Lesung in Homberger Stadtkirche

Interview mit Autor Andreas Venzke über Luther-Buch

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Liest in der Stadtkirche in Homberg: der Schriftsteller Andreas Venzke.  

Homberg. 500 Jahre Reformation: Auch für Andreas Venzke spielt Martin Luther eine große Rolle. Im Interview spricht er über sein neues Jugendbuch, aus dem er in Homberg liest.

Herr Venzke, in Ihren Büchern kommen oft große Persönlichkeiten aus der Geschichte vor. Warum?

Andreas Venzke: Als Student habe ich als Nachtportier gearbeitet und viel gelesen. Irgendwann hatte ich ein englisches Buch in der Hand, das noch nicht ins Deutsche übersetzt worden war. Ich bot daraufhin Verlagen meine Arbeit an und wurde so Übersetzer. Nach einiger Zeit durfte ich das Bordbuch von Christoph Kolumbus übersetzen. Kolumbus, später auch meine Recherchen zu Johannes Gutenberg, haben mich zum Nachdenken gebracht, wie einzelne Personen auf unglaubliche Weise die Weltgeschichte beeinflussen konnten. Daraus habe ich die Inspiration für viele meiner Büchern geschöpft.

Auch Martin Luther hat die Welt beeinflusst. War es schwer, sein Leben für Jugendliche verständlich zu machen?

Venzke: Ich musste mich ganz neu mit dem Thema Luther auseinander setzen. Da es ein Jugendbuch ist, wollte ich nicht zu stark in die theologische Tiefe gehen. Mir ging es darum, die Geschichte Luthers in sich rund und schlüssig zu erzählen. Es gibt mittlerweile umfangreiche Biografien, aber diese Werke stoßen sicherlich auch viele ab, die weniger über die theologische Seite und mehr über Luther den Menschen erfahren wollen. Interessanterweise lesen auch viele Erwachsene mein Buch.

Was können Jugendliche aus dem Leben Luthers für ihr eigenes mitnehmen?

Venzke: Luther zeigte, wie man seine Überzeugungen vertritt. Er hat sich, einfach ausgedrückt, hingestellt und gesagt: Das ist meins und ich stehe bedingungslos dazu. Das ist eine Haltung, die Jugendlichen in schwierigen Zeiten helfen kann, sich zu orientieren. Wenn man eine Idee hat, dann muss man sich nicht scheuen, sie zu vertreten.

Sind Sie gespannt, wie Ihre Zuhörer in Homberg auf das Buch reagieren werden?

Venzke: Ja, sehr. Luther, das bedeutet Konfrontation mit der römischen Kirche und mit dem Katholizismus. Luther schuf die Grundlage des Protestantismus. Seine Geschichte ist schwierig, und ich habe in meinem Buch eben auch herausgestellt, was es vor 500 Jahren bedeutete, sich gegen die Kirche aufzulehnen. Ich wollte nichts beschönigen: Auch für Kinder muss klar sein, dass sich aus seinen Lehren nicht nur Gutes, sondern auch Krieg entwickelte.

Wie werden Ihre Zuhörer Sie bei der Lesung erleben?

Venzke: Ich werde in der Rolle von Martin Luther lesen. Das war neu für mich und ich war am Anfang auch skeptisch, ob es mir gelingen würde. Bisher ist es aber gut angekommen. Es wird einen Rollenwechsel geben: Als Andreas Venzke werde ich Informationen über Luther geben. Und in der Rolle des Martin Luther werde ich bestimmte Szenen aus seinem Leben darstellen, das Kopfkino der Zuhörer anregen.

Können Sie sich mit Luther identifizieren?

Venzke: Wenn ich in die Mönchsrobe für die Lesung steige, merke ich, dass es mich verändert. In die Luther-Rolle kann ich gut schlüpfen. Aber mit der Person Luthers, seiner geistigen Haltung, kann ich mich nicht identifizieren. Er musste ein bestimmter, starker Charakter sein, um diesen Kampf gegen die Kirche führen zu können.

Andreas Venzke liest am Donnerstag, 16. Februar, 19 Uhr in der Homberger Stadtkirche aus „Martin Luther – Die Freiheit des Wortes und das Lauffeuer der Reformation“. Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten.

Quelle: HNA

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