Leseraktion: Stellen Sie Fragen an den Rathaus-Chef

Interview: Körler Bürgermeister Mario Gerhold steht vor der vierten Amtszeit

Er tritt wieder an: Mario Gerhold will weitere sechs Jahre Bürgermeister von Körle bleiben. Am 24. September können die Körler entscheiden, ob er weiter im Chefsessel des Rathauses sitzen soll. Foto: C. Hartung

Körle. Gleichzeitig mit der Bundestagswahl findet am 24. September auch die Bürgermeisterwahl in Körle statt. Amtsinhaber Mario Gerhold (47) tritt als einziger Kandidat an. Wir sprachen mit dem Rathaus-Chef, der vor seiner vierten Amtszeit steht. 

Herr Gerhold, haben die Leute eigentlich Angst vor Ihnen oder wieso traut sich niemand, gegen Sie anzutreten?

Mario Gerhold:Das müssten Sie vielleicht mal die anderen fragen. Vielleicht sind die Leute ja einfach zufrieden mit mir.

Wäre ein bisschen Herausforderung durch einen Gegenkandidaten für Sie selbst nicht auch sinnvoll gewesen?

Gerhold: Natürlich kommt dann ein ganz anderer Drive rein, besonders, wenn der andere vielleicht ganz andere Vorstellungen hat als man selbst. Aus Sicht der Wähler wäre es sicherlich schöner, weil sie eine Auswahl hätten. Aber so können Sie sich ja auch entscheiden. Nicht zwischen mehreren Kandidaten, aber zwischen Ja und Nein.

Haben Sie Angst vor zu wenigen Ja-Stimmen?

Gerhold: Na ja, umso länger man im Amt ist, desto mehr Leute sammeln sich auch an, die man vielleicht mal nicht zufriedenstellen konnte. Die quittieren das dann entsprechend. Auf der anderen Seite sammelt man aber auch Leute, denen man helfen konnte. Schauen wir mal. Auf jeden Fall wäre es ein schlechtes Zeichen, was die Zufriedenheit der Bürger angeht, wenn man das Amt so lange ausübt und sich dann nur zwischen 50 und 60 Prozent bewegt.

Mit 29 Jahren sind Sie Bürgermeister geworden. Welche Anfängerfehler machen Sie heute nicht mehr?

Gerhold: Das nach 17 Jahren zu reflektieren, ist ziemlich schwierig. Nicht, weil ich vergesslich bin, sondern, weil ja mit der Zeit doch einiges verschwimmt. Verändert habe ich mich aber sicherlich, was aber auch mit meinem Werdegang vom Azubi zum Chef zu tun hat. Ich glaube, oder hoffe zumindest, dass ich heute mehr Autorität ausstrahle, als in den Anfangsjahren.

Sie wirken grundsätzlich sehr bedacht und anscheinend lassen Sie sich nicht leicht aus der Ruhe bringen. Wann werden Sie laut?

Gerhold: Ich bin niemand, der dazu neigt, sich besonders aufzuregen. Sicherlich gab es auch mal Situationen, in denen es lauter geworden ist, aber das ist äußerst selten. Herumzuschreien ist nicht meine Art. Ich versuche immer, mich in die Situation des anderen hineinzuversetzen, und frage mich, warum er sich über dieses oder jenes ärgert. Wenn ich das spiegele, weckt das bei mir Verständnis.

Gibt es nach drei Amtszeiten noch Situationen, in denen Sie gerne mal die Verantwortung abgeben würden?

Gerhold:Es gab bisher nie die Situation, dass ich gesagt habe: So jetzt tue ich mir selbst leid, dass ich jetzt dafür verantwortlich gemacht werde. Verantwortung zu tragen, ist eine Aufgabe des Bürgermeisters. Wir haben aber auch glücklicherweise in der letzten Zeit keine Schlagzeilen produziert, wo mal was richtig in die Hose gegangen ist.

Welche Schlagzeile über Körle wäre denn der GAU?

