aber steht fest, dass Mathes Schulleiterin in Körle wird. Ihr Vorgänger Jörg Langheld hatte die Schule eineinhalb Jahre geleitet, bevor er ans Staatliche Schulamt in Fritzlar wechselte.

Schon immer war für Inge Mathes klar, dass sie Lehrerin werden wollte. „Für mich ist das der schönste Beruf der Welt“, sagt sie. „Der Umgang mit den Schülern ist einfach toll.“ Es sei wunderbar, zu erleben, wie sich die Kinder entwickeln. Seit 30 Jahren unterrichtet die gebürtige Melsungerin an der Körler Grundschule Deutsch, Mathematik und Englisch. Zu vielen ehemaligen Schülern hält Mathes bis heute Kontakt: Sie möchte wissen, was aus den Kindern von damals geworden ist.

Als Schulleiterin hat sie nun weniger Zeit zum Unterrichten. „Das finde ich schon ein bisschen traurig“, räumt sie ein. „Aber als Schulleiterin kann ich nicht nur den Unterricht, sondern das ganze Schulleben gestalten.“

Wichtig sei ihr, dass sich sowohl Kinder als auch Lehrer in der Schule wohlfühlen - und dadurch auch bessere Leistungen bringen können. „Der Umgang miteinander liegt mir besonders am Herzen.“

Engen Kontakt pflegt Mathes auch mit der Kindertagesstätte Pfiffikus, die gleich nebenan liegt. „Wir treffen uns alle sechs Wochen“, sagt sie. Kita- und Schulkinder haben zum Beispiel zusammen den Kinder-Kunstpfad im Mülmischtal gestaltet. Für Mai ist außerdem ein gemeinsames Zirkusprojekt geplant. Um den Kita-Kindern den Übergang in die Grundschule zu erleichtern, gibt es für sie einen Schnuppertag.

Ein besonderes Angebot hat Mathes für Kinder mit Migrationshintergrund: Schon bevor sie eingeschult werden, gibt die 61-Jährige ihnen spielerisch Deutsch-Unterricht. Unterstützt wird sie dabei von zwei Stofftieren: dem Drachen Drago und der Katze Mimi. „Die meisten Kinder können ja Deutsch - aber was sie noch kennenlernen müssen, ist die Seele der Sprache.“ Dabei möchte sie ihnen helfen. „Ich lege ganz viel Wert darauf, dass alle Kinder dieselbe Chance haben, mitzukommen.“ Deshalb will sie auch eine Hausaufgabenhilfe an ihrer Schule einrichten. Dazu hofft sie auf die Unterstützung von Eltern.

Von Judith Féaux de Lacroix

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare