Interview mit Kulturzelt-Macher Frey: „Haben nochmal einen ganz großen Schritt gemacht“

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Wolfgang Frey Foto:  zhf

Wolfhagen. Kaum hat das 20. Kulturzelt-Festival auf den Teichwiesen begonnen, überrascht Veranstalter Wolfgang Frey mit der Nachricht, dass es das Kulturzelt in seiner bisherigen Form nicht mehr geben wird.

Der Verein, der seit 20 Jahren die Stars nach Wolfhagen holt, hat die 20. Auflage des kulturellen Aushängeschilds der Stadt zu seiner letzten erklärt. Ist das auch das Ende des Festivals? Wir haben mit Wolfgang Frey über die Entscheidung der Kulturzelt-Macher gesprochen.

Wird es 2015 wieder ein Kulturzelt geben? 

Wolfgang Frey: Unser Verein wird es nicht mehr machen, das ist beschlossene Sache. Wir haben der Stadt einen Vorschlag unterbreitet, wie es auch in Zukunft weitergehen könnte.

Wie sieht dieser Vorschlag aus? 

Frey: Dass die Stadt die Trägerschaft übernimmt und auch die Verantwortung für das Festival trägt. Natürlich gibt es eine ganze Reihe unserer Leute, die die Stadt gerne dabei unterstützen würden, mit dem Know-how, das sie sich in den 20 Jahren Kulturzelt erarbeitet haben.

Was hat Sie als Verein zu diesem Schritt bewogen? Haben die schlechten Ergebnisse vom Vorjahr damit zu tun, hat der Druck durch die mittlerweile enorme Größenordnung des Festivals überhand genommen? 

Frey: Das hat teilweise sicher dazu beigetragen. Man muss sehen, dass wir ein ganz kleiner Verein sind, unser Vorstand letztlich haftet. In der Größenordnung, die wir mittlerweile erreicht haben, geht das einfach nicht mehr. Hinzu kommt, dass viele des Kernteams längst nicht mehr in Wolfhagen leben, sich jedes Jahr zwei Wochen Urlaub nehmen müssen, um die Veranstaltung überhaupt möglich zu machen. Dass das auf lange Sicht nicht funktioniert, hätte eigentlich jedem klar sein müssen. Unser Team bröckelt, das kann man nicht anders sagen, die Kerngruppe wird immer kleiner, dadurch alles auch schwieriger. Auch die permanente, sehr unsachliche Kritik der BWB am Kulturzelt hat ihr Übriges zur Entscheidung beigetragen.

Wie hat die Stadt reagiert? 

Frey: Grundsätzlich positiv. Politische Gespräche sind schon geführt worden, in einer interfraktionellen Sitzung haben wohl auch alle ihre Bereitschaft bekundet, unter bestimmten Voraussetzungen das Festival mitzutragen, was grundsätzlich ein sehr positives Signal ist. In anderen Städten wie Baunatal werden vergleichbare Veranstaltungsreihen ja auch von der Stadt getragen.

Warum ausgerechnet jetzt? 

Frey: Irgendwann musste der Schnitt kommen, das 20. Festival hat sich da angeboten. Wir lassen es in diesem Jahr noch einmal richtig krachen mit Produktionen, die normalerweise in einer Stadt wie Wolfhagen nicht zu realisieren wären. 20 Jahre hat man uns in der Szene als verlässlichen Partner kennengelernt, das Kulturzelt hat sich bundesweit einen guten Ruf erarbeitet. Mit unserem letzten Festival als Verein haben wir nochmal einen ganz großen Schritt gemacht für die Musikgeschichte der Stadt Wolfhagen.

Quelle: HNA

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