Gerhold: Am schlimmsten wäre ein Unglückfall, bei dem jemand durch das Verschulden der Gemeinde zu Schaden gekommen ist. Politisch gesehen wäre aber die schlimmste Zeile: „Gemeinde Körle wird Ortsteil von xy.“ Wir haben wirklich gute nachbarschaftliche Beziehungen, aber die Selbstständigkeit zu verlieren und irgendwann mal vereinnahmt zu werden, wäre wirklich eine Horrorvorstellung. Denn zum Schluss hat es sich immer bewährt, dass die Sachen, die die Körler betreffen, auch hier von den Einwohnern selbst entschieden werden können und wir nicht auf das Wohlwollen anderer angewiesen sind. Aber ich glaube, an das Thema Gebietsreform wagt sich von der Landesseite momentan keiner ran.

Weg von den Horrorvorstellungen hin zu den Wünschen. Eine gute Fee erfüllt Ihnen zwei, einen für die Gemeinde und einen für sich persönlich. Was wünschen Sie sich?

Gerhold:Ich könnte jetzt sagen, wir wollen dicke Gewerbesteuereinnahmen haben. Oder ich könnte mir das Ortszentrum genau so wünschen, wie ich es mir vorstelle, unabhängig von den Kosten. Aber am wichtigsten ist, dass sich die Leute in Körle wohlfühlen. Ja, den Wunsch würde ich loslassen. Denn die Zufriedenheit würde in viele Bereich ausstrahlen. Wenn die Leute zufrieden sind, kommt vieles von selbst.

Und was wünschen Sie sich für sich persönlich?

Gerhold:Da fällt mir als Erstes die Familie ein. Dass man gesund bleibt und von Unglück verschont. 90 Prozent des persönlichen Glücks bestehen daraus, gesund zu sein und zu bleiben. Das macht man sich nur zu selten bewusst. Sollte ein zweiter Wunsch drin sein, dann würde ich mir wünschen, dass ich mal mehr Zeit für Dinge habe, die zu kurz kommen. Zum Beispiel einfach mal eine Radtour machen ohne auf den Tag oder die Woche schauen zu müssen.

Wo würden Sie wohnen, wenn es Körle nicht gäbe?

Gerhold: In Südtirol.

Das sagt Gerhold zu:


Anstehende Projekte

 Das Ortszentrum gehört zu den größten Projekten. Finanziell die größere Baustelle ist der Feuerwehr-Neubau. Aber links und rechts davon sind auch noch Baustellen, die uns zwar finanziell nicht so fordern, aber wichtig sind. In Lobenhausen müssen wir die demografische Entwicklung im Blick haben.

Mediz. Versorgung 

Wir müssen gucken, wie sich die Situation mit der Apotheke entwickelt. Dr. Margraf ist über 60 Jahre alt. Da geht es nicht darum, als Gemeinde viel Geld in die Hand zu nehmen, aber zumindest die Suche zu gestalten.

Grundschule 

Man wird nachdenklich, wenn man hört, dass Grundschulen wegen geringer Schülerzahlen gezwungen sind, zu schließen. Davon sind wir weit entfernt. Man muss aber darauf achten, dass sich die Schule allgemeinen Entwicklungen anpasst, auch was die Ganztagsbetreuung angeht. Vergangenes Jahr hat der Förderverein die Trägerschaft der Hortgruppe übernommen. Ab diesem Sommer sind schon 35 Kinder in der Betreuung. Man muss gucken, dass sich so ein Angebot an einer Schule etabliert oder, dass man im Idealfall mit der Schule darüber nachdenkt, vielleicht mal Ganztagsschule zu werden. 

Körle in 15 Jahren

Wenn wir den Ist-Stand so halten können, wie sich Körle Ende des Jahres 2018 darstellt, wenn das Ortszentrum fertig ist, haben wir viel erreicht. Wichtig ist, eine gute Infrastruktur zu erhalten, dass es z.B. genug Einkaufsmöglichkeiten, Ärzte, Gaststätten und im Idealfall eine Bank gibt. Gut wäre, wenn wir im Ort weiter Wohnungen anbieten können, um die innerörtliche Verdichtung voranzutreiben.

Leseraktion: Haben Sie, liebe Leser, Fragen an Mario Gerhold? Hinterlassen Sie uns hier einen Kommentar oder schreiben Sie uns eine E-Mail an melsungen@hna.de. Wir leiten Ihre Frage an den Bürgermeister weiter (auch gerne anonym) und veröffentlichen alle Antworten in der HNA. 

Quelle: HNA

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