Psychologin Petra Hochschorner

Interview: So hält man gute Vorsätze weiter durch

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Ein Klassiker: Wohl kaum ein guter Vorsatz wird sich von Menschen so oft vorgenommen, wie mit dem Rauchen aufzuhören. Um vom Nikotin loszukommen, benötigen Betroffene einen eisernen Willen und am besten auch Hilfe.

Felsberg. Die guten Vorsätze für das neue Jahr sind bei einigen Menschen bereits wieder Geschichte. Das geht auch anders, verrät eine Psychologin aus Gensungen.

Andere halten sich noch tapfer daran, etwas zu verändern und wollen durchhalten. Die Diplom-Psychologin Petra Hochschorner aus Gensungen referiert zum Thema. Wir sprachen mit ihr über das Durchhalten und mögliche Misserfolge.

Frau Hochschorner, was fällt Ihnen bei ihren Gesprächen über das Thema gute Vorsätze grundsätzlich auf? 

Petra Hochschorner: Viele wollen zum Jahreswechsel etwas ändern. Mit dem neuen Jahr etwas Neues beginnen. Das ist die Motivation. Meist hört das aber auch schnell wieder auf und man verfällt in den alten Trott. Die Klassiker sind Gewichtsabnahme, mit dem Rauchen aufhören, aber auch mentale Themen wie mehr Gelassenheit im Alltag.

Das Motto der Vortrags hieß „Ich wollte acht Kilo abnehmen, jetzt sind es noch 14. Das klingt so, als sei der Misserfolg eingeplant? 

Hochschorner: In dem Titel soll eine Portion Humor anklingen, der bekanntlich vieles leichter macht. Es soll verdeutlichen, dass es zum Durchhalten oft ein Konzept braucht. Man muss sich konkrete Ziele setzen.

Wie geht das? 

Petra Hochschorner

Hochschorner: Also ein Vorsatz allein reicht nicht. Das ist oft zu unkonkret. Er kann etwa lauten, ich will gesünder leben. Man muss sich dann aber konkrete Ziele setzen. Etwa: Ich will Sport treiben. Und das sollte man ganz konkret ausgestalten. Etwa zu festen Zeiten ins Fitnessstudio gehen, oder sich vornehmen, an bestimmten Tagen zu laufen. Und die Ziele sollten nicht zu hoch gesteckt sein.

Konkrete und erreichbare Ziele sind daher wichtig? 

Hochschorner: Es macht keinen Sinn, sich vorzunehmen, jeden Tag fünf Kilometer zu laufen, wenn man sich bis dahin kaum bewegt hat. Besser ist es, sich realistische Ziele zu setzen, die man erreichen kann. Man muss ein Gefühl dafür bekommen, was möglich ist. Dann steigt die Wahrscheinlichkeit, dass man seine Ziele erreicht.

Was hilft dabei als Motivation? 

Hochschorner: Man sollte immer den Blick auf den Wunsch haben, der dahinter steckt. Beispielsweise, sich wohler zu fühlen in seinem Körper. Das ist die Motivation, die dahinter steckt und die auf dem Weg zum Ziel stark helfen kann. Es kann auch ein Leid die Ursache sein, etwa Krankheit.

Heutzutage gibt es Coaches für alles Mögliche, das kann sich aber nicht jeder leisten. 

Hochschorner: Unterstützung ist sicher auch wichtig. Etwa jemand, mit dem man sich fest verabreden kann, damit man Termine auch einhält. Eine gute Freundin kann dabei helfen. Mit der kann man sich dann verabreden, etwa zum Laufen. Und sie kann helfen, wenn man mal scheitert.

Scheitern gehört also auch zum Durchhalten dazu? 

Hochschorner: Natürlich, und der Umgang damit. Es gehört dann eine gute Portion Selbstliebe und Mitgefühl für sich selbst dazu, um weiter zu machen. Auf keinen Fall sollte man zu streng mit sich sein. Man sollte sich nicht verurteilen, wenn man sein Ziel nicht gleich erreicht. Voraussetzung für Veränderung ist, so paradox das klingt, auch die Selbstakzeptanz. Auch dabei kann die gute Freundin, der gute Freund helfen. Und man kann natürlich immer wieder neu anfangen.

Der 1. Januar ist also quasi jeder Tag? 

Hochschorner: Ja, so meine ich das. Man kann jeden Tag neu anfangen mit den Vorätzen. Im Grunde bin ich nicht für den Stichtag im Januar. Mir ist das zu starr. Das Thema bewegt einen ja auch das ganze Jahr über irgendwie. Und: Veränderung ist möglich und zwar immer.

Quelle: HNA

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