Zum Internationalen Tag der Handschrift

Umfrage bei Lehrern in Melsungen: Die Schreibschrift ist in Gefahr

Nur Übung macht den Meister: Schreibschrift, Grundschrift und Druckschrift: Nicht an allen Schulen wird dieselbe Schrift gelehrt. Im Bild übt eine Schülerin die Grundschrift. Foto: Kamisli

Melsungen. Im digitalen Zeitalter wird so viel geschrieben wie nie, aber immer weniger mit dem Stift. Stirbt die Handschrift aus? Zum Internationalen Tag der Handschrift an diesem Dienstag haben wir Lehrer gefragt.

„Unsere Schüler können nicht mehr schreiben, lesen und rechnen.“ Solche Klagen sind landauf, landab zu hören. Die Kultusministerkonferenz der 16 Bundesländer hat jüngst eine bundesweite Studie zum Lesen und Schreiben vorgestellt. Danach war der Schock mal wieder groß. Ist doch Deutschland, außer beim Lesen, in allen gemessenen Aspekten abgesackt.

Wir wollten das etwas genauer wissen und haben den Aspekt „Schreiben und Schreiben lernen“ in den Fokus einer kleinen Untersuchung gestellt. Mit Hilfe eines selbst entwickelten Fragebogens mit zehn Fragen zum Thema „Verlust der Handschrift“ sind Lehrer an fünf Grundschulen im Altkreis Melsungen anonym zum Schreib-Erwerb bei Grundschülern befragt worden. 13 Fragebögen kamen von den Lehrern zurück. Hier die Ergebnisse. Die meisten Kinder lernen zuerst die Druckschrift beziehungsweise die Grundschrift (siehe Bild). Manche Kinder lernen die Grundschrift bzw. die vereinfachte Ausgangsschrift auch als zweiten Schritt.

Ziemlich einhellig bestätigen die Grundschullehrer, dass die Kinder überfordert seien, wenn man ihnen gleich die Schreibschrift beibringen wolle. Allen fünf Schulen ist die wichtige Rolle der Handschrift bewusst. „Sie ist das Handwerkszeug, mit dem man kommunizieren kann. Deshalb ist es auch wichtig, dass sie leserlich ist“, sagt eine Lehrerin der Georg-August-Zinn-Grundschule in Morschen. Es ist auch nicht verwunderlich, dass alle befragten Lehrer auf saubere und ordentliche Lesbarkeit der Schrift beziehungsweise auf Schönschrift achten.

Die Lehrer bedauern, dass es zu wenig Zeit gebe, gezielt die Schönschrift zu üben. Geschlechtsspezifische Unterschiede beim Schreiberwerb haben die meisten der befragten Lehrer nicht festgestellt.

Der PC spielt im Unterricht der Grundschule noch eine untergeordnete Rolle. Er wird frühestens ab dem dritten Schuljahr mit dem individuellen Schreiben verknüpft.

Als Hauptursache für Schreib- und Schriftprobleme bei Grundschulkindern werden die seltener gewordenen Schreibanlässe und die motorischen Probleme vieler Kinder genannt. Die mangelnde Anstrengungsbereitschaft und die gleichgültige Einstellung vieler Eltern und dann natürlich auch der Kinder komme hinzu. Eine Prognose der Grundschullehrer ist es daher, dass es die Handschrift tatsächlich irgendwann in den Schulen nicht mehr geben wird. Finnland, regelmäßiger Pisa-Gewinner, hat bereits mit der Abschaffung der Schreibschrift in den Schulen begonnen. Ein Wunsch und ein Appell – nicht nur der Lehrer: Warum nicht regelmäßig einen Brief oder eine Postkarte schreiben. Vielleicht sogar eine Brieffreundschaft pflegen. 

Quelle: HNA

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