Interview

Pfarrer Marek Prus über Ostern, das höchste Fest des Kirchenjahres

Im Gespräch: Pfarrer Marek Prus legt seinen Standpunkt zur Bedeutung des Osterfestes in der heutigen Zeit dar. Foto: Timo König

Wolfhagen/ Zierenberg. Am kommenden Wochenende feiern rund 2,3 Milliarden Christen die Auferstehung ihres menschgewordenen Gottes Jesus Christus. Wir haben uns gefragt, mit welchen Augen ein katholischer Pfarrer das Osterfest sieht, und ob er den biblischen Bericht für glaubwürdig hält.

Herr Prus, was ist für Ihren Glauben wichtiger: Ostern, also die Auferstehung, oder Karfreitag, also das Sterben Jesu?

Marek Prus: Diese Tage gehören zu dem so genannten Triduum Sacrum. Zu Deutsch: Die Drei Österlichen Tage vom Leiden, vom Tod und von der Auferstehung des Herrn. Das ist der Zeitraum von der abendlichen Messe des Gründonnerstags bis zur Vesper des Ostersonntags. Diese drei Tage gehören so eng zusammen, dass einer ohne den anderen nicht vorstellbar ist. Das ganze Triduum gilt als einziges Hochfest, das höchste Fest des Kirchenjahres.

Glauben Sie eigentlich wirklich, dass Jesus von den Toten auferstanden ist?

Prus: Auf diese Frage antworte ich mit den Worten des Apostel Paulus: „Ist aber Christus nicht auferweckt worden, dann ist unsere Verkündigung leer und euer Glaube sinnlos.“ Wäre die Auferstehung nicht geschehen, gäbe es den christlichen Glauben nicht. Für diesen Glauben sind viele Christen in den Märtyrertod gegangen. Meine Antwort: Ja, ich glaube fest an die Auferstehung Christi.

Was sagen Sie den Menschen, die das nicht glauben können?

Prus: Ich kann hier von meinen Glaubenserfahrungen berichten und versuchen, zu erklären, warum ich fest daran glaube. Persönlich bin ich dankbar für das Beispiel des „ungläubigen Thomas“. Er glaubte nicht, dass Jesus auferstanden und vielen erschienen ist. Erst als Jesus vor ihm stand und ihn ansprach, bezeugte auch Thomas: Mein Herr und mein Gott. Wenn ein Pfarrer nicht an Gott oder nicht die Auferstehung glaubt, ist das sehr traurig. Als Pfarrer ist er dann einfach nicht glaubwürdig in dem was er verkündet und tut.

Gibt es auch noch andere Interpretationsmöglichkeiten?

Prus: Es gab und es gibt auch heute Versuche, die Auferstehung Christi auf eine natürliche Art und Weise zu erklären. Für mich als überzeugten Christen sind diese Interpretationen irrelevant und ohne Bedeutung. Schon im Evangelium lesen wir, dass den Wächtern des Grabes Jesu Geld gegeben wurde, damit sie erzählten, dass die Jünger Jesu den Leichnam gestohlen hätten, während sie schliefen.

Was ist die spirituelle Aussage hinter der Auferweckung?

Prus: Sie ist die Bestätigung dessen, was Jesus getan und gelehrt hat, aber auch dass er nicht nur ein wahrer Mensch, sondern auch wahrer Gott ist. Für die Christen ist sie die Grundlage des Glaubens für ein Leben nach dem Tod: „Sind wir mit Christus gestorben, so glauben wir, dass wir auch mit ihm leben werden“, schreibt der Apostel Paulus an die Römer.

Was hat uns die Auferstehung für das tägliche Leben zu sagen?

Prus: Sie gibt unserem Leben einen Sinn. Jesus lebt und ist für mich und alle Menschen in unserem Leben verfügbar. Er bietet uns seine Freundschaft an. „Ich bin bei euch alle Tage bis zu Ende der Welt“, lesen wir im Evangelium. Vor allem in schwierigen Situationen, in Leid und in Krankheit suchen und spüren wir seine Gegenwart.

Warum ist es so wichtig, Ostern jedes Jahr aufs Neue zu feiern?

Prus: Wir feiern auch jedes Jahr unseren Geburtstag, weil er für uns wichtig ist. Ostern feiern wir Christen nicht nur als Erinnerung an die Auferstehung Christi, sondern es ist auch für uns die Vergegenwärtigung dieses Geheimnisses. Wir lesen Worte Gottes aus der Bibel und empfangen den lebendigen Jesus in Gestalt des Brotes in der heiligen Kommunion. Als Christen feiern wir eigentlich jeden Sonntag ein kleines Osterfest, weil das der Tag der Auferstehung ist.

Was tun Sie, damit die Menschen an Ostern gerne in Ihre Kirche kommen?

Prus: Alle Christen sind an diesem Tag eingeladen, das Fest der Auferstehung zu feiern. Deshalb lade auch ich alle ein, mitzufeiern. Jede christliche Gemeinde, zusammen mit ihrem Pfarrer, bemüht sich, besonders feierlich und verständlich die liturgische Feier dieses Festes vorzubereiten und abzuhalten. Das werden wir auch in diesem Jahr tun.

Wie bewerten Sie die Verniedlichung des Osterfestes?

Prus: Ich hoffe, dass diese Bräuche und Traditionen, die wir alle kennen, auch einen nicht gläubigen Menschen neugierig machen können. So helfen sie den eigentlichen Sinn von Ostern zu suchen und zu entdecken.

Von Timo König

Quelle: HNA

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