"Wir würden weitermachen"

Interview: Drei Belegärzte zur Schließung der Geburtshilfe

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(Von links): Dr. Julia Jungermann, Dr. Werner Prinz, Dr. Marion Reif-Kaiser. Foto: Norbert Müller

Wolfhagen. Am 31. Januar wird die Geburtshilfe in der Wolfhager Klinik geschlossen. Dies sei allein die Entscheidung der drei Belegärzte, betonte der Vorstandschef der Gesundheit Nordhessen GNH, Dr. Gerhard Sontheimer. Wir sprachen mit den drei Medizinern über die Hintergründe.

Frau Dr. Reif-Kaiser, Frau Dr. Jungermann, Herr Dr. Prinz, die Menschen in der Region sind geschockt von der Nachricht über die Schließung der Geburtshilfe. Plagt Sie Ihr Gewissen?  

Dr. Werner Prinz: Wenn man über 30 Jahre Geburtshilfe gemacht hat und weiß, dass die Geburtshilfe von der Bevölkerung sehr gut angenommen wurde, dann plagt einen schon das Gewissen.

Dr. Julia Jungermann: Ich mache Geburtshilfe total gerne und würde meine Patienten auch gern weiterhin entbinden. Mit Gewissen verbinde ich eben auch eine verantwortungsvolle und sichere Geburtshilfe. Aktuell ist es so, dass wir nicht mit gutem Gewissen sagen können, wir möchten unter diesen Bedingungen weiterarbeiten.

Seit mehr als 50 Jahren werden in der Kreisklinik Frauen aus dem Wolfhager Land entbunden. Warum wollen Sie diese Tradition nun beenden?

Dr. Prinz: Nicht wir wollen diese Tradition beenden. Mit Schreiben vom 19. November haben wir der Krankenhausleitung ein Ultimatum gestellt. Es geht dabei darum, dass wir eine Ausstattung haben möchten, um eine leitliniengerechte Geburt durchführen zu können.

Was sind Ihre Forderungen?

Dr. Prinz: Wir benötigen auf der Station rund um die Uhr eine Kinderkrankenschwester oder eine in der Säuglingspflege erfahrene Schwester. Das ist Pflicht. Dazu gehört auch ein Sectio-OP, damit innerhalb von zehn Minuten ab der Entscheidung „Notfall, Kaiserschnitt“ die Entbindung durchgeführt ist. In den beiden Operationssälen arbeiten inzwischen verstärkt Urologen, also sind sie öfter besetzt. Im Notfall könnten wir die vorgeschriebene Frist nicht einhalten. Und es wird demnächst Pflicht sein, dass in einem Belegkrankenhaus eine Hebamme innerhalb von fünf Minuten vor Ort ist.

Dr. Jungermann: Es gibt zwei weitere Punkte: Die geburtshilfliche Abteilung sollte räumlich getrennt sein vom Rest der Station, und wir benötigen eine festangestellte Leitende Hebamme für den Kreißsaal...

Dr. Reif-Kaiser: ...die sich verantwortlich fühlt und das Organisatorische übernimmt.

Offensichtlich ist von Ihren Forderungen bislang keine erfüllt worden.

Dr. Prinz: Man sieht schon daran, dass von vornherein gar nicht der Gedanke da war, uns entgegen zu kommen. Ich habe bereits im September Dr. Sontheimer auf die Missstände beim Personal hingewiesen.

Welche Probleme gibt es dort?

Dr. Jungermann: Nicht nur Kinderkrankenschwestern müssen in der Chirurgie aushelfen, umgekehrt müssen auch Chirurgieschwestern in der geburtshilflichen Abteilung arbeiten. Für mich war es das absolute Aha-Erlebnis, als wir sechs Säuglinge auf einen Schlag hatten, fünf davon unter 24 Stunden alt. Und wir hatten keine Kinderkrankenschwester. Es waren lediglich zwei chirurgische Schwestern auf der Station, die wirklich versucht haben, ihre Sache gut zu machen, aber halt völlig unerfahren sind. Und das ist ganz einfach gefährlich.

Dr. Prinz: Im Juli habe ich eine Patientin am Wochenende nach Kassel geschickt, weil hier keine Kinderkrankenschwestern waren.

Würden Sie unter den von Ihnen geforderten Voraussetzungen die Geburtshilfe in Wolfhagen weiter anbieten?

Dr. Reif-Kaiser: Ja, sehr gerne.

Dr. Prinz: Wenn unsere Forderungen erfüllt werden, machen wir hier weiter.

Dr. Jungermann: Ganz klar, ja.

Das vollständige Interview lesen Sie in der gedruckten Freitagsausgabe.

Von Antje Thon und Norbert Müller

Quelle: HNA

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