Interview: Stephan Reich liest in Melsungen aus seinem ersten Roman

Kommt zurück in die Heimat: Stephan Reich ist in Melsungen aufgewachsen. Am Freitag liest er in der Brücken-Buchhandlung aus seinem Debütroman „Wenn’s brennt“. Foto: Privat/Senf

Melsungen. Zwei Jugendliche aus einer Kleinstadt erleben ihren letzten gemeinsamen Sommer. Die besten Freunde wollen es noch ein letztes Mal richtig krachen lassen, doch je näher der Abschied rückt, desto düsterer wird die Stimmung. „Wenn’s brennt“ heißt der Debütroman von Stephan Reich, der die Geschichte der beiden Freunde Erik und Finn erzählt. Reich ist in Melsungen aufgewachsen und liest am Freitag in der Brücken-Buchhandlung aus seinem Roman. Wir haben mit ihm vorab über „Wenn’s brennt“ und seine Jugend in Melsungen gesprochen.

Herr Reich, was können Leser vom Roman erwarten?

Stephan Reich: Im besten Fall eine tragische Geschichte, aber die humorvoll erzählt wird. Es ist ein schnelles und direktes Buch. Es ist kurzweilig, ohne dabei seicht zu sein.

Was meinen Sie mit der tragischen Geschichte?

Reich: Es geht um die beiden Kumpels Erik und Finn. Finn muss die Stadt nach dem Sommer verlassen und kommt damit nicht klar. Die Tragik und Dramatik kommt vor allem von ihm. Die Abschiedssituation in den sechs Wochen Sommerferien fängt heiter an und wird immer düsterer. Was vorher noch lustig war, Partys und Ähnliches, fängt an, auszuarten.

Die Sprache in ihrem Roman ist sehr derbe. Unter anderem wird viel geflucht. Warum haben Sie so geschrieben?

Reich: Ich habe mich gefragt, wie kann ich konsequent diese Figuren glaubhaft machen. Das sind 16-jährige Jungs, die kein Blatt vor den Mund nehmen, wenn sie miteinander reden. Ich habe keinen Grund gesehen, das zu entschärfen, weil ich das für unglaubwürdig halte. Ich glaube, dass Jugendliche in dem Alter genauso flapsig reden.

Wie kam es dazu, dass Sie sich in Ihren Debütroman für eine Geschichte aus der jugendlichen Lebensphase entschieden haben?

Reich: Ich finde, es ist generell eine interessante Lebensphase. Man erlebt viele Sachen zum ersten Mal: Liebe, Sex, Drogen, Partys. Zeitlich ist es sehr komprimiert, es sind so ein, zwei Jahre, in denen alles passiert. Gleichzeitig ist die Phase sehr ambivalent. Einerseits gibt es in den Jahren 16 bis 18 riesengroße Freiheit, andererseits ist der Zeit schon ein Abschied eingeschrieben. Man weiß, bald geht man getrennte Wege. Es ist sehr aufregend mit einem doppelten Boden.

Sie sind selbst in einer Kleinstadt aufgewachsen. Wie viel steckt von Ihnen in der Geschichte?

Reich: In der Geschichte selbst eigentlich gar nichts. Es ist eine eigenständige Geschichte, von der ich nichts erlebt habe. Ich habe mir aber einige der kleineren Erzählungen am Rand geborgt. Beispielsweise denkt Erik an einer Stelle an einen ehemaligen Lehrer, der in einen Schrank eingesperrt wurde und am nächsten Tag mit der Schrotflinte in die Schule kam. Das kursierte bei mir an der Schule als Gerücht. Was ich auf jeden Fall übernommen habe, ist ein bisschen Topografie. Es gibt schon Ähnlichkeiten zwischen Melsungen und dem Städtchen in der Geschichte.

Was haben Sie an Ihrer Jugend in Melsungen geschätzt und was war nicht so schön?

Reich: Es gibt diesen Spruch über das Beamtensein: „Die Jacke des Beamten ist eng, aber warm.“ Das war hier in der Jugend auch so. Es ist klein, du hast nur begrenzte Möglichkeiten, deine Freizeit zu verbringen. Das ist aber schön, denn man hat eine gewisse Familiarität und Nestwärme.

Berlin hat 3,5 Millionen Einwohner, in Melsungen wohnen um die 14 000 Menschen. Wie ist es für Sie aus der „großen Stadt“ zurück zu kommen und in Melsungen aus Ihrem Buch zu lesen?

Reich: In erster Linie freue ich mich wahnsinnig. Es ist eine besondere Sache, mit dem ersten Buch zurück in die Heimat zu kommen. Ich weiß auch schon, dass ein paar alte Kumpels bei der Lesung sein werden. Manche habe ich seit fünf Jahren nicht gesehen.

Termin: Stephan Reich liest am Freitag, 27. Januar, ab 20 Uhr in den Brückenbuchhandlung. Der Eintritt kostet 12 Euro.

Zur Person

Stephan Reich ist 1984 in Kassel geboren. Er lebte bis er 20 Jahre alt war in Melsungen. In Münster studierte er Germanistik, Anglistik und Soziologie. Seit 2011 lebt er in Berlin. Reich arbeitet als Redakteur beim Fußballmagazin 11Freunde. Sein Debütroman „Wenn’s brennt“ ist im Februar 2016 erschienen.

Quelle: HNA

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